Wie sicher sind unsere Lebensmittel? Wie groß ist die Gefahr von Verunreinigungen und krankmachenden Keimen in Speisen und Fertigprodukten? Diesen Fragen geht das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz nach. Die Beanstandungsquote für 2023 blieb mit 11,3 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre. Ungewöhnliche Funde wie nicht-deklariertes Potenzmittel in Kaffee waren die Ausnahme.
Fast 20.000 Proben hat das Landesuntersuchungsamt Rheinlandpfalz im Jahr 2023 analysiert. Wie verschiedene Lebensmittel abgeschnitten haben, ist in dem nun erschienenen Abschlussbericht zusammengefasst.
(Bild: alinakho - stock.adobe.com)
Die Hersteller von Lebensmitteln sind selbst verantwortlich für die Sicherheit und die Echtheit ihrer Produkte. Mit stichprobenartigen Untersuchungen überprüft das Landesuntersuchungsamt (LUA) Rheinland-Pfalz, ob die Hersteller dieser Verantwortung gesetzeskonform nachkommen. „Die Sicherheit von Lebensmitteln betrifft jeden von uns“, sagt Umweltministerin Katrin Eder. „Die staatliche Lebensmittelüberwachung ist deshalb aktiver Verbraucherschutz. Sie schützt die Menschen nicht nur vor Gesundheitsgefahren, sondern auch vor irreführenden Angaben auf den Produkten.“
Beanstandungen, die auf potenziell gefährliche Produkteigenschaften wie Fremdkörper oder hygienische Mängel zurückzuführen sind, sind nach Angaben des LUA-Präsidenten Dr. Stefan Bent „nach wie vor selten“. Im Jahr 2023 wurden 26 solcher gesundheitsschädlichen Proben identifiziert, im Vorjahr waren es 19 gewesen. „Im langjährigen Vergleich bleibt die Quote mit 0,1 Prozent aller untersuchter Proben konstant niedrig“, ordnet Bent ein. Die entsprechenden Artikel wurden aus dem Handel entfernt, und wenn es zu öffentlichen Rückrufen kam, werden auch die Verbraucher informiert.
Luststeigernder Kaffee und dubioser Schlankheitstee
Einen besonders bedenklichen Fund deckten die Gutachter in „Stiff Bull Gold - Instant Coffee“ auf. Dieses Produkt war den Analyseergebnissen zufolge mehr als einfacher löslicher Kaffee aus Pflanzenextrakten – das braun-weiße Pulver enthielt zusätzlich den Stoff Sildenafil, ohne dass dieser auf der Verpackung deklariert war.
Sildenafil ist vor allem als Potenzmittel unter dem Markennamen Viagra bekannt und wird in Deutschland in Form von zulassungs- und verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Behandlung der erektilen Dysfunktion verwendet. Es kann diverse Nebenwirkungen verursachen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungs- und sogar Sehstörungen. Zudem besteht die Gefahr von lebensgefährlichen Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme von bestimmten nitrathaltigen Herzmedikamenten. Da eine Kennzeichnung auf der Verpackung des untersuchten Kaffeepulvers fehlt, seien sich Konsumenten nicht bewusst, dass sie ein hochwirksames Potenzmittel zu sich nehmen, warnt das LUA in seinem Bericht. Zudem würden die meist im Internet bestellten Produkte ohne ärztliche Aufsicht eingenommen, was Neben- und Wechselwirkungen besonders gefährlich mache.
Ähnliche bedenkliche Funde gab es auch bei vermeintlichen Nahrungsergänzungsmitteln mit schlankmachender Wirkung. Dazu zählt beispielsweise das Produkt „Trex Tea“, was laut Verpackung lediglich Zutaten wie Gojibeeren-, Zwergpalmen- und Grüntee-Extrakt enthält, tatsächlich aber auch den Arzneistoff Sibutramin beinhaltet. Diesem appetithemmenden Wirkstoff wurde wegen gravierender Nebenwirkungen bereits 2010 die Zulassung als Arzneimittel entzogen.
Auch wenn es sich bei den genannten Beispielen um Ausnahmen handelt, zeigen sie, wie wichtig die Kontrolle von Lebensmitteln und der vorschriftsmäßigen Kennzeichnung für die Sicherheit der Verbraucher ist. Deutlich verbreiteter als nicht-gekennzeichnete Inhaltsstoffe sind hygienische Mängel und Kontaminationen mit Krankheitserregern, die ebenfalls auf dem Monitoring-Plan des Landesuntersuchungsamtes stehen.
Wo die meisten Beanstandungen im Lebensmittelbereich auffielen
Für das vergangene Jahr wiesen die Sachverständigen des LUA in mehreren Proben Verunreinigungen mit krankmachenden Bakterien nach, etwa shigatoxin-bildende E.coli-Bakterien (STEC) in Lammwurst, Schafskäse und Lammsalami. Eine grobe Mettwurst aber auch pflanzliche Produkte wie Sprossen für den Salat und Tahin (Sesam-Mus) waren mit Salmonellen belastet. In einem Altenheim wurde eine mit Clostridien verunreinigte Suppe identifiziert, und eine Probe Reis aus dem Reiskocher einer Gaststätte war mit Bacillus cereus kontaminiert. Diesen Keimen ist gemeinsam, dass sie selbst oder die von ihnen gebildeten Toxine Erbrechen und/oder schwere Durchfallerkrankungen auslösen.
Und auch solche Produkte untersucht das LUA: Zehn so genannte Nikotinpods und Nikotinpouches wiesen im vergangenen Jahr einen zu hohen Nikotingehalt auf und wurden deshalb als gesundheitsschädlich eingestuft. In einem Tabakwarengeschäft wurde außerdem ein E-Liquid beprobt, das bei der Untersuchung einen sehr hohen Gehalt an CBD enthielt und daher als gesundheitsschädlich beanstandet wurde. Das pflanzliche Cannabinoid CBD wird in höheren Dosierungen als Arzneimittel eingesetzt.
Stand: 08.12.2025
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Kontrollen vor Ort, Rückrufe im Internet
Die Proben, die das LUA untersucht, werden in Rheinland-Pfalz von den Lebensmittelkontrolleuren der Landkreise und kreisfreien Städte in Herstellerbetrieben, im Einzelhandel und in der Gastronomie entnommen. Im vergangenen Jahr haben sie rund 33.200 Kontrollbesuche in fast 19.000 Betrieben durchgeführt.
Wenn nicht sichere Lebensmittel überregional verkauft wurden, landen sie im Überwachungsportal www.lebensmittelwarnung.de. Dort veröffentlichen die Überwachungsbehörden der 16 Bundesländer entsprechende Warnungen. In Rheinland-Pfalz macht dies das LUA.
Im vergangenen Jahr hat das LUA 157 solcher Lebensmittelwarnungen aus anderen Bundesländern übernommen, weil auch der Handel in Rheinland-Pfalz betroffen war. Die meisten Warnungen betrafen Rückrufe wegen gesundheitsschädlicher Keime wie Salmonellen, Fremdkörper sowie Allergene, die nicht ausreichend auf der Verpackung gekennzeichnet und damit potenziell gefährlich für Allergiker waren.