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Genome Editing am Menschen: Forscher beziehen Stellung

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Anpassung der europäischen Gentechnik-Gesetze

Eine wichtige Frage betrifft die rechtliche Einordnung von Genom‐editierten Pflanzen und Tieren, die Wissenschaftler im Freien anbauen oder aufziehen wollen. 2018 hat der Europäische Gerichtshof auf Basis des europäischen Gentechnik‐Gesetzes von 2001 entschieden, dass Genom‐editierte Organismen dieselben Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen wie gentechnisch veränderte Organismen.

Viele Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft sind über diese Entscheidung besorgt, da sie Feldstudien und die Züchtung von Genom-editierten Nutzpflanzen in Deutschland extrem erschwert. Sie fordern deshalb die Aktualisierung der europäischen Gentechnik‐Regulation. Eine neue Richtlinie sollte dem Positionspapier zufolge die wissenschaftlichen Fortschritte der letzten Jahre berücksichtigen und zwischen Technologien unterscheiden, die durch die Genom-Editierung natürliche Mutationen nachahmen, und solchen, die mehr Kontrolle erfordern.

Mit der Genom-Editierung lässt sich auch das Erbgut wilder Tierarten verändern, etwa das von Insekten. Vor allem in Kombination mit der sogenannten Gene‐Drive‐Technologie können Forscher so ganze Populationen verändern oder vernichten. Dies ist dadurch möglich, dass eine ganze Population von Individuen mit einem modifizierten Gen innerhalb weniger Generationen übernommen wird. Solche Gene könnten beispielsweise eine Mückenart daran hindern, Krankheiten wie Malaria zu übertragen, indem sie die Insekten resistent gegen die Krankheitserreger oder unfruchtbar machen und sie dadurch ausrotten.

Gene Drive: Nutzen und Risiken

Die Ägyptische Tigermücke kann verschiedene Krankheiten übertragen, darunter Gelb- und Dengue-Fieber. Genetisch veränderte Mücken aus dem Labor sollen die wildlebenden Vorkommen dezimieren und so die Infektionsgefahr für den Menschen verringern.
Die Ägyptische Tigermücke kann verschiedene Krankheiten übertragen, darunter Gelb- und Dengue-Fieber. Genetisch veränderte Mücken aus dem Labor sollen die wildlebenden Vorkommen dezimieren und so die Infektionsgefahr für den Menschen verringern.
(Bild: © Science Photo Library / Agentur Focus)

Die Max-Planck-Gesellschaft empfiehlt, dieses Forschungsfeld weiter zu beobachten, denn es birgt zwar hohes Potenzial für die Bekämpfung von Krankheiten, die Risiken sind aber zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. So ist in den meisten Fällen noch nicht ausreichend untersucht, welche Auswirkungen der Verlust bestimmter Arten auf ein Ökosystem hat. Zudem wirft die Anwendung der Technik ethische und rechtliche Probleme auf. Es müssen beispielsweise mögliche grenzüberschreitende Auswirkungen der Freisetzung genetisch veränderter Insekten beachtet werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die von der Freisetzung betroffenen Menschen hinreichend über den Zweck sowie mögliche Folgen aufgeklärt werden.

Die Max-Planck-Gesellschaft hält es für erforderlich, international gültige ethische und rechtliche Standards für den Einsatz von Gene Drives zu entwickeln. Um diesen Prozess zu unterstützen, wird sie künftig Entscheidungsträgern im In‐ und Ausland ihre wissenschaftliche Expertise zu den Chancen und Risiken dieser Technologie zur Verfügung stellen.Das vollständige Positionspapier steht hier für Sie zum Download bereit.

* Dr. C. Beck: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., 80539 München

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