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Bierproduktion ohne chemische Schädlingsbekämpfung Hopfen wehrt sich auf natürliche Weise gegen Spinnmilben

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Bundesstiftung Umwelt 3 min Lesedauer

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Es geht um’s Bier, und da verstehen die Deutschen keinen Spaß. Deshalb bekämpfen sie die Spinnmilbe, welche ganze Hopfenfelder befällt und Erträge vernichtet, mit chemischen Pestiziden. Ob auch eine natürliche Strategie zum Schutz der Hopfenernte genügt, untersucht aktuell ein Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Gefährlicher Schädling: Diese Hopfenpflanze ist von Spinnmilben befallen. Ein DBU-gefördertes Projekt soll helfen, die natürliche Resistenz von Hopfen zu stärken – und so den Pestizideinsatz für besseren Umweltschutz reduzieren.(Bild:  Florian Weihrauch/LfL)
Gefährlicher Schädling: Diese Hopfenpflanze ist von Spinnmilben befallen. Ein DBU-gefördertes Projekt soll helfen, die natürliche Resistenz von Hopfen zu stärken – und so den Pestizideinsatz für besseren Umweltschutz reduzieren.
(Bild: Florian Weihrauch/LfL)

Wenn die Brauwirtschaft am 23. April wie jedes Jahr den „Tag des deutschen Bieres“ feiert, will sie vor allem an die mittelalterliche, bayerische Landesordnung von 1516 erinnern – und damit an das Reinheitsgebot. Seinerzeit ging es neben Gerste und Wasser besonders um Hopfen. Deutschland ist weltweit einer der beiden Hauptproduzenten dieser Kulturpflanze. Doch es lauert Gefahr: die Spinnmilbe. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert deshalb mit rund 450.000 Euro ein Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Das Ziel: die natürliche Resistenz des Hopfens stärken – und so zugleich die chemische Schädlingsbekämpfung reduzieren.

Einsatz von Pestiziden wirkt – aber nicht nur gegen Schädlinge

Der Kulturhopfen mit Bayern als Hauptanbaugebiet in Deutschland ist allerdings durch die so genannte Gemeine Spinnmilbe bedroht. Als Schädling verursacht sie nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erhebliche Qualitäts- und Ernteverluste – bis hin zum Totalausfall. Um das zu verhindern, kommt chemische Schädlingsbekämpfung zum Einsatz, darunter zum Beispiel Akarizide – also Pestizide zur speziellen Bekämpfung von Milben und Zecken.

Doch es gibt einen Haken, erklärt DBU-Abteilungsleiter Dr. Maximilian Hempel: „Pestizide tragen entscheidend zum Rückgang der biologischen Vielfalt bei. Letztlich gefährdet das auch die Existenz bäuerlicher Betriebe.“ Deshalb sind Alternativen gefragt. Rund drei Millionen Euro Förderung durch die DBU flossen in insgesamt fast ein Dutzend Projekte. „Motivation ist, den Schutz biologischer Vielfalt zu verstärken, ohne die Existenz von Bauernhöfen aufs Spiel zu setzen“, sagt Hempel.

Deutsche Hopfenernte

Hopfen aus Deutschland: Die Bundesrepublik ist einer der weltweit größten Produzenten der unter anderem für das Brauen von Bier gebrauchten Pflanze.(Bild:  Florian Weihrauch/LfL)
Hopfen aus Deutschland: Die Bundesrepublik ist einer der weltweit größten Produzenten der unter anderem für das Brauen von Bier gebrauchten Pflanze.
(Bild: Florian Weihrauch/LfL)

Laut Statistischem Bundesamt haben deutsche Brauereien 2023 rund 7,2 Milliarden Liter alkoholhaltiges Bier hergestellt. Dazu kommen etwa 556 Millionen Liter alkoholfreies Bier.

Das gelingt nur mit entsprechend großen Mengen an Hopfen. Dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zufolge sind 2024 bundesweit rund 46.540 Tonnen Hopfen geerntet worden, ein Anstieg zum Vorjahr um rund 13 Prozent.

Feldversuche zu natürlichem Schädlingsschutz

Auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sucht nach Methoden für nachhaltigen Pflanzenschutz. Projektleiter Dr. Florian Weihrauch berichtet über eine bemerkenswerte Erkenntnis: „Hopfen-Anbauflächen, die von erheblichen Schäden durch Spinnmilben betroffen waren, hatten in den Folgejahren kaum oder gar nicht mehr mit Befall zu kämpfen – ganz ohne den Einsatz von Pestiziden.“ Dies war der Initiator für eine vertiefende Forschung.

In dem von der DBU geförderten Projekt untersucht die LfL nun 31 Hopfengärten über fünf Jahre. In jedem wurde ein Teilbereich alljährlich mit Akariziden behandelt, während eine zweite Teilfläche unbehandelt blieb. Ziel ist es, die Gründe für das beobachtete Phänomen zu finden und wissenschaftlich zu belegen. Das Projekt läuft bis Ende Mai 2026. Was für Weihrauch jetzt schon sicher ist: „Eine jährliche Hopfen-Behandlung mit Akariziden ist gar nicht notwendig und schädigt die Umwelt. Unsere Untersuchungen auf den Beobachtungsflächen lassen erkennen, dass selbst bei einem reduzierten Pestizideinsatz in vielen Jahren keine Ernteausfälle drohen.“

„Wie eine Impfung bei Menschen“

Weitere Forschungsergebnisse erhofft sich Weihrauch noch aus einer anderen Erkenntnis: Nach einem starken Befall mit Spinnmilben verändern sich nach seinen Worten mehrere Faktoren bei der Hopfenpflanze. „Unter anderem produziert sie vermehrt so genannte Methyl-Salicylsäure, die dazu beiträgt, einen erneuten Schädlingsbefall deutlich unwahrscheinlicher zu machen. Bis zum Projektende wollen wir die Gründe noch eingehender untersuchen.“

Für Weihrauch steht fest: Hopfen bildet eine natürliche Resistenz gegen die Spinnmilben aus. Das trete zwar auch bei anderen Pflanzen wie Baumwolle, Sojabohnen oder Zitrusfrüchten auf, doch solch ein Schutz gegen einen beißenden Schädling sei selten. Dieses Phänomen wollen die LfL-Forschenden folglich für eine ökologischere und umweltschonendere Landwirtschaft nutzen. „Stark vereinfacht kann man es sich vorstellen wie eine Impfung bei Menschen“, vergleicht der Experte.

Preiswert und umweltfreundlich

Wenn Hopfenpflanzen auf natürliche Weise gegen Schädlinge abgehärtet oder zumindest weniger Akarizide verwendet werden müssen, hätte das laut Weihrauch mehrere positive Effekte: „Zum einen eine erhebliche Kostenersparnis. Denn der Einsatz der Chemikalien schlägt im Schnitt pro Hektar und pro Anwendung mit 300 bis 400 Euro zu Buche. Zum anderen besserer Umwelt- und Naturschutz, weil Akarizide – einmal in die Umwelt gelangt – der Tier- und Pflanzenwelt schaden können.“ Wenn natürlicher Schutz Ernteausfälle ebenso gut verhindere wie chemische Schädlingsbekämpfung, würden alle Beteiligten profitieren. „Die Nutzung der natürlichen Resistenz gegen Schädlinge ist eine wichtige Etappe auf dem Weg hin zu einem nachhaltigen Pflanzenschutz.“

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Dieser Beitrag ist zuvor auf unserem Schwesterportal www.foodtec-insider.deerschienen.

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