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Guter Schlaf weckt das Immunsystem Immuntraining im Schlaf – Blutproben decken Schlüsseleffekt auf

Quelle: Pressemitteilung Ludwig-Maximilians-Universität München 2 min Lesedauer

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Die Nacht nach einer Impfung sollte man nicht durchmachen. Denn ohne den Schlaf ist der Impfeffekt nachweislich geringer. Welche Rolle Schlaf auf unser Immunsystem hat, haben Forscher der LMU München nun untersucht. In Blutproben von schlafenden Probanden fanden sie eine Antwort.

Schlaf unterstützt das Immunsystem (Symbolbild).(Bild:  frei lizenziert, Cris Saur / Unsplash)
Schlaf unterstützt das Immunsystem (Symbolbild).
(Bild: frei lizenziert, Cris Saur / Unsplash)

Schlafen ist gesund – dieses populäre Wissen lässt sich wissenschaftlich untermauern. So haben Forschende bereits gezeigt, dass Personen, die nach einer Impfung geschlafen hatten, im Schnitt doppelt so starke Immunantworten zeigten wie Personen, die in der Nacht nach der Impfung nicht geschlafen haben. Die zellbiologischen Hintergründe waren bislang nur wenig erforscht.

Ein Team um Professorin Luciana Besedovsky vom Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München hat nun herausgefunden, dass Schlaf die Fähigkeit von Zellen des Immunsystems fördert, in Lymphknoten zu wandern.

Blutproben von schlafenden Probanden analysiert

Die Wissenschaftler haben bei einer Gruppe von gesunden Männern und Frauen die Konzentration verschiedener Untergruppen von T-Zellen des Immunsystems im Blut wiederholt über zwei 24-Stunden-Sitzungen untersucht. Alle Teilnehmenden durften in einer der zwei Versuchsbedingungen nachts acht Stunden schlafen. In der anderen Versuchsbedingung blieben sie nachts entspannt, aber wach im Bett. Ein Unterarmkatheter, der mittels Schlauch in einen Nachbarraum führte, ermöglichte Blutabnahmen auch während des Schlafs, ohne die Probanden zu wecken.

Bei der Analyse der Blutproben zeigten sich dann signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsbedingungen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Schlaf die Wanderungsbereitschaft verschiedener T-Zell-Subpopulationen fördert“, sagt Studienleiterin Besedovsky.

Schlaf-Effekt kann mit Blutplasma übertragen werden

Wie die Forschenden zeigten, wird durch Schlaf die gerichtete Wanderung der T-Zellen hin zu einem Signalprotein, dem so genannten „Homing“-Chemokin CCL19, gesteigert. Dieses Molekül vermittelt die Einwanderung von T-Zellen, die den entsprechenden Rezeptor für CCL19 besitzen, in die Lymphknoten. Dort wird die T-Zell-Immunabwehr durch Präsentation von Antigenen „geschult“ – etwa nach einer Impfung.

In weiteren Experimenten haben die Forschenden Blutplasma von schlafenden Teilnehmenden gewonnen und darin T-Zellen inkubiert. Auch hier stellten sie in der Analyse ein erhöhtes Wanderungspotenzial fest. „Dies zeigt, dass lösliche Faktoren, die während des Schlafs im Blutplasma erhöht sind, den Effekt von Schlaf auf die T-Zell-Wanderung vermitteln“, erklärt Besedovsky. „Wir können den Effekt von Schlaf also quasi im Labor mit dem Blutplasma von schlafenden Personen nachbauen.“

Erklärungsansatz für die Wirkung von Schlaf auf das Immunsystem

Als entscheidende Faktoren für dieses Migrationsverhalten identifizierten die Wissenschaftler die Hormone Prolaktin und Wachstumshormon: Beide Hormone zeigen schlafabhängige Änderungen der Konzentration im Blutplasma, mit höheren Werten bei den ausgeschlafenen Probanden.

„Unsere Ergebnisse haben auch potenzielle klinische Implikationen“, sagt Besedovsky. „So könnten sich das Wachstumshormon und Prolaktin möglicherweise als neue Wirkverstärker zur Förderung von Immunantworten nach einer Impfung eignen, insbesondere bei älteren Menschen, die häufig niedrigere Spiegel dieser Hormone im Schlaf aufweisen.“ Insgesamt ist die Studie nach Ansicht der Autoren ein wichtiger Schritt, um besser zu verstehen, wieso Schlaf für Immunreaktionen, z. B. nach einer Impfung, förderlich ist und warum ältere Menschen oft weniger effektiv auf Impfungen reagieren.

Originalpublikation: Estefanía Martínez-Albert, Nicolas D. Lutz, Robert Hübener, Stoyan Dimitrov, Tanja Lange, Jan Born, Luciana Besedovsky: Sleep promotes T-cell migration towards CCL19 via growth hormone and prolactin signaling in humans, Brain, Behavior, and Immunity, Volume 118, 2024, Pages 69-77, ISSN 0889-1591; DOI: 10.1016/j.bbi.2024.02.021

(ID:49957557)

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