Im Spätsommer wird es für Honigbienen eng: Nahrungsmangel und Pestizide belasten sie doppelt und können die Überwinterung schwächen. Eine Feldstudie der Uni Würzburg zeigt nun: Honigbienen finden auch in Agrarlandschaften in Unterfranken vielfältige Pollen ohne Pestizidbelastung. Die Ergebnisse geben Hoffnung, können aber nicht auf die weltweite Agrarwirtschaft übertragen werden.
Eine Biene mit Pollenhöschen sitzt am Fluglocheingang vor dem Lochgitter der Pollenfalle. Beim Durchqueren des Gitters wird sie die Pollenhöschen abstreifen. Diese fallen in die Schublade der Pollenfalle.
(Bild: Sarah Manzer / Universität Würzburg)
Pflanzen produzieren in ihren Blüten massenhaft nährstoffreiche Pollen – wahre Kraftpakete für viele Insekten, auch für Honigbienen: Sie mischen die protein- und fettreichen Pollen in das Futter, mit dem sie ihre Larven großziehen. Jüngere Bienen fressen die Pollen auch selbst, um sich zu stärken.
Für Honigbienen sind die pflanzlichen Energielieferanten enorm wichtig: Ein Mangel an Pollen kann ihre Entwicklung verzögern, sie anfälliger für Krankheitserreger und empfindlicher für Pestizide machen. Wissenschaftliche Studien zeigen außerdem: Je vielfältiger die Pollenmischung im Futter, desto besser ist das für die Gesundheit und den Überwinterungserfolg der Bienenvölker.
Mögliche Doppelbelastung: Nahrungsmangel und Pestizide
Gerade im Spätsommer müssten es Honigbienen demnach eher schwer haben. Zu dieser Zeit blühen nicht mehr viele Pflanzen, das Nahrungsangebot schrumpft. Dazu kommt, dass in den noch vorhandenen Pollen Rückstände von Pestiziden stecken könnten, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
Diese doppelte Belastung könnte den Bienen besonders zusetzen – und das in einer Jahreszeit, die für sie ohnehin sehr kritisch ist: Im Spätsommer entwickeln sich in den Stöcken die langlebigen Winterbienen. Ihre Vitalität entscheidet darüber, ob das Volk die kalte Jahreszeit unbeschadet übersteht.
Bienenstöcke in Unterfranken platziert
Wie steht es also um die Ernährungslage von Honigbienen im Spätsommer – insbesondere in landwirtschaftlich geprägten Regionen? Dieser Frage sind Forschende der Lehrstühle für Tierökologie und Tropenbiologie und für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie im Biozentrum der Universität Würzburg nachgegangen. Sie platzierten 36 Honigbienenvölker an neun verschiedenen Standorten in Unterfranken. Rund um jeden Bienenstock variierte der Anteil einjährig bewirtschafteter Ackerflächen deutlich: Er reichte von 43 bis zu 97 Prozent in einem Umkreis von zwei Kilometern.
Von Anfang Juli bis Mitte August entnahmen die Forschenden dann alle drei Tage Proben aus den Pollenfallen vor den Bienenstöcken. Sie analysierten, welche Pflanzenarten die Bienen angeflogen hatten, wie vielfältig die Pollen waren und ob sich Pestizidrückstände fanden.
Ein Blick in die Pollenschublade zeigt viele verschiedenfarbige Pollenhöschen.
(Bild: Sarah Manzer / Universität Würzburg)
Gleiche Pollendiversität und wenig Pestizide
Die Resultate überraschten das Team um Professor Ingolf Steffan-Dewenter und Professorin Ricarda Scheiner: Die Diversität der gesammelten Pollen war immer ähnlich – egal, ob es rund um die Bienenstöcke sehr viele oder nur wenige Ackerflächen gab. Ebenso unerwartet: In den Pollen steckten nur geringe Mengen an Pestiziden.
Könnte es den Honigbienen im Spätsommer also auch in intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften ganz gut gehen?
Doktorandin Sarah Manzer, die Erstautorin der Publikation, schränkt ein: „Unsere Ergebnisse dürfen nicht generalisiert werden. In unserer Studie hatten Landschaften mit einem hohen Ackeranteil trotzdem viele verschiedene Felder. Dies bietet die Möglichkeit von Blühressourcen an den Feldrändern und diversen pollenspendenden Beikräutern in unterschiedlichen Kulturen.“ In anderen Ländern mit deutlich größeren Ackerflächen, beispielsweise in den USA, könne die Landschaft deutlich weniger Nahrung bieten.
Weiterhin gelten in verschiedenen Ländern unterschiedliche Regularien zum Ausbringen von Pestiziden, was zu unterschiedlichen Kontaminationen mit Pestiziden führen kann. Um ein umfassendes Bild der Auswirkung von Agrarflächen auf Honigbienen zu bekommen, seien weitere Studien in anderen Gegenden und zu anderen Jahreszeiten notwendig, insbesondere im Frühjahr, weil dann mehr Pestizide ausgebracht werden.
Klee an der Spitze der Pollenlieferanten
„In unseren 540 Pollenproben fanden sich mithilfe von DNA-Metabarcoding 140 verschiedene Pollenarten“, sagt Manzer. Am häufigsten sammelten die Bienen Pollen von Klee-Arten, gefolgt von Kornblumen und Sonnenblumen.
Im Durchschnitt trugen die Bienen im Lauf von jeweils drei Tagen Pollen von zehn unterschiedlichen Pflanzen in den Stock. Das ist weder sehr viel noch sehr wenig, ähnliche Werte wurden auch bei anderen Studien gefunden. Womöglich gleichen die Bienen den spätsommerlichen Blütenmangel aus, indem sie auf der Futtersuche weitere Strecken fliegen.
Rund 60 Prozent der Proben pestizidfrei
Rückstände von Pestiziden fanden die Forschenden in 39 Prozent der Pollenproben. Unter den 16 nachgewiesenen Pestiziden waren Fungizide am häufigsten, also Mittel gegen pflanzenschädigende Pilze.
Stand: 08.12.2025
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„Was die Konzentration betrifft, sind die gefundenen Pestizid-Dosen moderat bis gering; direkte tödliche Effekte für die Honigbienen sind nicht zu erwarten“: Das kann Manzer aufgrund der Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien sagen. Aber eine schleichende Schädigung der Bienen durch negative Langzeiteffekte können die Wissenschaftler nicht ausschließen. Weiterhin wissen sie wenig über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Pestiziden. Auch die Auswirkung zum Beispiel auf deutlich kleinere Wildbienen sei bislang nicht bekannt. Weitere Studien seien nötig, um hier mehr Licht ins Dunkel zu bringen.