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Erfolgschancen von Fleischersatzprodukten Da beißt selbst Mann in die Veggi-Boulette

Quelle: Pressemitteilung Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 3 min Lesedauer

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Burger ohne Fleisch? Ein großer Teil der Verbraucher ist dafür noch nicht bereit. Da helfen auch keine Fleischimitate, die der Textur und Optik nacheifern. Wie eine Studie nun zeigt, ist es am Ende vor allem eine Preisfrage, welchen Erfolg ein fleischloser Burger hat.

Ob Verbraucher einen vegetarischen Burger kaufen, hängt weniger vor allem vom Preis ab, wie eine Studie der Universität Halle-Wittenberg zeigt (Symbolbild).(Bild:  ideogram.ai / KI-generiert)
Ob Verbraucher einen vegetarischen Burger kaufen, hängt weniger vor allem vom Preis ab, wie eine Studie der Universität Halle-Wittenberg zeigt (Symbolbild).
(Bild: ideogram.ai / KI-generiert)

Der weltweit hohe Fleischkonsum, insbesondere in wohlhabenden Ländern, wird heftig diskutiert. „Obwohl das Angebot an pflanzlichen Alternativen seit Jahren wächst, ist die Nachfrage nach Fleisch ungebrochen“, sagt Dr. Steffen Jahn, Vertretungsprofessor am Lehrstuhl für Marketing & Innovation der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) „Leider gibt es kaum belastbare Informationen darüber, wie es um die Akzeptanz von Fleischersatzprodukten generell steht, unter welchen Bedingungen ihre Attraktivität erhöht werden kann oder ob es sich nur um eine Modeerscheinung handelt.“

Gemeinsam mit Forschenden der Humboldt-Universität zu Berlin und der Georg-August-Universität Göttingen hat der Marketingforscher deshalb eine Studie zu Konsumpräferenzen bei Fleisch und Fleischalternativen durchgeführt. Dabei befragten dir Forscher online rund 2.100 US-Amerikaner. „Die Vereinigten Staaten zählen zu den Ländern mit dem höchsten Fleischkonsum weltweit. Der Pro-Kopf-Verbrauch allein von Rindfleisch beispielsweise lag im Jahr 2023 bei rund 25 Kilogramm“, sagt Jahn.

Fleisch oder Ersatz – vier Burger buhlen um die Verbrauchergunst

Im ersten Teil der Studie wurden die Teilnehmenden gebeten, sich für eine von vier Burger-Alternativen zu entscheiden, die mit Bildern und Textbeschreibung präsentiert wurden:

  • ein klassischer Rindfleischburger,
  • ein pflanzlicher Burger, der das Fleisch in Optik, Textur und Geschmack imitiert (analog),
  • ein vegetarischer Burger, der nur das Erscheinungsbild imitiert, nicht aber Geschmack oder Textur (semi-analog),
  • und ein Falafelburger (nicht-analog).

Wenig überraschend: Drei Viertel der Befragten wählten den Fleischburger. „Erstaunt hat uns jedoch, dass der Falafelburger die beliebteste Fleischalternative war, während der Analogburger auf dem letzten Platz landete“, sagt Jahn „Das widerspricht der verbreiteten Annahme, Fleischersatz sei nur dann konkurrenzfähig, wenn er das Original möglichst gut imitiert.“ Die Daten zeigen auch: Die Mehrzahl der Konsumenten würde sich für eine Fleischalternative entscheiden, wenn kein Fleischburger angeboten wird. Nur ein Drittel verweigert sich den pflanzlichen Ersatzprodukten gänzlich.

Bei niedrigen Preisen wählen selbst Männer die Fleischalternative

Im zweiten Studienteil untersuchte das Forscherteam, welchen Einfluss der Preis auf die Produktpräferenz hat. „Aktuell sind Ersatzprodukte teurer als Fleisch, weshalb diskutiert wird, den Preis anzugleichen. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine Preisparität keinen nennenswerten Effekt hat“, betont Jahn. Wenn Fleischersatz allerdings deutlich günstiger ist als das tierische Pendant, ändert sich das Verbraucherverhalten merklich.

Eine Preissenkung des analogen Burgers um zehn Prozent etwa würde laut den Studienergebnissen zu einer Umsatzsteigerung von 14 Prozent führen. Wären die Ersatzprodukte nur noch halb so teuer wie der Fleischburger, würde sich die Anzahl derer verdoppeln, die sich für eine pflanzliche Alternative entscheiden.

Interessant dabei: Männer sind in der Umfrage eher bereit als Frauen, ihr Verhalten zu ändern, wenn der Preis attraktiv ist – obwohl sie doch typischerweise die überzeugteren Fleischesser sind. Auch diejenigen, die bislang noch nie ein Fleischersatzprodukt probiert hatten, würden sich dafür entscheiden, wenn sie von einem deutlichen Preisvorteil profitieren könnten.

Tipps, um Verbraucher für Fleischersatzprodukte zu gewinnen

„Restaurants und Hersteller von Lebensmitteln könnten ihre Umsätze von vegetarischen oder veganen Alternativen tatsächlich steigern, wenn sie Fleischersatzprodukte zu niedrigeren Preisen als die Fleischoptionen anbieten“, resümiert Jahn. „Es muss nicht das originalgetreue Imitat sein, das vermutlich von vielen mit ultrahoher Verarbeitung assoziiert wird.“

Die Autoren der Studie empfehlen auf Basis ihrer Ergebnisse auch, ein möglichst breites Spektrum an Ersatzprodukten anzubieten, um verschiedene Verbrauchergruppen anzusprechen.

Originalpublikation: Jahn S., Guhl D., Erhard A.: Substitution patterns and price response for plant-based meat alternatives, Proceedings of the National Academy of Sciences, PNAS, Vol. 121, No. 50, 2024; DOI: 10.1073/pnas.2319016121

Dieser Beitrag erschien zuvor auf dem Schwesterportal www.foodtec-insider.de.

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