Wenn die Eigenschaften zweier Atome miteinander verknüpft sind, spricht man von Quantenverschränkung. Nun haben Forscher aus Dresden und München erstmals die Verschränkung ganzer Bereiche von Atomen entdeckt. Damit dringen sie weiter zu möglichen Anwendungen wie Quantensensoren und Quantencomputer vor.
Schrödingers Katze mit Quantenfell: Im Material LiHoF4 haben die Physiker der Universitäen Dresden und München einen neuen Phasenübergang entdeckt, bei dem sich magnetische Domänen quantenphysikalisch verhalten.
(Bild: Christoph Hohmann/MCQST)
In der Physik ist Schrödingers Katze ein Sinnbild für zwei der erstaunlichsten Effekte der Quantenmechanik: Verschränkung und Überlagerung. Forscher aus Dresden und München haben diese Phänomene jetzt auf sehr viel größeren Skalen gefunden als nur im Bereich der kleinsten Teilchen. Bisher war bekannt, dass es in Materialien wie Magneten so genannte Domänen gibt, also Inseln, in denen die Materialeigenschaften jeweils gleich sind (sinnbildlich schwarz oder weiß). Physiker der Technischen Universitäten Dresden (TUD) und München (TUM) haben in Lithium-Holmium-Fluorid (LiHoF4) nun einen neuen Phasenübergang entdeckt, bei dem sich die Domänen überraschenderweise quantenphysikalisch verhalten, mit verschränkten Eigenschaften (also zugleich schwarz und weiß). „Unsere Quantenkatze hat ein neues Fell bekommen, weil wir in LiHoF4) einen Quantenphasenübergang entdeckt haben, den die Wissenschaft vorher nicht kannte“, sagt Matthias Vojta, Professor für Theoretische Festkörperphysik an der TUD.
Phasenübergänge in Quantenmaterialien
Dass sich die Eigenschaften einer Substanz spontan ändern, kann man am Beispiel von Wasser leicht verstehen. Bei 100 °C verdampft es, bei 0 °C bildet sich Eis. In beiden Fällen entstehen die neuen Aggregatzustände an einem Phasenübergang, an dem sich die Wassermoleküle neu anordnen und so den Charakter der Substanz ändern. Eigenschaften wie Magnetismus oder Supraleitung entstehen ebenfalls durch Phasenübergänge, nämlich von Elektronen in Kristallen. Finden Phasenübergänge bei Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt bei -273,15 °C statt, werden Effekte der Quantenmechanik – wie Verschränkung – wichtig, und man spricht von Quantenphasenübergängen. „Obwohl man solche Phasenübergänge in Quantenmaterialien seit über dreißig Jahren intensiv untersucht, dachte man bisher, dass das Phänomen der Verschränkung nur im mikroskopischen Bereich weniger Atome relevant ist“, erläutert Christian Pfleiderer, Professor für Experimentalphysik zur Topologie korrelierter Systeme an der TUM.
Quantenmechanische Verschränkung gehört zu den verblüffendsten Phänomenen der Physik. Dabei befinden sich mehrere Teilchen in einem gemeinsamen Überlagerungszustand, in dem verschiedene sich eigentlich ausschließende Eigenschaften (z. B. schwarz und weiß) gleichzeitig vorkommen. Normalerweise gelten die Gesetze der Quantenphysik nur für den Bereich der kleinsten Teilchen. Das Forschungsteam aus München und Dresden hat Effekte der Teilchenverschränkung nun aber auf einer sehr viel größeren Skala gefunden – im Bereich mehrerer tausend Atome. Dafür haben sie bewusst ein Material untersucht, das schon lange bekannt ist.
Ganze Bereiche miteinander quantenverschränkt
LiHoF4 ist bei sehr tiefen Temperaturen ein Ferromagnet, in dem alle magnetischen Momente spontan entlang derselben Richtung zeigen. Wird nun ein Magnetfeld genau senkrecht zur magnetischen Vorzugsrichtung angelegt, kommt es zu Richtungswechseln der Momente – man spricht von Fluktuationen. Mit zunehmender Feldstärke werden diese Fluktuationen immer stärker, bis der Ferromagnetismus schließlich an einem Quantenphasenübergang komplett verschwindet. Dabei werden benachbarte Momente miteinander verschränkt. „Wenn man also eine LiHoF4-Materialprobe an einen superstarken Magneten hält, ist sie plötzlich nicht mehr spontan magnetisch. Das ist schon seit 25 Jahren bekannt“, führt Festkörperphysiker Vojta aus.
Neu ist, was passiert, wenn man die Richtung des Magnetfelds ändert. „Wir haben entdeckt, dass es immer noch einen Quantenphasenübergang gibt, obwohl man immer dachte, dass selbst eine superkleine Verdrehung des Magnetfelds den Übergang sofort unterdrückt“, sagt Experimentalphysiker Pfleiderer. Allerdings sind es hier nicht mehr einzelne Momente, sondern ausgedehnte magnetische Bereiche, die den Quantenphasenübergang ausmachen, wie die Wissenschaftler herausfanden: ferromagnetische Domänen – ganze Inseln von gleich ausgerichteten magnetischen Momenten.
Eine neue Art von Quantenphasenübergängen
„Wir haben eine ganz neue Art von Quantenphasenübergängen gefunden, wo Verschränkung im Bereich von vielen tausend Atomen anstatt im Mikrokosmos von nur wenigen Atomen auftritt“ sagt Vojta. „Stellt man sich die magnetischen Domänen als ein schwarz-weißes Muster vor, dann werden an diesem neuen Phasenübergang entweder die schwarzen oder die weißen Bereiche unendlich klein – bilden also ein Quantenmuster – bevor sie sich auflösen.“ Die experimentellen Daten können mit einem neu entwickelten theoretischen Modell sehr gut erklärt werden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Wichtig sind die Entdeckung und Modellierung der neuen Phasenübergänge unter anderem als Grundlage und allgemeine Referenz für die Untersuchung von Quantenphänomenen in Materialien. Aber auch für neue Anwendungen. „Verschränkung soll beispielsweise in Quantensensoren und Quantencomputern kontrolliert und genutzt werden“ sagt Vojta. Pfleiderer ergänzt: „Bei unserer Arbeit handelt es sich um Grundlagenforschung, die aber auch schnell unmittelbare Bedeutung für die Anwendung haben kann, wenn man die neu entdeckten Materialeigenschaften gezielt nutzt“.
Originalpublikation: Andreas Wendl, Heike Eisenlohr, Felix Rucker, Christopher Duvinage, Markus Kleinhans, Matthias Vojta & Christian Pfleiderer: Emergence of mesoscale quantum phase transitions in a ferromagnet, Nature 609, 65–70 (2022), DOI: 10.1038/s41586-022-04995-5