English China

Bewegliche Antibiotika-Resistenzen

Eine neue Dimension von Krankenhaus-Infektionen

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Die in diesem Fall ungewöhnlich breite Speziesverteilung bei gleichem Resistenzmuster machte die Anwesenheit eines extrem beweglichen genetischen Resistenzelementes wahrscheinlich. Zur Überprüfung wurden 21 repräsentative KPC-2-positive Stämme in der Medizinischen Mikrobiologie der JLU Gießen sequenziert. Die anschließende bioinformatorische Auswertung der Daten konnte das blaKPC-2-Gen auf einem bestimmten Plasmid lokalisieren, das bei jedem der untersuchten Isolate vorhanden war. Dies beweist, dass die Häufung der Carbapenemase-exprimierenden Bakterien kein Zufall war, sondern durch die rasante Ausbreitung eines spezifischen Resistenz-Plasmids verursacht wurde. Diese Untersuchung beschreibt weltweit erstmals den nosokomialen – im Krankenhaus erworbenen – Ausbruch eines Carbapenemase tragenden beweglichen genetischen Elements. Die Carbapenemase ist ein Enzym, das Carbapeneme unwirksam macht und damit Resistenz gegen dieses Antibiotikum verleiht. Ein Multiresistenz-Plas-mid, das auf unterschiedliche Keime übertragen werden kann, tritt somit an die Stelle der Verbreitung eines klassischen resistenten Krankenhauskeims.

Gefährliche Kombination aus krankmachendem Erreger und Antibiotikaresistenz

Besonders gefährlich kann es werden, wenn ein solches Plasmid auf pathogene Keime wie Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae übertragen wird. Die Infektion mit einer Kombination aus krankmachendem Erreger und Antibiotikaresistenz kann möglicherweise nicht mehr therapiert werden. Eine weitere kaum abschätzbare Bedrohung entsteht, wenn ein genesener Patient die multiresistenten Erreger mit nach Hause nimmt. Das Risiko für seine Umgebung, Familie und Kollegen ist kaum abschätzbar.

Die im Institut für Medizinischen Mikrobiologie in Gießen vorhandene Infrastruktur sowie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Landes- und Bundesbehörden, dem Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger und dem RKI ermöglichte es weltweit erstmalig, die epidemiologischen Zusammenhänge noch während des Ausbruchsgeschehens innerhalb weniger Tage aufzuklären. Auf diese Weise konnte die Quelle schnell identifiziert und der Ausbruch beendet werden. In Zusammenarbeit mit dem NRZ wurde hierzu außerdem eine spezifische diagnostische PCR-Methode entwickelt und bestätigt, um weitere Ausbrüche schnell und effektiv erkennen und bekämpfen zu können. „Dieses Beispiel illustriert eindrucksvoll die Möglichkeiten der molekularen Epidemiologie im DZIF“, unterstreicht Chakraborty.

Laut DZIF-Sprecher Prof. Dr. Martin Krönke hat sich die schleichende Ausbreitung multiresistenter Erreger in Deutschland inzwischen zu einer Bedrohung unbekannten Ausmaßes entwickelt. Diese Entwicklung wird das Öffentliche Gesundheitswesen in Zukunft vor große Probleme stellen.

Originalpublikation: Yao Y, Imirzalioglu C, Hain T, Kaase M, Gatermann S, Exner M, Mielke M, Hauri A, Dragneva Y, Bill R, Wendt C, Wirtz A, Domann E, Chakraborty T. Complete Nucleotide Sequence of a Citrobacter freundii Plasmid Carrying KPC-2 in a Unique Genetic Environment. Genome Announc. 2014 Nov 13;2(6). pii: e01157-14. doi: 10.1128/genomeA.01157-14.

(ID:43109711)