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Forschungsprojekt Was kommt nach der Pille? Hormonfreie Verhütungsmittel gesucht

Quelle: Pressemitteilung Goethe-Universität Frankfurt am Main 3 min Lesedauer

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Die Pille hat als Verhütungsmittel enorm an Beliebtheit verloren, auch wegen diverser Nebenwirkungen. Forscher suchen daher in einem Projekt nach neuen, hormonfreien und besser verträglichen Wirkstoffen zur Verhütung.

Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille finden: Das ist das Forschungsziel des Projekts Prevent von Goethe-Universität Frankfurt, Universitätsklinikum Bonn und LMU München. (Symbolbild)(Bild: ©  Wolfilser - stock.adobe.com)
Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille finden: Das ist das Forschungsziel des Projekts Prevent von Goethe-Universität Frankfurt, Universitätsklinikum Bonn und LMU München. (Symbolbild)
(Bild: © Wolfilser - stock.adobe.com)

In den 1970er-Jahren war die Antibabypille in den westlichen Staaten das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, in Deutschland nahm zum Beispiel jede dritte Frau die Pille. Sie ist sicher und zuverlässig, wird von der Krankenkasse bezahlt und galt vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren auch als Instrument weiblicher Selbstbestimmung.

Im Laufe der Zeit wurden jedoch eine Reihe von Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmethoden bekannt, die – je nach Präparat – von Übelkeit, Gewichtszunahme und Spannungsgefühlen in den Brüsten bis zu Bluthochdruck, Leberfunktionsstörungen und Thrombosen reichen können. Einige Medikamente wie bestimmte Antibiotika oder Johanniskrautprodukte mindern die Wirksamkeit der Pille, bei verschiedenen Erkrankungen sollte sie nicht genommen werden.

Pille wird häufiger abgelehnt

Immer weniger junge Frauen in Deutschland nehmen zur Verhütung die Pille, wie die Statista-Grafik auf Basis einer Analyse der AOK zeigt.  Der Anstieg im Jahr 2020 gegenüber 2019 ist laut AOK darauf zurückzuführen, dass die Datenbasis geändert wurde: die Altersgrenze für die Erstattung von empfängnisverhütenden Medikamenten im Jahr 2019 wurde von 20 auf 22 Jahre angehoben.(Bild:  Statista (Daten: AOK))
Immer weniger junge Frauen in Deutschland nehmen zur Verhütung die Pille, wie die Statista-Grafik auf Basis einer Analyse der AOK zeigt.
Der Anstieg im Jahr 2020 gegenüber 2019 ist laut AOK darauf zurückzuführen, dass die Datenbasis geändert wurde: die Altersgrenze für die Erstattung von empfängnisverhütenden Medikamenten im Jahr 2019 wurde von 20 auf 22 Jahre angehoben.
(Bild: Statista (Daten: AOK))

Die Nebenwirkungen treten zwar vergleichsweise selten auf, tragen aber zur abnehmenden Akzeptanz der Pille bei: Umfragen zeigen, dass seit Jahren immer weniger Frauen und Paare mit der Pille verhüten. Insbesondere bei jüngeren Erwachsenen hat das Kondom die Pille als Verhütungsmittel Nummer eins abgelöst.

Ein Forschungsteam um Dr. Claudia Tredup und Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt arbeitet daran, nebenwirkungsarme Verhütungsmittel zu entwickeln, die nicht auf Hormonwirkungen beruhen. Dazu hat das Team das Projekt Prevent (Precision Reproductive and contraceptive target discovery Network) gestartet und eine dreijährige Projektförderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeworben.

Neue Verhütungsstrategien finden

„Hormonelle Verhütungsmethoden wie die Antibabypille verändern die Hormon-Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und greifen so in den endokrinen Regelkreis ein“, erklärt Tredup, Projektleiterin bei Prevent. „Daher sind sie nicht für alle Frauen geeignet oder werden nicht gewünscht. Bei Prevent suchen wir nach alternativen, nichthormonellen Ansätzen für Frau und Mann, damit Paaren weitere Angebote der Kontrazeption gemacht werden können.“

Der Forschungsansatz des Prevent-Teams fokussiert sich dabei auf kleine Moleküle, die spezifisch solche Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder in Eizellen vorkommen. So kann zum Beispiel die Beweglichkeit der Spermien herabgesetzt werden, damit diese die Eizelle nicht mehr erreichen. „Da Verhütungsmittel gesunden Menschen verabreicht werden, müssen sie nicht nur zuverlässig und reversibel, sondern auch sehr gut verträglich und möglichst nebenwirkungsarm sein“, führt Tredup aus.

Wirkstoffentwicklungsplattform für präklinische Tests

Bei derart komplexen Anforderungen ist die Suche nach guten Wirkstoffen ein aufwändiges Verfahren. Das Prevent-Team wird eine Wirkstoffentwicklungsplattform entwickeln, um Technologien und Werkzeuge zur Validierung von nichthormonellen Verhütungskonzepten zu etablieren. Dafür sollen hochselektive und wirksame Wirkstoffe, so genannte chemical probes, ermöglichen, neue Verhütungsstrategien gezielt zu testen und eine belastbare Grundlage für die präklinische und spätere klinische Entwicklung zu schaffen.

Die Biochemikerin Tredup sagt: „Wir kennen zwar schon eine Reihe von Genen, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Im Prevent-Team wollen wir nun das Knowhow schaffen, um die entsprechenden Proteine als Zielstrukturen für sichere, nichthormonelle Verhütungsstrategien zu nutzen.“ Prevent sei dabei nicht nur ein klassisches, pharmazeutisches Forschungsprojekt, sondern adressiere auch zentrale gesellschaftliche Ziele der reproduktiven Selbstbestimmung und der globalen Gesundheitspolitik.

Im Forschungsprojekt sind neben Tredup und Knapp auch , Prof. Daniel Merk von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Prof. Hubert Schorle vom Universitätsklinikum Bonn und Prof. Jean-Pierre Allam, Leiter der Andrologie am Universitätsklinikum Bonn, federführend beteiligt.

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