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Sonderschau Digitales Labor auf der LAB-SUPPLY Augsburg „Hybride Lösungen sind der Schlüssel“

Das Gespräch führte Dipl.-Chem. Marc Platthaus 4 min Lesedauer

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Es muss nicht immer gleich das komplett automatisierte Labor sein, sagt Digtalisierungsexperte Dr. Felix Lenk im LP-Interview. Davon können Sie sich bei der Sonderschau des digitalen Labors auf der LAB-SUPPLY am 12. November in Augsburg selbst überzeugen.

Dr. Felix Lenk organisiert auf der LAB-SUPPLY in Augsburg die Sonderschau Digitales Labor.(Bild:  Smartlab Solutions – BLEND3 Frank Grätz)
Dr. Felix Lenk organisiert auf der LAB-SUPPLY in Augsburg die Sonderschau Digitales Labor.
(Bild: Smartlab Solutions – BLEND3 Frank Grätz)

Herr Dr. Lenk, Sie organisieren gemeinsam mit weiteren Unternehmen eine Sonderschau zum Thema Digitalisierung und Automation auf der diesjährigen LAB-SUPPLY. Glauben Sie, dass jetzt die Zeit für flächendeckende Digitalisierung und Automation gekommen ist?

Dr. Felix Lenk: Im privaten Umfeld sprechen wir längst über KI, die unseren Alltag erleichtert. Im beruflichen Umfeld sieht die Realität jedoch oft anders aus – vielerorts wird gerade erst die Excel-Tabelle durch ein CRM oder Prozessleitsystem ersetzt. Das ist im Labor nicht anders als in anderen Branchen.

Derzeit dominieren noch viele individuelle Lösungen, die sich meist nur große Konzerne leisten können. Schritt für Schritt entstehen daraus aber standardisierte Serienprodukte, die auch für kleinere Unternehmen erschwinglich werden. Ein Beispiel: Gemeinsam mit der Henkel AG konnten wir im Labor für Zentrale Analytik in Düsseldorf eine Automatisierung zur Bestimmung chemischer Kennzahlen entwickeln – in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden und integriert in bestehende Arbeitsumgebungen unter einem Abzug. Die dabei gewonnenen Erfahrungen können nun in weiteren Projekten genutzt werden. Wichtig ist: Die erste Innovation ist immer die teuerste, danach sinken Aufwand und Kosten.

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Automatisierung immer gleichbedeutend mit einem komplett menschenleeren „Total Lab“ sei. Wir sehen das anders: Unser Ziel ist es, Labormitarbeiter zu entlasten. Hybride Lösungen sind hier der Schlüssel – wiederkehrende Routinen werden automatisiert, während komplexe Prozesse weiterhin manuell durchgeführt werden. Genauso gilt es auch für die digitale Prozessführung: Unterstützung statt Ersatz.

Sind es technische Innovationen oder eher Druck von außen, z. B. Kosten oder Mitarbeitermangel, der solche Trends fördert?

Die technischen Innovationen wie Cobots und Software-Lösungen sind in Anwenderbranchen wie Automotive bereits gut etabliert. Diese werden aktuell für Labor­lösungen angepasst. Mit KI-Anwendungen hat man nun erstmals die Chance mit der Innovations-Welle zu schwimmen.

Druck für die Einführung von solchen technischen Lösungen sind, wie in jedem wirtschaftlichen Unternehmen, die Kosten. Hier wird sehr weitsichtig, man könnte sagen nachhaltig, geschaut, wie bspw. Wissen von langjährigen Spezialisten im Labor konserviert werden kann, wie die Attraktivität des Arbeitsplatzes steigt im Kampf um neue Fachkräfte und natürlich, wie ich dieselbe Aufgabe in kürzerer Zeit mit derselben oder besserer Qualität mit bevorstehender Personalknappheit abdecken kann.

Muss man die Digitalisierung und die Automation immer als Tandem sehen oder geht auch das eine ohne das andere?

Da sprechen Sie ein Thema an, bei dem schon einige unserer Kunden Federn lassen mussten. Wenn man die Themen getrennt voneinander betrachtet, besteht die Gefahr, dass man einen manuellen Prozess eins zu eins der menschlichen Bewegung nachahmt, ohne die Potenziale einer Automatisierung auszuschöpfen. Wir nennen das „paper on glass“. Andersrum wird jede Automatisierung an ihre Grenzen stoßen, wenn sie nicht von einem übergeordneten System orchestriert wird oder ihre Daten direkt in einer Datenbank ablegen kann.

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Automatisierung immer gleichbedeutend mit einem komplett menschenleeren ‚Total Lab‘ sei.

Dr. Felix Lenk, Geschäftsführer SmartLab Solutions Gmb

Kurzum, ja, man sollte beides gemeinsam betrachten. Aber auch hier mit Augenmaß. Wir gehen typischerweise in ein Labor und kartieren dort in zwei bis drei Tagen die Prozesse und Abläufe. Danach geben wir Empfehlungen, welche Maßnahmen sich schnell rentieren bzw. wie mit gezielten Projekten der Return-of-Invest (ROI) noch im Abschreibungszeitraum liegt.

Was dürfen die Besucher der LAB-SUPPLY Augsburg von der Sonderschau erwarten?

Wir haben das Format der LAB-SUPPLY schon länger im Blick, weil es zum einen direkt bei den Anwendern vor Ort ist und weil es nicht ausschließlich die Managementebene anspricht, sondern auch Laboranten, Laborleiter und Studierende zu den Besuchern gehören. Wir freuen uns, gemeinsam mit Düperthal Sicherheitstechnik und weiteren Partnern einen digitalisierten Arbeitsprozess zu zeigen, den man vor Ort selbst anfassen und erleben kann.

SmartLab Solutions und Düperthal Sicherheitstechnik ermöglichen gemeinsam einen vollständig rückverfolgbaren, digital gesteuerten Probenvorbereitungsprozess. Im Zusammenspiel mit Düperthal connect, das Lagerbedingungen und Bestände in Echtzeit überwacht und automatisch dokumentiert, erfolgen Probenentnahme, Verwiegen und Bestandsaktualisierung nahtlos im Labuitude Laboratory Execution System (LES) der SmartLab Solutions GmbH, was manuelle Eingaben minimiert und Zeit spart. Wir sind gespannt, wie der gezeigte Use Case „Smart Cold Chain“ von den Besuchern angenommen wird.

Dr. Felix Lenk

Dr. Felix Lenk hat an der TU Dresden Automatisierungs- und Regelungstechnik studiert und dort auch promoviert. Er ist Gründer und Geschäftsführer der SmartLab Solutions GmbH und der amensio GmbH – zwei Hightech-Startups für die Labordigitalisierung. Für das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, den Branchenverband Spectaris e. V. und die Society für Laboratory Automation and Screening (SLAS) ist er als ehrenamtlicher Gutachter und Berater tätig.

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