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Studie: Wie Kinder die Lebenserwartung der Eltern beeinflussen

Eltern leben länger – aber warum?

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Kinder steigern die Lebenserwartung auch bei höher Gebildeten

Abb. 3: Wenn Eltern sehr gut gebildet sind, nimmt ihre Sterblichkeit bis zum vierten Kind mit jeder weiteren Geburt ab.
Abb. 3: Wenn Eltern sehr gut gebildet sind, nimmt ihre Sterblichkeit bis zum vierten Kind mit jeder weiteren Geburt ab.
(Bild: © MPI für demografische Forschung; Quellen: Swedish register data, eigene Berechnungen)

Auch die Analyse der unterschiedlichen Bildungsgruppen zeigt einen Selektionsprozess (s. Abb. 3). Zunächst einmal entspricht sie den Erwartungen: Je höher die Bildung, vor allem der Frauen, desto geringer ist die Sterblichkeit unter ihnen. Gleichzeitig scheint in den höheren Bildungsgruppen der Vorteil aber umso größer, je mehr Kinder eine Frau hat. Während Frauen ohne Abitur mit zwei Kindern ihre höchste Lebenserwartung erreichen, ist dies bei Frauen mit Abitur erst bei drei Kindern der Fall. Unter den Müttern mit Universitätsabschluss dagegen dürfen diejenigen mit vier Kindern mit dem längsten Leben rechnen.

Doch ganz allein mit Selektion lassen sich die Unterschiede zwischen Eltern und Kinderlosen nicht erklären. Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, hat die Mehrheit der Eltern, nämlich die mir zwei, drei oder vier Kindern, auch dann noch einen Vorteil gegenüber den Kinderlosen, wenn Faktoren wie Bildung und Beruf berücksichtigt wurden.

Barclay und Kolk erklären diesen Vorteil bei der Lebenserwartung damit, dass Kinder einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Eltern haben. Hierzu gibt es zwei mögliche Theorien: Zum einen könnte es sein, dass Kinder später dafür sorgen, dass ihre alternden Eltern Unterstützung und Hilfe bekommen. So gab es etwa Studien, die zeigen konnten, dass eine hohe Bildung und ein hohes Einkommen der Kinder mit einer größeren Lebenserwartung ihrer Eltern einhergeht. Allgemein konnten Barclay und Kolk indes keine Belege für diese Theorie finden. Denn dann wäre ja zu erwarten, dass Eltern umso mehr von dieser Unterstützung profitieren, je mehr Kinder sie haben. Tatsächlich aber steigt die Lebenserwartung bei den biologischen Eltern nur bis zum zweiten Kind an und fällt danach wieder ab (s. Abb. 1).

„Gesundheitseffekt“ eher durch gesünderen Lebensstil

Dass Kinder ihre Eltern gesünder machen, sei eher darauf zurückzuführen, dass Menschen ihren Lebensstil verändern, wenn sie Kinder kriegen, vermuten Barclay und Kolk. Mütter und Väter verhalten sich gesünder: Sie verunglücken seltener als Kinderlose, und auch Kreislauferkrankungen treten bei ihnen nicht so häufig auf.

Das Gleiche lässt sich bei Adoptiveltern beobachten. Obwohl in diese Gruppe ohnehin nur Menschen gelangen, die einen gesunden und verantwortungsvollen Lebensstil pflegen, ist auch bei ihnen ein positiver Effekt der Kinder auf die Lebenserwartung nachweisbar, schreiben Barclay und Kolk. Das gilt vor allem für die Adoption ausländischer Kinder: Obwohl die Gruppe der Adoptiveltern bereits stark selektiert ist und vor allem gesunde, stabile und gutsituierte Menschen umfasst, steigt die Lebenserwartung hier mit jedem Kind weiter an.

* Silvia Leek: Max-Planck-Institut für demografische Forschung, 18057 Rostock

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