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Wüstenameisen können Orientierungspunkte einschätzen Die Orientierungswunder der Wüste

Autor / Redakteur: Angela Overmeyer* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Wüstenameisen sind wahre Meister der Orientierung. Forscher des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie haben in aktuellen Untersuchungen nun entdeckt, dass es denn Ameisen sogar gelingt, relevante Orientierungspunkte herauszufiltern. Wie ihnen dies gelingt, lesen Sie in diesem Beitrag.

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Die Wüstenameise Cataglyphis fortis lebt in kargen Salzpfannen im wüstenhaften Süden Tunesiens. Wenn sie von der Nahrungssuche in ihr Nest zurückkehrt, vollbringt sie eine navigatorische Meisterleistung.
Die Wüstenameise Cataglyphis fortis lebt in kargen Salzpfannen im wüstenhaften Süden Tunesiens. Wenn sie von der Nahrungssuche in ihr Nest zurückkehrt, vollbringt sie eine navigatorische Meisterleistung.
(Bild: Markus Knaden, MPI chem. Ökol.)

Jena – Wüstenameisen der Art Cataglyphis fortis merken sich sichtbare oder riechbare Orientierungspunkte nur dann, wenn diese ausschließlich an ihrem Nesteingang vorkommen. Wie Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie jetzt herausfanden, prägen sich die Tiere Landmarken oder Gerüche nicht als Nesthinweise ein, wenn diese mehrfach im Gelände zu sehen oder zu riechen sind. Ameisen können die Aussagekraft solcher Orientierungshilfen also einordnen und lassen sich von Hinweisen, die nicht eindeutig sind, nicht täuschen.

Unterscheidung von ein- und mehrdeutigen Landmarken

Von der Futtersuche heimkehrende Wüstenameisen sind in der Lage, eindeutige von mehrdeutigen Landmarken zu unterscheiden und in ihre Verhaltensentscheidung einzubeziehen, wenn sie ihr Nest finden müssen. Dies zeigten neue Verhaltensexperimente in Tunesien. „Die Ameisen ignorieren sicht- oder riechbare Orientierungshilfen immer dann, wenn sie nicht verlässlich sind, sondern mehrfach im Gelände vorkommen und nicht nur am Nesteingang. Die Beurteilung der Aussagekraft von visuellen Landmarken oder Geruchsspuren als relevant oder nicht-relevant für die Nestsuche zeigt die erstaunliche kognitive Leistung des kleinen Ameisengehirns“, sagt Erstautor Roman Huber.

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Feindlicher Lebensraum

Die Wüstenameisen leben in lebensfeindlichen Salzpfannen, ausgetrockneten Salzseen in der nordafrikanischen Sahara. Kaum ein anderes Tier ist dort zu finden. Die Ameisen wohnen in unterirdischen Nestern und verbringen als Einzeljäger den ganzen Tag auf der Suche nach Nahrung, in der Regel tote Insekten, die vom Wind in das unwirtliche Terrain geweht wurden und dort verendeten. Dafür müssen sie oft weite Strecken zurücklegen. „Das Besondere an diesen Ameisen ist, dass von der Nahrungssuche heimkehrende Tiere unbedingt das Nest finden müssen und wollen. Man kann sie daher beliebig einfangen und in eine bestimmte Testsituation versetzen. Während andere Tiere sofort ihr Futterstück fallen lassen und versuchen zu verschwinden, spult die Ameise ihr fest programmiertes Heimkehrverhalten ab. Dadurch lässt sich anhand von Manipulationen der Umgebung sehr gut untersuchen, welche navigatorischen Hilfsmittel die Tiere verwenden“ erklärt Markus Knaden, der in der Abteilung Evolutionäre Neuroethologie die Arbeitsgruppe „Geruchsgesteuertes Verhalten“ leitet. Dies ist auch der Grund dafür, warum er immer wieder nach Tunesien kommt, um Experimente mit diesen faszinierenden Tieren durchzuführen.

Sonne als Kompass und Schritte zählen

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Wüstenameisen die Sonne als Kompass nutzen und einen integrierten Schrittzähler haben, um zurück in ihr Nest zu finden.

Richtungs- und Entfernungsinformationen sind wichtig für die so genannte „Wegintegration“, mit deren Hilfe sie ihren Rückweg „berechnen“. Außerdem nutzen sie sichtbare Landmarken sowie Magnet- und Vibrationssinn zur Navigation. Futter und Nesteingang finden sie mit Hilfe ihres äußerst sensiblen Geruchssinns. Für die neue Studie untersuchten die Forscher, wie Ameisen reagieren, wenn sie bestimmte Landmarken am Nesteingang lernen und dann den gleichen Landmarken fernab des Nests wiederbegegnen. „Man muss sich das so vorstellen: Wenn wir uns in einer unbekannten Großstadt an einem markanten Hochhaus orientieren wollen und plötzlich feststellen, dass es weitere Hochhäuser gibt, die ganz ähnlich aussehen. dann sind wir total verwirrt. Wir fragten uns also, wie Ameisen dieses Problem lösen“, sagt Markus Knaden.

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