Wie steht es eigentlich um die Nachhaltigkeit im Labor und den Life Sciences in 2023? Was sind Trends in Laboren und Unternehmen, was wird schon heute, was sollte künftig unternommen werden, um Labore nachhaltiger aufzustellen? Das und mehr erfahren Sie vom 9. bis 11. Mai 2023 beim LAB Sustainability Summit auf der Labvolution in Hannover.
Abb.1: Das Thema Nachhaltigkeit ist auch in der Laborbranche angekommen.
Im Jahr 2015 erschien der erste Artikel von NIUB zum Thema Nachhaltigkeit im Labor [1]. Was zunächst in Bezug auf die Realisierbarkeit im Laboralltag eher skeptisch betrachtet wurde, hat sich in den letzten zwei Jahren zum Trendthema gemausert: Nachhaltigkeit ist in der Branche und den Laboren angekommen. Und angesichts der alarmierenden Berichte des IPCC [2] ist es höchste Zeit, auch die Life Sciences nachhaltiger zu gestalten. Wie das gelingen kann, darauf will der LAB Sustainability Summit auf der Labvolution in Hannover Antworten geben.
Die Labvolution im Überblick
Messedatum: 9. bis 11. Mai 2023
Öffnungszeiten: 9. bis 10. Mai 2023: 9 bis 18 Uhr; 11. Mai 2023: 9 bis 17 Uhr
Ort: Messegelände Hannover, Halle 19/20, Eingang Nord 1
Veranstalter: Deutsche Messe AG
Der Status quo – erfolgversprechend, aber noch viel Arbeit
Die Ressourcenverbräuche im Labor sind enorm. Zahlen wie: „ein –80 °C-Freezer verbraucht so viel Energie wie ein Einfamilienhaus“ oder „Labore weltweit erzeugten 5,5 Millionen Tonnen an Plastikabfall in einem Jahr“ werden in Vorträgen, Workshops und über Social Media geteilt. Das ist gut so – erzeugen sie doch die notwendige Aufmerksamkeit für das Thema. Die breite Diskussion über die Ressourcenverbräuche und die Verantwortung der Wissenschaft für unseren Planeten hat an vielen Stellen schon zu Maßnahmen geführt, oftmals angestoßen von einzelnen Laborgruppen, an anderer Stelle aber auch schon lange gefördert durch spezifische Programme, wie dem Bonusprogramm der Freien Universität Berlin, das seit 2007 läuft und durch das die biowissenschaftlichen Labore bis zu 270.000 Euro an jährlicher Prämie erhalten haben [3]. Verstärkt durch die Energiekrise wurde in vielen Laboren nach Möglichkeiten gesucht, Energie einzusparen. Umfassende Maßnahmen wurden ergriffen, wie die Nachtabsenkung in Laborgebäuden oder das Erhöhen der Freezertemperatur auf –70 °C. Programme wie das Laboratory Efficiency Assessment Framework (LEAF) [4], initiiert von der UCL aus Großbritannien, die My-Green-Lab-Zertifizierung [5] oder das Ecomapping [6], bei dem Laboratorien vor Ort individuelle Maßnahmen erarbeiten, helfen bei der Einführung von konkreten Nachhaltigkeitsmaßnahmen.
Auch Unternehmen gehen auf die steigenden Nachhaltigkeitsforderungen von Politik und Kundenseite ein. Neue Produkte, wie pflanzenbasierte Tubes [7], werden auf den Markt gebracht, Recyclingsysteme für Pipettenboxen [8,9] oder Zellkulturflaschen [10] sind mittlerweile etabliert und immer mehr Unternehmen stellen auf erneuerbare Energien um, setzen Nachhaltigkeitsprogramme auf und berichten über eigene Anstrengungen – weil sie gesetzlich dazu verpflichtet werden [11], aus eigenem Antrieb oder aus einer Mischung von beidem.
Doch diese Maßnahmen reichen noch nicht aus. Laut einer Studie von ICE und My Green Lab müssen Life-Science-Unternehmen weltweit pro Jahr 9 % an CO2-Emissionen einsparen und erst ein sehr kleiner Teil an Unternehmen hat ausreichende Pläne, um das 1,5 °C-Ziel einzuhalten [12]. Zwar gehen die CO2-Emissionen pro Umsatz [13] zurück, aber das ist noch nicht ausreichend, zumal die Branche weltweit in den nächsten Jahren im Schnitt um 10,8 % wachsen soll [14].
Der LAB Sustainability Summit – Drei Tage – drei Themen – ein Ziel
Abb.2: Auf der Labvolution 2023 findet an allen drei Messetagen der LAB Sustainability Summit statt, der sich mit dem Thema Nachhaltigkeit im Labor beschäftigt.
(Bild: Deutsche Messe AG)
Wo steht die Branche, welche Entwicklungen gibt es und wie können Labore und Unternehmen nachhaltigere Praktiken umsetzen? Diese und weitere Fragen möchte der LAB Sustainability Summit beantworten, der vom 9. bis 11. Mai auf der Labvolution stattfindet. Gleichzeitig möchte er eine Plattform für Labormitarbeitende, Mitarbeitende aus Unternehmen und auch CSR- und Nachhaltigkeitsmanager*innen bieten, um sich über Best Practice zu informieren und gemeinsam Herausforderungen und Lösungen zu diskutieren. Denn eines ist klar: Die Herausforderungen sind groß und nur gemeinsam kann die Transformation zu einer nachhaltigeren Branche gelingen.
Am ersten Tag des LAB Sustainability Summits ordnet Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt zunächst den Themenkomplex „Nachhaltigkeit im Labor und den Life Sciences“ ein und zeigt davon ausgehend auf, wie jeder Einzelne seinen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten kann – z. B. mithilfe der Ecomapping-Methode. Der Rest des Tages steht dann ganz im Zeichen der Unternehmen. Denn diese können durch die Optimierung von Prozessen, die Umstellung auf eine treibhausgasneutrale Produktion oder die Entwicklung nachhaltigerer Produkte, die am Ende im Idealfall auf eine Kreislaufwirtschaft einzahlen, einen großen Beitrag hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise leisten. Gleichzeitig gibt es große Herausforderungen in der Praxis. Best-Practice-Beispiele und Einblicke in die Nachhaltigkeitsstrategie von verschiedenen Unternehmen zeigen, wie Vorhaben umgesetzt werden und was daraus an konkreten Ergebnissen folgt.
Wie Eppendorf mit Blick auf Produktverpackungen und Consumables die verantwortungsvolle Nutzung „Natürlicher Ressourcen“ und die bestmögliche Unterstützung der Kreislaufwirtschaft vorantreibt, wird Dr. Samira Schröder erläutern. Gerade das Ressourcenthema kann dabei nur global und unternehmensübergreifend betrachtet werden – weshalb das Ziel dieses Vortrags auch darin liegt, zu zeigen, wie Eppendorf bei der Strategieentwicklung vorgegangen ist und gleichzeitig einen Startpunkt zur Vernetzung zu liefern, um das Thema gemeinsam innerhalb der Branche anzugehen.
Dr. Frank Michel von Merck gibt den Zuhörenden einen Einblick, wie Nachhaltigkeit bei Merck gelebt und umgesetzt wird. Anschließend zeigt er konkret auf, wie durch die Entwicklung von nachhaltigen Chemikalien und Reagenzien, die weniger Ressourcen benötigen oder weniger Abfall erzeugen, die Umweltauswirkungen von Laboren und der Forschung verringert werden können. Neben den ökologischen gehören auch ökonomische und soziale Aspekte zu einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbetrachtung. Und hier geht Knauer mit der Erhebung des firmeneigenen Gender pay gap und dessen erfolgreichen Verringerung schon seit Jahren voran [15]. Welche weiteren Maßnahmen zum Aufbau einer nachhaltigen Unternehmenskultur führen, konkretisiert Dr. Ulrike Krop in ihrem Beitrag. Denn nur in einer entsprechenden Umgebung können Mitarbeitende nicht nur motiviert, sondern auch innovativ an zukunftsfähigen Lösungen zu arbeiten. Und sie sind wichtige Botschafter nach außen, allen voran die Mitarbeitenden aus dem Vertrieb. Es braucht auch hier neue Ansätze, um einen zukunftsfähigen Vertrieb aufzubauen, wie Dr. Silke Böffel von Notchdelta Recruiting & Consulting darstellen wird. Schließlich darf auch ein Blick auf die Schnittmengen von Digitalisierung und Nachhaltigkeit nicht fehlen, sei es durch ein kluges Inventory Management, wie Dr. Claudio Rolli von Fluics zeigen wird, oder das Monitoring von Geräten, um Ineffizienzen zu erkennen und daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten. Matthias Schuh von Essentim wird dazu eine gemeinsame Initiative von Labforward, NIUB und Essentim vorstellen und eventuell schon erste Einblicke in ein laufendes Projekt geben können.
Stand: 08.12.2025
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Den eigenen Impact der Laborarbeit auf die Umwelt verringern
Labore nutzen vermehrt Programme wie LEAF oder die My-Green-Lab-Zertifizierung, bei der Mitarbeitende (mindestens 50% der Mitarbeitenden im Fall von My Green Lab) mithilfe von online-Fragebögen die aktuelle Situation im Labor erfassen und anschließend Verbesserungsvorschläge bekommen. Im Rahmen der My-Green-Lab-Zertifizierung erfolgt eine abschließende Bewertung der durchgeführten Maßnahmen, indem derselbe Fragebogen nach einem Zeitraum von ca. sechs Monaten erneut ausgefüllt wird. Details dazu wird Raj Patey, Business Development Director von My Green Lab am dritten Tag erläutern. Im Fall von LEAF, das auf Universitäten ausgerichtet ist, bewerten universitätseigene Administratoren die Maßnahmen in einem gemeinsamen online-Audit und vergeben dann eine entsprechende Zertifizierungsstufe. Dr. Valeria Scagliotti wird über ihre Erfahrungen mit LEAF als Labormitarbeiterin sowie als Koordinatorin berichten, die aktuell die Umsetzung am EMBL in Heidelberg begleitet. Die zunehmende Miniaturisierung ist ein weiterer Trend, der der Nachhaltigkeit in die Hände spielt. Dr. Thorsten Teutenberg nimmt im aktuellen Projekt NACH-LABS [16], gefördert von der DBU, diesen Trend im Kontext der Analytik genauer unter die Lupe und untersucht nicht nur Lösemitteleinsparungen, sondern beispielsweise auch die Auswirkungen auf die Laborinfrastruktur.
Produktlabel stehen am dritten Tag im Fokus, helfen sie doch, auch im Labor nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Dabei ist es wichtig, dass diese von unabhängiger Seite bewertet und die Kriterien transparent nach außen getragen werden, um Greenwashing zu vermeiden. Egbert Dittrich von Egnaton wird in seinem Vortrag genauer auf das Egnaton CERT-Label eingehen und aufzeigen, wie es sich in die Gesamtbetrachtung eines Laborgebäudes einfügt. Denn CERT beruht auf den Kriterien des Bewertungssystems „Nachhaltiges Bauen“ und bezieht als einziges Label im Laborkontext nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Kriterien sowie die Aspekte Prozessqualität und technische Qualität mit ein, um eine holistische Betrachtungsweise im Sinne der Nachhaltigkeit zu garantieren.
Das ACT-Label [18] wiederum bewertet die ökologischen Auswirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus, inklusive Produktion, Nutzung und Entsorgung, wie Raj Patey von My Green Lab näher erläutern wird. Eine sehr umfassende, dafür aussagekräftige Methode zur Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produkts ist die Lebenszyklusanalyse. Wie Qiagen dieses Tool genutzt hat, um die Umweltauswirkungen der neuen, umweltfreundlicheren Qiawave Produktlinie zur Nukleinsäureaufreinigung im Vergleich zu den etablierten Standardkits zu bewerten, wird Dr. Inga Irle erläutern.
Abgerundet wird das Programm durch Produktvorstellungen, die sich durch Ressourceneinsparungen oder andere Innovationen auszeichnen. Green Elephant Biotech wird sein Produkt zur Zellkultivierung erläutern, das auf der Basis von Maisstärke hergestellt wird, Nevolab zeigt auf, wie Prozesse und Synthesen in der Chemie durch Miniaturisierung nachhaltiger gemacht werden können und Eppendorf erklärt, wie es Pflanzenöle, die als Abfall in Großküchen oder Restaurants anfallen, nutzt, um daraus Verbrauchsmaterialien für das Labor herzustellen.
Mit dem Lab Sustainability Summit soll ein Einblick in die Bandbreite an Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus Labor und Unternehmen gegeben werden – denn am Ende kann Nachhaltigkeit nur gemeinsam gelingen.