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Weichmacher in der Raumluft

Gefahr im Hausstaub: Lösemittelfreie Analyse flüchtiger Phthalate

| Autor / Redakteur: Guido Deußing* / Dr. Ilka Ottleben

Abb. 1: Polymerhaltige Fußbodenauslegeware, Möbelpolster und Duschvorhänge können Phthalate emittieren. Die Weichmacher adsorbieren an Staubpartikel und reichern sich daran an.
Abb. 1: Polymerhaltige Fußbodenauslegeware, Möbelpolster und Duschvorhänge können Phthalate emittieren. Die Weichmacher adsorbieren an Staubpartikel und reichern sich daran an. (Bild: ©Jag_cz, ©magann- stock.adobe.com)

Die als Weichmacher einsetzten Phthalate sind flüchtig, nahezu ubiquitär, sie reichern sich an Staubpartikeln an und gefährden unsere Gesundheit. Kurz: Sie sollten analytisch überwacht werden. Welche Methode bei der Analyse von Luftproben die besten Resultate liefert, haben Forscher nun in einer umfangreichen Literaturrecherche untersucht. Ihr Ergebnis: Die TD-GC/MS.

Die Industrie verbraucht weltweit pro Jahr schätzungsweise rund fünf Mio. Tonnen Phthalsäureester. Hauptabnehmer dieser Stoffgruppe, die landläufig besser bekannt ist unter der Bezeichnung Phthalate, ist die Kunststoffindustrie, die sie als Weichmacher einsetzt, also um Polymerwerkstoffe flexibler und haltbarer zu machen; PVC ist das wohl bedeutendste Zielpolymer. Auch Konsumgüter und pharmazeutische Produkte können Phthalate enthalten, weil sie die Hautdurchlässigkeit von Cremes fördern, Duftstoffe in Parfüms halten, die Bruchfestigkeit von Nagellack verbessern oder die Elastizität von Haarsprays erhöhen, um nur einige Beispiele der Wirkweisen von Phthalaten zu nennen. Bedauerlicherweise besitzen Phthalate nicht nur positive, sprich: für die Industrie interessante Eigenschaften, sondern sie bergen auch erhebliche Gesundheitsrisiken (s. Kasten Ergänzendes zum Thema: „Besorgniserregende Phthalate“)

Das Problem mit den Phthalaten ist nicht allein ihrem chemischen Naturell zuzuschreiben, das sie von reproduktionstoxisch über mutagen und kanzerogen bis hormonell wirken lässt, sondern auch der Art, wie die Ester der Phthalsäure in die Polymermatrix eingebettet sind: Sie sind nämlich nicht chemisch fest an die Polymermoleküle gebunden, sondern nur rein physikalisch, also eher locker. Die Polymere werden von den Phthalaten äußerlich umhüllt, sozusagen wie ein molekularer Schmierfilm, und können – ihr Charakter trägt dazu bei – vergleichsweise leicht aus der Matrix entweichen: Phthalate gehören zu den halbflüchtigen organischen Verbindungen (SVOC). Die Emission verläuft in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen, denen der Werkstoff ausgesetzt ist, mehr oder weniger schnell. Relevante Einflussfaktoren bilden die Umgebungsfeuchtigkeit, ein möglicher manueller oder chemischer Abrieb, Druck und Temperatur.

* G. Deußing: Redaktionsbüro Guido Deußing, 41464 Neuss

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