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Weiße Biotechnologie Evonik gibt Nominierte für Science-to-Business Award bekannt

| Redakteur: Manja Wühr

Mit dem Science-to-Business Award zeichnet Evonik Industries Forschungsarbeiten aus, die an der Schwelle zur wirtschaftlichen Nutzung oder haben diesen Schritt sogar schon gemacht. Dieses Jahr hat die Jury drei wissenschaftlicher Arbeiten rund um die Weiße Biotechnologie nominiert.

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Dr. Alfred Oberholz, Vorstand von Evonik: „Die Projekte zeigen das immense Potenzial der Weißen Biotechnologie.“
Dr. Alfred Oberholz, Vorstand von Evonik: „Die Projekte zeigen das immense Potenzial der Weißen Biotechnologie.“
( Bild: Evonik Industries )

Essen – Enzyme, die für neue Medikamente sorgen, ein Verfahren, das aus Alkohol oder Zucker Acrylglas macht, Proteine, die als leuchtende Reporter beim Kampf gegen Krebs-Tumore helfen – keine Science Fiction Storys, sondern Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten rund um die Weiße Biotechnologie, die für den diesjährigen Science-to-Business Award von Evonik Industries nominiert sind. „Die Projekte befinden sich auch alle an der Schwelle zur wirtschaftlichen Nutzung oder haben diesen Schritt sogar schon gemacht. Sie erfüllen damit eine wesentliche Bedingung des Innovationspreises von Evonik: wissenschaftliche Innovationen in wirtschaftlich nutzbare Produkte umzusetzen – Science to Business eben, wie der Name des Awards deutlich macht“, sagte Dr. Alfred Oberholz, Mitglied des Vorstandes von Evonik Industries.

Wer letztlich das Rennen um den mit 100.000 Euro dotierten Preis machen wird, wird die internationale Jury am 12. November 2008 in Berlin im Rahmen einer Award Ceremony verkünden. Nominiert sind:

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  • Dr. Thore Rohwerder, Universität Duisburg-Essen, hat ein Enzym gefunden, mit dem ein verzweigtkettiger C4-Körper petrochemischer Herkunft in einen linearen überführt wird. Dieses Enzym, eingebaut in einen Zuckerstoffwechsel, kann eine Vorstufe für MMA (Methylmethacrylat - Monomer für Acrylglas) generieren. Bislang konnte diese Vorstufe – 2-Hydroxyisobutyrat (2-HIB) – nur in einem rein chemischen Prozess auf Basis petrochemischer Rohstoffe hergestellt werden. Um ein geeignetes bakterielles System bzw. einen funktionierenden Laborprozess aufzubauen, braucht es ca. vier Jahre. In fünf Jahren müsste es möglich sein, eine Pilotanlage für die Herstellung einiger Tonnen zu betreiben. Das biotechnische Verfahren ist im Vergleich zum bisherigen chemischen Herstellungsprozess umweltfreundlicher, energiearm und erzeugt nur wenig Abfall.
  • Mit dem von Dr. Paul Dalby, University College London, Großbritannien, entwickelten biokatalytischen Prozess können Enzyme miteinander kombiniert und maßgerecht auf neue Aufgaben zugeschnitten werden. Mit der neuen Methode können jetzt bestimmte Eigenschaften von Enzymen erkannt und durch genetisches Engineering auf spezielle Aufgaben zugeschnitten werden. Eine Vielzahl von Substraten lässt sich so in chirale Aminodiole umwandeln – eine Stoffgruppe, die besonders für die Weitersynthese zu Pharmazeutika, Agrochemikalien und auch Feinchemikalien geeignet ist. Die verschiedenen Variationen werden anschließend in einem automatisierten Prozess auf die gewünschten Eigenschaften gescreent. Aufgrund des fokussierten Ansatzes müssen dabei nur 400 statt bis zu 10 000 Variationen untersucht werden. Das Projekt hat zu neuen Enzymen sowie zu stabilen und skalierbaren biokatalytischen Prozessen geführt. Durch den integrierten Ansatz eröffnen sich u.a. neue Möglichkeiten für die unter Zeitdruck stehenden Synthesen bei der Medikationsentwicklung (vor-klinische Phase). Mögliche Anwender sind die pharmazeutische, die Agro- und die Feinchemie.
  • Dr. Thorsten Eggert, Firma Evocatal, und Dr. Thomas Drepper, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, haben neue anaerob fluoreszierende Proteine entwickelt, die die Verfolgung zellulärer Abläufe auch unter Ausschluss von Sauerstoff erlauben. Einsatzbereiche für die Fluoreszenzmarker sind die akademische Forschung sowie die Industrie. In der Industrie können etwa Herstell- und Fermentationsprozesse beobachtet und optimiert werden. Im Umweltbereich lassen sich die „ Leuchtenden Reporter“ z.B. als Biosensoren einsetzen, die Schadstoff-abbauende anaerobe Bakterien markieren und lokalisieren. Im biomedizinischen Bereich wäre es denkbar, mithilfe der Fluoreszenzmarker Mikroorganismen zu entwickeln, die Sauerstoff-limitierte Bereiche menschlicher Tumoren besiedeln und somit selektiv Krebszellen angreifen können.

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