Im Mai 2023 hat die WHO zwar die Corona-Pandemie für beendet erklärt, doch die Folgen bleiben. Besonders Long und Post Covid haben das Leben zahlreicher Menschen verändert. Wie sind die Heilungsaussichten? Wie hoch ist das Erkrankungsrisiko? Und was sind typische Symptome?
Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwäche gehören zu den zahlreichen Symptomen von Long Covid (Symbolbild).
(Bild: freshidea - stock.adobe.com)
Berlin (dpa) – Nach der Erleichterung folgte ernüchternde Gewissheit: Mit dem Abklingen der Coronapandemie bestätigte sich der Verdacht, dass SARS-CoV-2 die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit noch weit über die akute Infektion hinaus einschränken kann. Längst hat das Phänomen von Symptomen, die länger als vier Wochen andauern, mit Long Covid einen Namen bekommen. Von ursächlicher Heilung solcher Langzeitfolgen ist die Medizin derzeit weit entfernt.
Die Fallzahlen sind rückläufig
Ab 4 Wochen Symptomatik spricht man von Long Covid, bei 12 Wochen und länger von Post Covid.
(Bild: Bundesministerium für Gesundheit)
Eine gute Nachricht gibt es allerdings: Im Zuge von mehr Immunschutz durch Impfungen und durchgemachte Infektionen sowie weniger aggressiver Virusvarianten hat sich das Risiko, nach einer Erkrankung Long Covid zu entwickeln, deutlich vermindert. Ergebnissen der „Virus Watch“-Studie des University College London zufolge weisen die jüngeren Omikron-Untervarianten ähnliche Wahrscheinlichkeiten für Langzeitsymptome auf wie andere akute Atemwegserkrankungen. Omikron ist die seit Anfang 2022 weltweit dominierende Corona-Variante.
In der ersten Infektionswelle der Pandemie habe das Risiko für mehr als zwölf Wochen andauernde Beschwerden – Post Covid genannt – bei etwa sechs bis acht Prozent gelegen, sagt Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena (UKJ). Inzwischen liege es wahrscheinlich bei ein bis zwei Prozent der Covid-Erkrankten.
Welche Menschen sind besonders anfällig für Long Covid?
Doch was entscheidet darüber, ob man Long Covid entwickelt – und ob es langfristig bleibt? Bekannt ist, dass Frauen zwei Drittel der Long-Covid-Betroffenen stellen und ein großer Teil der Patienten vergleichsweise jung ist – bei beiden Faktoren spielt das aktivere Immunsystem eine Rolle, wie Carmen Scheibenbogen von der Charité Berlin erklärt. Unter anderem Menschen mit Übergewicht und Erkrankungen des Immunsystems haben ebenfalls ein höheres Risiko.
Gegenmaßnahmen und Heilungschancen
Bisher gibt es keine standardisierte, ursächlich helfende Therapie. Je nach Symptomen empfehlen Mediziner etwa Bewegungstherapie, Schmerz- und Kreislaufbehandlung, Atemtherapie, Entspannungsverfahren oder Hirnleistungstraining. Insbesondere bei schweren Fällen soll streng darauf geachtet werden, Patienten nicht zu überlasten.
„Der Anteil derer, bei denen die Symptome innerhalb eines halben Jahres wieder verschwinden, ist recht hoch“, sagt Fachimmunologin Scheibenbogen. Kritisch wird es danach: Wer nach einem halben Jahr noch Symptome aufweist, habe sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nach ein oder zwei Jahren noch, kommentiert die Forscherin
Diagnose: Das sind typische Anzeichen für Long Covid
Eine grundlegende Schwierigkeit bei der Diagnose besteht nach wie vor: Es gibt keinen leicht zu bestimmenden Wert, an dem sich Long Covid festmachen ließe. „Viele Symptome lassen sich unterschiedlich bewerten. Zudem kann aus dem Verdacht auf Long Covid eine ganz andere Diagnose werden“, erläutert Stallmach, der das Post-Covid-Zentrum am UKJ leitet.
An den häufigsten Symptomen von Long Covid hat sich seit Beginn der Pandemie wenig verändert. Bei einer Studie mit Menschen, die sich in der ersten Corona-Welle infiziert hatten, zählten zu den vorherrschend angegebenen Beschwerden
Müdigkeit und Erschöpfung,
kognitive Störungen wie Konzentrations- oder Gedächtnisschwäche,
Schmerzen im Brustkorb,
Atemnot,
Angst,
Depressionen
und Schlafprobleme.
Bei Menschen mit länger anhaltendem Post-Covid-Syndrom berichtete mehr als ein Drittel, weniger belastbar bei Anstrengungen zu sein.
Die wohl gefürchtetste Ausprägung bei Post Covid ist ME/CFS: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom. Ein Großteil der Langzeit-Post-Covid-Fälle gehe darauf zurück, bundesweit seien aktuell geschätzt etwa 150.000 bis 200.000 Menschen betroffen, erklärt Stallmach. Hinzu kommen zahlreiche Patienten, die ME/CFS unabhängig von einer Corona-Infektion entwickeln.
Was ist ME/CFS?
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung. Betroffene leiden vor allem unter einer schweren Fatigue (körperliche Schwäche), die das Aktivitätsniveau erheblich einschränkt. Weitere Symptome sind neurologische Symptome wie Konzentrationsstörungen (Brain Fog), Störungen des autonomen Nervensystems sowie immunologische Beschwerden.
Eine Besonderheit von ME/CFS ist die so genannte Post-Exertionelle Malaise (PEM) – eine massive Verschlechterung aller Symptome nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung. Die Erkrankung beginnt häufig nach einer Virusinfektion und kann zu erheblichen Einschränkungen bis hin zur Bettlägerigkeit führen. Etwa ein Viertel der Patienten kann das Haus nicht mehr verlassen. Trotz weltweiter Verbreitung ist ME/CFS bisher wenig erforscht und eine Heilung nicht möglich.
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Welche Aufgabe hat die Forschung nun? Wichtig sei, nicht nur Therapien gegen Langzeit-Post-Covid zu entwickeln, sondern sich auch mit Prävention zu beschäftigen, betont Scheibenbogen, die das Charité Fatigue Centrum leitet. „Wie lässt sich gezielt verhindern, dass sich nach einer Infektion Long Covid entwickelt?“
Ein paar aussichtsreiche Ansätze, um die Symptome zu verhindern, gebe es bereits, etwa Metformin, aber auch histaminhaltige Nasensprays. Hier könnten auch Risikopatienten anderer Infektionskrankheiten profitieren. Denn das Phänomen andauernder Nachwirkungen nach Infektionen kennen Ärzte seit mehr als einem Jahrhundert – durch die immens hohen Fallzahlen während der Coronapandemie wurde nur plötzlich ein Schlaglicht darauf geworfen. Wie viele Menschen in Deutschland aktuell von Long oder Post Covid betroffen sind, lässt sich nur grob schätzen – Experten gehen von einer sechsstelligen Zahl aus. Ein starkes Argument für die intensive Erforschung dieser Symptomatik.