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Biodiversität Globalisierung reduziert Artenvielfalt

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Immer mehr Pflanzen- und Tierarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Dieser weltweite Artenaustausch führt dazu, dass heute z.B. in Österreich Waschbären aus Nordamerika vorkommen, während in Australien Kamele und europäische Kaninchen wild leben. Ein internationales Team um Forscher vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien und am österreichischen Umweltbundesamt konnte nun erstmals belegen, dass die globale Verschleppung von Arten zum Zusammenbruch von eigenständigen Verbreitungsmustern führt.

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Ein Beispiel für die Globalisierung von Artvorkommen: die Mittelmeersandschnecke ist rund ums Mittelmeer heimisch, wurde jedoch in den letzten Jahrzehnten in zahlreiche Gebiete der Erde verschleppt wie Kalifornien, Südafrika, Argentinien und südliches Australien.
Ein Beispiel für die Globalisierung von Artvorkommen: die Mittelmeersandschnecke ist rund ums Mittelmeer heimisch, wurde jedoch in den letzten Jahrzehnten in zahlreiche Gebiete der Erde verschleppt wie Kalifornien, Südafrika, Argentinien und südliches Australien.
(Bild: Cesar Capinha)

Wien/Österreich – Jeder Kontinent, jede Insel, jedes Land besitzt von Natur aus eine eigenständige, nur dort vorkommende Pflanzen- und Tierwelt. Dazu gehören so bekannte Vertreter wie Beuteltiere und Eukalyptus in Australien, Kiwis auf Neuseeland oder – in kleinerem Maßstab – viele Arten der Alpen in Mitteleuropa. Der Grund für diese eingeschränkten Verbreitungsgebiete von Arten liegt darin, dass Barrieren wie Gebirge oder Meere die natürliche Ausbreitung über Jahrmillionen verhindert haben.

Das Ende von Ausbreitungsgrenzen als Folge der Globalisierung

Der Mensch hat diese viele Millionen Jahre alten Barrieren der Ausbreitung innerhalb kurzer Zeit aufgehoben. Mit dem globalen Handel wurden Pflanzen- und Tierarten über Kontinente hinweg verschleppt, andere Arten wurden absichtlich ausgesetzt. Dieser Prozess hat in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen und führte allein in Österreich zu 1100 neu angesiedelten Pflanzen- und 600 neuen Tierarten, so genannten Neobiota.

Ein internationales Forscherteam unter Mitarbeit von Franz Essl und Dietmar Moser, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien und am Umweltbundesamt, analysierte nun erstmals die Folgen der Verschleppung von Neobiota auf die klassischen globalen Verbreitungsmuster. „Wir untersuchten am Beispiel von Schnecken wie sich die Ähnlichkeit in der Artenzusammensetzung zwischen 56 Ländern und Inseln durch menschliche Verschleppung von Arten geändert hat“, erläutert Essl und ergänzt: „Die Ergebnisse haben uns völlig überrascht: Während die ursprüngliche Verbreitung der Schneckenarten die bekannten Ausbreitungsgrenzen und damit klassische biogeographische Regionen widerspiegelt, gilt dies für die Verbreitung vom Menschen verschleppter Schnecken überhaupt nicht mehr. Deren Verbreitung wird fast ausschließlich vom Klima bestimmt. Daher weisen sogar so weit voneinander entfernte, klimatisch aber ähnliche Regionen wie Österreich und Neuseeland eine sehr ähnliche Artengemeinschaft von verschleppten Schnecken auf. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unsere Erkenntnisse auch für andere Tier- und Pflanzengruppen zutreffen“.

Biologische Homogenisierung trägt zur globalen Biodiversitätskrise bei

Die Ergebnisse des Forscherteams zeigen, dass sich Artengemeinschaften in ihrer Zusammensetzung weltweit rapide ändern und immer ähnlicher werden. Diese "biologische Homogenisierung" kann weitreichende Konsequenzen haben, warnen die Forscher. Während manche Arten durch den Menschen weltweit verschleppt werden, geraten viele andere Arten aufgrund der Ansiedlung von Neobiota immer stärker unter Druck. Die Studie zeigt daher, dass weitaus mehr als bisher für den Schutz von Arten getan werden muss und dass die Verschleppung von Neobiota künftig gebremst werden muss.

Originalpublikation: César Capinha, Franz Essl, Hanno Seebens, Dietmar Moser, Henrique Miguel Pereira: The dispersal of alien species redefines biogeography in the Anthropocene, in: Science, 12 June 2015

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