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Mythos Nr. 2: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr müssen täglich beachtet werden
Adieu Nährstoffrechner: „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr sind Orientierungswerte, mit deren Hilfe eine angemessene Zufuhr sichergestellt werden kann“, erläutert Prof. Dr. Stefan Lorkowski, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und Physiologie der Ernährung an der Universität Jena. „Sie müssen daher auch nicht jeden Tag exakt umgesetzt werden.“
Am Beispiel einer Veröffentlichung zur Ernährungsstudie PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology) aus dem vergangenen Jahr zeigt Prof. Dr. Lorkowski auf, dass jede Studie sorgfältig analysiert, kritisch hinterfragt und bewertet werden muss. Damals forderten die Autoren der PURE-Studie eine Revision aktueller Ernährungsempfehlungen, da weniger Kohlenhydrate und mehr Fett in der täglichen Kost das Leben verlängere (LABORPRAXIS berichtete). Weltweit äußerten sich zahlreiche Experten kritisch, darunter auch die SNFS in einer Stellungnahme, und führten zahlreiche Schwachpunkte an.
„Um Ernährungsempfehlungen zu formulieren, muss man sich zuvor systematisch mit der gesamten Fachliteratur auseinandersetzen“, macht Prof. Dr. Lorkowski klar. Das sei ein langwieriger und oftmals auch kontrovers diskutierter Prozess, an dessen Ende ein wissenschaftlicher Konsens stehe, der aus einem vorher festgelegten methodischen Vorgehen entstehen muss. „Einzelne Studien wie die PURE-Studie stellen die etablierten Ernährungsempfehlungen daher auch nicht grundsätzlich in Frage, sondern leisten einen kleinen Beitrag zur Neubewertung der vorhandenen Evidenz.“
Prof. Dr. Lorkowski kommt zu dem Schluss, dass eine vollwertige Ernährung auf verschiedenen Wegen erreicht werden kann, extreme Ernährungsformen jedoch das Risiko einer unzureichenden Versorgung an unentbehrlichen Nährstoffen und Ballaststoffen sowie einer unangemessenen Zufuhr von gesundheitsabträglichen Inhaltsstoffen bergen. Die Relation der Makronährstoffe zueinander alleine ist kein ausreichendes Kriterium zur Beurteilung der Qualität der Ernährung. „Entgegen den vielen Behauptungen in den Medien unterstützen aus meiner Sicht die aktuellen Studien die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, so ihr Vizepräsident.
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