Einen Teelöffel Salz pro Tag sollte man höchstens zu sich nehmen. Wer mehr konsumiert, erhöht nicht nur sein Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko, sondern schwächt auch Teile seines Immunsystems. Dies legt eine neue Studie von Forschern der Universität Bonn nahe.
Das Team von der Universität Bonn untersuchte die Auswirkungen von Salz auf das Immunsystem: (v.l.) Dr. Katarzyna Jobin, Natascha Ellen Stumpf, Melanie Eichler, Prof. Dr. Christian Kurts, Olena Babyak und Mirjam Meissner.
(Bild: Max Germer)
Bonn – Fünf Gramm Salz pro Tag, nicht mehr: Das ist die Menge, die Erwachsene laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO maximal zu sich nehmen sollten. Sie entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. Tatsächlich überschreiten viele Deutsche diesen Grenzwert aber deutlich: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen Männer im Schnitt auf zehn und Frauen auf gut acht Gramm täglich.
Der übermäßige Griff zum Salzstreuer kann mitunter gesundheitsschädliche Folgen haben. Denn Natriumchlorid steigert den Blutdruck und erhöht so das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Doch nicht nur das: „Wir konnten nun erstmals nachweisen, dass eine übermäßige Salzzufuhr auch einen wichtigen Arm des Immunsystems schwächt“, sagt Prof. Dr. Christian Kurts vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Bonn. Er hat die Effekte von Salzkonsum auf das Immunsystem in einer Studie näher untersucht.
Salzkonsum und Immunzellen
Dass Salz einen Teil des Immunsystems schwächt, war ein unerwarteter Befund, wiesen doch andere Studien gerade in die entgegengesetzte Richtung. So heilen Infektionen mit bestimmten Hautparasiten in Versuchstieren deutlich schneller, wenn diese eine salzreiche Kost zu sich nehmen: Die Makrophagen sind in Anwesenheit von Salz besonders aktiv. Aus dieser Erkenntnis zur Aktivität der Immunzellen bei Salzkonsum schlossen manche Mediziner auf eine allgemein immunfördernde Wirkung von Natriumchlorid.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Verallgemeinerung nicht zutrifft“, sagt die Erstautorin der Studie Dr. Katarzyna Jobin. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hält der Körper die Salzkonzentration im Blut und in den verschiedenen Organen weitgehend konstant. Ansonsten würden wichtige biologische Prozesse nicht funktionieren. Die einzige große Ausnahme ist die Haut: Sie fungiert als Salzspeicher des Körpers. Daher wirkt die zusätzliche Zufuhr von Natriumchlorid bei manchen Hauterkrankungen so gut.
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Die Wirkungskette von zu hohem Salzkonsum
An anderen Stellen im Körper kommt das zusätzlich mit der Nahrung aufgenommene Salz aber gar nicht an. Stattdessen wird es von den Nieren herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden. Und hier kommt der zweite Mechanismus ins Spiel: Die Nieren verfügen über einen Natriumchlorid-Sensor, der die Salz-Ausscheidefunktion aktiviert. Als unerwünschte Nebenwirkung sorgt dieser Sensor allerdings auch dafür, dass sich im Körper so genannte Glukokortikoide anhäufen. Und die wiederum hemmen die Funktion der Granulozyten, des häufigsten Immunzelltyps im Blut.
Granulozyten zählen wie die Makrophagen zu den Fresszellen. Sie attackieren aber keine Parasiten, sondern vor allem Bakterien. Wenn sie das nicht in ausreichendem Maße tun, verlaufen Infektionen weitaus heftiger. „Das konnten wir in Mäusen mit einer Listerien-Infektion zeigen“, sagt Jobin. „Einige von ihnen hatten wir zuvor auf eine salzreiche Kost gesetzt. In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1000-fache Menge der krankmachenden Keime.“ Auch Harnwegsinfekte heilten bei salzreich ernährten Versuchsmäusen erheblich langsamer.
Wie salzreiche Kost auf die Keimabwehr des Menschen wirkt
Auf das Immunsystem von Menschen scheint sich Natriumchlorid ebenfalls negativ auszuwirken. „Wir haben Freiwillige untersucht, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen“, sagt Studienleiter Kurts. „Das entspricht etwa der Menge, die in zwei Fastfood-Mahlzeiten enthalten ist – also zwei Burger und zwei Portionen Pommes frites.“ Nach einer Woche entnahmen die Wissenschaftler ihren Probanden Blut und untersuchten die Granulozyten. Die Immunzellen wurden deutlich schlechter mit Bakterien fertig, nachdem die Versuchspersonen begonnen hatten, sich salzreich zu ernähren.
Bei menschlichen Probanden führte die überreichliche Salzzufuhr zudem auch zu erhöhten Glukokortikoid-Spiegeln. Dass dies das Immunsystem hemmt, ist nicht überraschend: Das bekannteste Glukokortikoid Kortison wird traditionell eingesetzt, um Entzündungen zu unterdrücken. „Erst durch Untersuchungen in einem ganzen Organismus konnten wir die komplexen Regelkreise aufdecken, die von der Salzaufnahme zu dieser Immunschwächung führen“, betont Kurts. „Damit zeigt unsere Arbeit auch die Grenzen reiner Zellkulturversuche auf.“
Stand: 08.12.2025
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Originalpublikation: Katarzyna Jobin, Natascha E. Stumpf, Sebastian Schwab, Melanie Eichler, Patrick Neubert, Manfred Rauh, Marek Adamowski, Olena Babyak, Daniel Hinze, Sugirthan Sivalingam, Christina K. Weisheit, Katharina Hochheiser, Susanne Schmidt, Mirjam Meissner, Natalio Garbi, Zeinab Abdullah, Ulrich Wenzel, Michael Hölzel, Jonathan Jantsch und Christian Kurts: A high-salt diet compromises antibacterial neutrophil responses through hormonal perturbation, Science Translational Medicine 25 Mar 2020, Vol. 12, Issue 536; DOI: 10.1126/scitranslmed.aay3850
* J. Seiler, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 53115 Bonn