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Wissenslücken in der Frauenphysiologie Der Menstruationszyklus ist ein oft vergessener Faktor bei Diagnosen

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften 2 min Lesedauer

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Während des Menstruationszyklus verändert sich der Herzschlag einer Frau auf subtile Weise. Auslöser sind hormonelle Schwankungen, die einen einzigartigen Einblick in die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem weiblichen Gehirn und dem Herzen bieten. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts untersuchten nun, wie sich dieses Phänomen langfristig auf die kardiovaskuläre und neurologische Gesundheit auswirken könnte.

Früher lag der Fokus der medizinischen Forschung vorwiegend auf der männlichen Physiologie, was zu erheblichen Wissenslücken in Bezug auf frauenspezifische Aspekte geführt hat. So wirkt sich beispielsweise der Menstruationszyklus auf Diagnose und Behandlung von bestimten Herzerkrankungen aus. (Symbolbild)(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
Früher lag der Fokus der medizinischen Forschung vorwiegend auf der männlichen Physiologie, was zu erheblichen Wissenslücken in Bezug auf frauenspezifische Aspekte geführt hat. So wirkt sich beispielsweise der Menstruationszyklus auf Diagnose und Behandlung von bestimten Herzerkrankungen aus. (Symbolbild)
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Der Herzschlag einer Frau verändert sich während ihres Menstruationszyklus durch hormonelle Schwankungen. Diese rhythmischen Veränderungen zeigen, dass es komplexen Wechselwirkungen zwischen dem weiblichen Gehirn und dem Herzen gibt.

Für die mehr als zwei Milliarden Frauen weltweit, die Menstruationszyklen erleben, könnten diese Erkenntnisse die klinischen Ansätze für die kardiovaskuläre und psychische Gesundheit von Frauen verbessern. „In der Vergangenheit hat sich die medizinische Forschung hauptsächlich auf die männliche Physiologie konzentriert. Dies hat zu kritischen Lücken in unserem Verständnis frauenspezifischer Faktoren geführt, z.B. wie sich der Menstruationszyklus auf Diagnose und Behandlung auswirken kann“, sagt Julia Sacher, Forschungsgruppenleiterin in der Abteilung für Neurologie am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS), Professorin für Kognitive Neuroendokrinologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Letztautorin der Studie.

Jellina Prinsen, Erstautorin der Studie, erklärt verschiedene Möglichkeiten, um das Thema voranzutreiben: „Man muss zum Beispiel bedenken, dass diese physiologischen Schwankungen in der Herzfrequenz einer Frau nicht nur einen erheblichen Einfluss auf ihr Stressniveau oder ihre Stimmung haben können, sondern auch auf die langfristige Gesundheit von Herz und Gehirn. Die Herzphysiologie von Frauen ist nicht statisch, sie schwankt mit ihren natürlichen hormonellen Rhythmen.“ Diese Schwankungen in der Herztätigkeit könnten sich darauf auswirken, wie schnell eine Frau diagnostiziert wird, wenn etwas nicht stimmt, erklärt Prinsen.

Zudem weist sie darauf hin, dass diese komplexen zyklischen Wechselwirkungen auch eine Rolle bei der Bestimmung der richtigen Medikamentendosierung spielen könnten. Dies betone die Notwendigkeit, dass Ärzte den Menstruationszyklus berücksichtigen sollten, wenn sie die Herzgesundheit beurteilen und Behandlungen verschreiben. Die Erkenntnisse sollen laut Prinsen den Weg für eine personalisierte Medizin ebnen, die sich an den natürlichen hormonellen Rhythmus der Frau anpasst.

Die Forscher haben die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem weiblichen Gehirn und dem Herzen untersucht.(Bild:  MPI CBS)
Die Forscher haben die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem weiblichen Gehirn und dem Herzen untersucht.
(Bild: MPI CBS)

Überbrücken der Wissenslücke

Die Relevanz und Bedeutung der Arbeit von Prinsen wurde kürzlich mit dem renommierten Marie-Skłodowska-Curie-Postdoktorandenstipendium ausgezeichnet, das es ihr ermöglicht, ihre Forschungen weiter auszubauen. Gemeinsam mit Gruppenleiterin Sacher setzt sie sich dafür ein, frauenspezifische Faktoren in Studien zur kardiovaskulären und neurologischen Gesundheit zu integrieren, die sich nicht nur auf die Phasen des Menstruationszyklus beschränken, sondern auch Schwangerschaft, Perimenopause und exogenen Hormongebrauch (z. B. Verhütung oder geschlechtsangleichende Therapie) berücksichtigen. Die Arbeiten werden am Leipziger Zentrum für Frauengesundheit und Gendermedizin des Universitätsklinikums Leipzig, dem MPI CBS und in Zusammenarbeit mit der KU Leuven (Belgien) durchgeführt.

Originalpublikation: Jellina Prinsen et al. , The monthly rhythm of the brain-heart connection Sci. Adv.11,eadt1243(2025).DOI:10.1126/sciadv.adt1243

(ID:50359250)

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