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Labvolution: Genome Editing in Zeiten des Klimawandels

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„Koffein ist akut vielfach toxischer als ein modernes Pflanzenschutzmittel“

Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel, Justus-Liebig-Universität Gießen griff in seinem Vortrag „Gesundes Getreide ohne chemischen Pflanzenschutz“ einige der von Brügmann genannten Aspekte und Beispiele, wie den Mehltau-resistenten Weizen auf und stellte zudem heraus: „Der Anbau von Kulturpflanzen ist heute ohne Pflanzenschutz nicht möglich – auch im Biolandbau nicht.“ Hinzu kämen die Herausforderungen im Zuge des Klimawandels auftretender neuer oder sich verändernder Schaderreger.

Die gezielte Züchtung resistenter Sorten könne demnach einen beträchtlichen Beitrag zu weniger chemischen Pflanzenschutz im Pflanzenanbau leisten. „Wer in diesem Zusammenhang Genome Editing als Technik der modernen Pflanzenzüchtung ablehnt, muss akzeptieren, dass stattdessen weiterhin Pflanzen radioaktiv bestrahlt oder mit Chemikalien behandelt werden. Das eine ergibt sich als logische Konsequenz aus dem anderen.“

Gleichzeit verdeutlichte der Phytopathologe die Notwendigkeit von Pflanzenschutz anhand eines Zahlenbeispiels akuter Toxizitäten: Zearalenon, ein Mycotoxin, das von Fusarium-Pilzen gebildet wird, die wiederum häufig z.B. Getreide befällt, sei rund 700 Mal toxischer (LD 50 Maus oral) als ein modernes Pflanzenschutzmittel. By the way: Auch das Koffein in unserem morgendlichen Kaffee oder Kupfer, das in großem Stil als Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau zum Einsatz kommt, wiesen nach Angaben des Wissenschaftlers um eine Vielfaches höherer akute Toxizitäten als ein solchen Pflanzenschutzmittel auf (Koffein rund 40 Mal, Kupfer rund 10 bis 2,5 Mal höher).

Das EuGH-Urteil zu Mutageneseverfahren und mögliche Auswirkungen

Was das Genome Editing als vielversprechende neue Technologie für die Pflanzenzüchtung anbelangt, so hat sie bei uns in Deutschland jedoch nicht nur mit der öffentlichen Wahrnehmung zu kämpfen, sondern an sich sinnvolle Anwendungen werden durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 25.Juli 2018 nun auch regulatorisch erschwert.

Mit dem EuGH-Urteil zu Mutageneseverfahren und dessen mögliche Auswirkungen befasste sich daher Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Vizepräsident Forschung, Lehre im Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V. in seinem abschließende Vortrag. Nach dem Urteil sind nun alle Mutageneseverfahren als Gentechnik einzustufen, die zu gentechnisch veränderten Organismen (GVO) führen. Dies gilt insbesondere für die neuen Mutageneseverfahren wie CRISPR/Cas; TALEN, ZFN.

Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Vizepräsident Forschung, Lehre, Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V. ist sich sicher: „Nach dem EuGH-Urteil zu Mutageneseverfahren werden sich kleine und mittelständische Sattguthersteller die kostenaufwändigen Zulassungs- und Umweltprüfverfahren nicht mehr leisten können.“
Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Vizepräsident Forschung, Lehre, Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V. ist sich sicher: „Nach dem EuGH-Urteil zu Mutageneseverfahren werden sich kleine und mittelständische Sattguthersteller die kostenaufwändigen Zulassungs- und Umweltprüfverfahren nicht mehr leisten können.“
(Bild: LABORPRAXIS)

Diese Entscheidung habe große Auswirkungen auf die weitere wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in den EU-Staaten, ist sich der Forscher sicher. Neben den seiner Einschätzung nach zu kritisierenden z.T. wenig eindeutigen Formulierungen und Definitionen in diesem Urteil gibt der Forscher v.a. zu bedenken: „Die europäische Pflanzen- und Tierzüchtung ist vorwiegend klein- und mittelständisch und weist ein hohes innovatives Forschungspotenzial auf. Ihre Innovationen – erzeugt mithilfe Genom-editierter Organismen – werden sie nun kaum umsetzen können. Der Konkurrenzkampf wird noch schärfer und ihr eigenständiges wirtschaftliches Überleben weiter erschwert. Die Konzentration auf wenige multinationale Konzerne wird gesetzlich gefördert, denn nur diese können die kostenaufwändigen Zulassungs- und Umweltprüfverfahren noch aufbringen.“, so Jany.

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Dr. Ilka Ottleben

Dr. Ilka Ottleben

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