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Neuer Goldstandard der Wundheilung? Kaltes Plasma repariert verletzte Haut schneller

Quelle: Pressemitteilung Ruhr-Universität Bochum 3 min Lesedauer

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Ein gleißender Lichtbogen, der Wunden sofort verschließt – das ist noch Science-Fiction. Doch tatsächlich kann schon heute die Anwendung von kaltem Plasma zu einer erheblich verbesserten Wundheilung beitragen. Dies zeigt eine Vergleichsstudie an Patienten mit chronischen Wunden.

Nessr Abu Rached präsentiert die vorläufigen Studienergebnisse zur Plasma-Behandlung von chronischen Wunden bei einer Pressekonferenz am 12. September 2023.(Bild:  © Kim Pottkämper, www.kimoment.de)
Nessr Abu Rached präsentiert die vorläufigen Studienergebnisse zur Plasma-Behandlung von chronischen Wunden bei einer Pressekonferenz am 12. September 2023.
(Bild: © Kim Pottkämper, www.kimoment.de)

Wenn das Bein einmal offen ist, beginnt für Patienten oft ein langer Leidensweg. Trotz Säuberung der chronischen Wunde, spezieller Verbände und regelmäßiger Verbandswechsel nach den aktuellen Leitlinien dauert es oft viele Wochen und Monate, bis die Haut verheilt ist. In der multizentrischen Studie „Plasma On Chronic Wounds for Epidermal Regeneration”, kurz „Power“, hat ein Studienteam der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gemeinsam mit Partnern die Behandlung nach dem derzeitigen Goldstandard mit einer zusätzlichen Behandlung mit einem Kaltplasma verglichen. Eine Zwischenauswertung zeigt, dass das Plasma die Wundheilung deutlich beschleunigt und Schmerz und Infektionen verringert.

Behandlung chronischer Wunden

Wenn eine Wunde auch nach acht Wochen noch nicht vollständig verheilt ist, spricht man von einer chronischen Wunde. Besonders häufig davon betroffen sind ältere Menschen, Diabetiker und Menschen mit Durchblutungsstörungen oder Mobilitätseinschränkungen. „Die aktuellen Leitlinien umfassen zur Behandlung solcher Wunden ein chirurgisches Debridement zur Entfernung nekrotischen Gewebes, eine antiseptische Wundreinigung, das Anlegen spezieller Verbände und einen regelmäßigen Verbandwechsel“, erklärt Dr. Nessr Abu Rached, Spezialist an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie im St. Josef Hospital, dem Klinikum der RUB.

In der Power-Studie (2021-2024) vergleichen die Forschenden die Wirkung dieser Goldstandard-Therapie mit der Anwendung eines Kaltplasmas. Dabei wird zwischen der Wunde und der Plasmafolie die Umgebungsluft teilweise ionisiert, also mit zusätzlicher Energie aufgeladen. Das so entstehende Plasma wirkt antibakteriell und antiviral sowie entzündungshemmend. Verschiedene vorangegangene Studien haben auch gezeigt, dass das Plasma in der Lage ist, die Bildung neuer Blutgefäße zu begünstigen. „Auch das sollte die Wundheilung verbessern“, sagt Rached.

Die Erweiterung: Dreimal pro Woche zwei Minuten Plasma

Das Studienteam gewann im bisherigen Studienzeitraum 48 Patienten, deren Daten bereits ausgewertet wurden. Die Teilnehmenden wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeordnet. Die eine Gruppe bekam die klassische Behandlung nach aktuellem Goldstandard, die andere Gruppe wurde zusätzlich über vier Wochen dreimal wöchentlich zwei Minuten lang mit dem Kaltplasma behandelt. Der in der Studie verwendete Plasma-Applikator war mit einer Fläche von elf mal elf Zentimetern vergleichsweise groß. Nach vier Wochen, drei und sechs Monaten bewerteten die Forschenden die Wunden der Teilnehmenden, indem sie beispielsweise deren Größe und die mögliche Besiedlung mit Bakterien ermittelten und die Patienten befragten, wie schmerzhaft die Wunde war.

Plasmabehandlung verbessert die Wundheilung

Das Ergebnis des Behandlungsvergleichs fiel eindeutig aus: Bei den überprüften Parametern erwies sich die Zusatzanwendung des kalten Plasmas als vorteilhaft für die Wundheilung.

16 Prozent der Wunden der Plasmagruppe hatten sich komplett oder fast vollständig (90 Prozent) nach vier Wochen geschlossen. In der Kontrollgruppe mit Standardwundtherapie galt das für keine einzige Wunde. Weitere 28 Prozent der Wunden in der Plasmagruppe hatten sich um mindestens 60 Prozent verkleinert, auch das galt für keine Wunde in der Kontrollgruppe. Eine Verringerung der Wundfläche um mindestens 40 Prozent wurde bei 40 Prozent der Plasmagruppe und bei 18 Prozent der Kontrollgruppe beobachtet.

Darüber hinaus benötigte die Plasmagruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich weniger Antibiotika (4 Prozent versus 23 Prozent). „Die mit Plasma behandelten Patientinnen und Patienten berichteten darüber hinaus von einer signifikanten Verringerung der Wundschmerzen und einer Verbesserung der Lebensqualität“, berichtet RUB-Forscher Rached. „Die Kombination von Plasma mit der bewährten Wundbehandlung übertrifft die Wirkung der bisher als Goldstandard geltenden Behandlung um ein Vielfaches“, lautet sein Fazit.

Originalpublikation: Nessr Abu Rached, Susanne Kley, Martin Storck, Thomas Meyer, Markus Stücker: Cold plasma therapy in chronic wounds – A multicenter, randomized controlled clinical trial (Plasma on chronic wounds for epidermal regeneration study), Preliminary results, in: Journal of Clinical Medicine, 2023, DOI: 10.3390/jcm12155121

(ID:49701621)

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