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Mikroplastik Krankheitserreger Huckepack? Gefährdungspotenzial von Mikroplastik

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Ist Mikroplastik im Meer das ideale Verbreitungsmedium für pathogene Keime wie zum Beispiel Vibrionen? Ein zwölf Institute umfassendes Konsortium unter Leitung des Warnemünder Umweltmikrobiologen Matthias Labrenz wird dieser Frage in den nächsten drei Jahren nachgehen.

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Als Mikroplastik werden allgemein Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimetern bezeichnet.
Als Mikroplastik werden allgemein Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimetern bezeichnet.
(Quelle: naturschutz.ch)

Warnemünde – Tagtäglich werden unzählige Mikropartikel aus Kunststoff ins Meer geschwemmt. Klärwerke können diese feinsten Körnchen mit einer Größe von kleiner 5 mm nicht zurückhalten. Und die Quellen werden dabei immer zahlreicher. Bereits ein einziger Fleece-Pullover setzt in der Waschmaschine Tausende von Mikrofasern frei, für die das Fuselsieb kein Hindernis ist. In Zahncremes und Peeling-Produkten werden sie genauso unkritisch eingesetzt wie in Putz- und Poliermitteln. Ein moderner Haushalt scheint ohne Mikroplastik kaum noch vorstellbar. Dabei ist Kunststoff, der primär als winziges Teilchen in die Umwelt gelangt, nur die eine Seite der Mikroplastik-Welt. Daneben kommt das sekundäre Mikroplastik vor – Zerreibsel aus Plastikflaschen, Plastiktüten, Nylonnetzen – eben all dem Plastikmüll, der nicht recycelt wird (laborpraxis.de berichtete über Plastikpartikel in Gardasee und Donau).

Mikroplastik als Verbreitungsmedium für Krankheitserreger?

Diese Mikropartikel können von Organismen, die sich zum Beispiel darauf spezialisiert haben, ihre Nahrung aus dem Wasser zu filtern, aufgenommen werden. Durch die geringe Zersetzbarkeit von Kunststoff passieren die Teilchen nahezu unverändert den Verdauungstrakt der Organismen und werden oftmals wieder ausgeschieden. Allerdings könnten sich auf diesem Wege auch pathogene Keime an sie heften und sich darauf vermehren. Dass Plastik generell eine gute Oberfläche für bestimmte Krankheitserreger darstellt, ist bereits gezeigt worden. Dass Mikroplastik durch den möglichen Transfer durch den Verdauungstrakt dafür besonders anfällig ist, wird angenommen, ist bisher aber noch nicht erwiesen. Wenn sich diese These jedoch bewahrheitet, so ist durch die Omnipräsenz und leichte Verbreitung des Mikroplastiks ein hohes Gefährdungspotenzial gegeben.

Für Matthias Labrenz vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde sind die Ergebnisse des Projektes deshalb von großem gesellschaftlichem Interesse. „Wir wissen heute noch viel zu wenig, um von einer wirklichen Gefahr zu sprechen. Aber es gibt Szenarios, die von so gravierenden Risiken ausgehen, dass wir hier unbedingt Klarheit brauchen.“

Gefährdungspotenzial von Mikroplastik

In dem Forschungskonsortium MikrOMIK arbeitet ein Netzwerk aus MikrobiologInnen, BenthologInnen, InfektionsbiologInnen, BiogeochemikerInnen und ModelliererInnen nun gemeinsam an der Überprüfung dieser These. ExpertInnen aus den führenden Häusern Deutschlands gehören zum Konsortium. Institute aus Großbritannien und Dänemark ergänzen die Expertise über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Drei große Ziele hat sich das Netzwerk gesetzt:

  • Seine Mitglieder wollen die Verteilung von Mikroplastik in der Ostsee sowie die Bereiche von Emissionsquellen und Akkumulation erstmalig überhaupt erfassen, denn bislang fehlen dazu jegliche belastbaren Daten.
  • Die charakteristischen mikrobiellen Besiedlungsgruppen der Biofilme auf den Mikropartikeln sollen erfasst und ihre Eigenschaften und Funktionen erkannt werden.
  • Das dritte und übergreifende Ziel des Projekts ist die Beantwortung der Frage, welche potentiellen gesundheitlichen Risiken mit pathogenen Keimen besiedelte Mikropartikel für die Ostseeanrainerstaaten bieten.

Gefördert wird das Projekt über den so genannten „Pakt für Forschung und Innovation II“. Er stellt der Leibniz-Gemeinschaft Mittel zur Verfügung, die ihre Mitglieder wiederum im Wettbewerbsverfahren einwerben können. Die Förderung beträgt 1,35 Mio. Euro für drei Jahre.

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