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LIMS LIMS in der Futtermittelanalytik

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Die komplexe Aufgabe der Überprüfung und Kontrolle von Futtermitteln wird bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Wien in entscheidenden Arbeitsschritten von einem System des Bochumer LIMS-Spezialisten T&P unterstützt. Der stellvertretende Leiter des Instituts für Futtermittel der AGES, Dipl.-Ing. Dr. Karl Wagner, sprach mit LaborPraxis über die besonderen Anforderungen an ein LIMS in der Futtermittelanalytik und rechtliche Fragestellungen.

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LaborPraxis: Herr Dr. Wagner, welchen Aufgabenbereich hat die AGES im Hinblick auf die Futtermittel-Analytik?

Dr. Wagner: Innerhalb des Bereiches Landwirtschaft der AGES sind wir mit der Untersuchung behördlicher Proben (Verkehrskontrolle) und amtlicher Proben (Verfütterungskontrolle) beauftragt – also mit Kontroll- und Überprüfungsfunktionen. Unsere hauseigene Abteilung „Futtermittelüberwachung“, in der auch Kontrollorgane integriert sind, hat die Probennahme und Analyse sowie die Betriebsinspektionen bei den Produzenten als wesentliche Aufgaben.

LaborPraxis: Das Zusammenführen von Daten aus einer Vielzahl von Quellen erfordert sicherlich eine aufwändige Datenorganisation.

Dr. Wagner: Genau, ein leistungsfähiges LIMS ist eine Grundvoraussetzung: Das Nutzungsspektrum eines LIMS beginnt mit der Probennahme, in deren Rahmen die Daten mobil erfasst und in das LIMS eingegeben werden. Dabei werden sowohl die deklarierten als auch die nicht deklarierten Gehalte – also unerwünschte oder verbotene Inhalte der Futtermittel – erfasst. Die Untersuchungen dieser Inhalte erfolgt auf Basis eines mehrjährigen, risikobasierten Kontrollplans, der EU-weit standardisiert ist. All diese Prozesse werden in wesentlichen Schritten vom LIM-System LISA begleitet.

LaborPraxis: Wie sieht ein typischer Analyseablauf mit den Besonderheiten im Bereich Futtermittel aus?

Dr. Wagner: Im Futtermittelbereich haben wir die spezielle Situation, dass wir sowohl homogene Produkte als auch Mischprodukte mit sehr unterschiedlichen Bei-mischraten zu analysieren haben. Wir mussten in dem System entsprechende Differenzierungsmöglichkeiten bei den Parametern schaffen. Sollwerte und Toleranzen sind jetzt ebenso festgelegt wie die Grenzwerte bei den unerwünschten Substanzen. In der Regel werden die Mischungen bei uns getrennt als Proben gezogen. Mit der Aktivierung der Probe in unserem Hause beginnt quasi der LIMS-begleitete Analysenablauf: Es wird festgelegt, welches Labor die einzelnen Analysen durchführt, im Mühlenraum werden Etikettierung und Laufzettel vorbereitet, und die in Probenbecher aufgeteilten und mit Etiketten versehenen Proben gelangen dann an die Labore. Das LIMS dokumentiert den Probenversand und den Empfang im Labor –beides ist wichtig für die Ermittlung der Durchlaufzeiten. Nach Eingang der Proben im Labor erfolgt die Erfassung der Werte im LIMS. Hier gibt es zwei Varianten: Entweder wird die Berechnung direkt im LIMS durchgeführt, was besonders bei den komplexen Verfahren in der Nasschemie große Vorteile bietet. In anderen Fällen setzen wir bislang noch auf den Analytiker, der im Rahmen externer Berechnungen selbst bestimmt, ob und wann er weiter analysieren muss. Die in der LISA bereits enthaltene Option der Prüfdynamisierung, also der automatisierten Weiterführung von standardisierten Prüfverfahren, z.B. bei Richtwertverletzungen, nutzen wir derzeit noch nicht. Hier entscheidet nach wie vor der Analytiker im Einzelfall. Diese Entscheidung wird jedoch durch erzeugte Hinweise aus der Prüfdynamisierung unterstützt, die bei entsprechenden Ergebnissen automatisch dokumentiert werden.

LaborPraxis: Welche Besonderheiten gibt es bei der Datenerfassung und Verarbeitung in der Futtermittelanalytik?

Dr. Wagner: Bei den behördlichen Proben haben wir den Sonderfall, dass eine flexible Eingabemöglichkeit für die deklarierten Gehalte gegeben sein muss. Erschwerend ist in unserem Analytikbereich, dass die Sollwerte variabel sind. Futtermittelherstellern wird nämlich bei den deklarierten Werten eine Spanne zugestanden, da auch die Inhaltsstoffe der Ingredienzien von den Tabellenwerten abweichen. Für die Toleranzen gibt es keine EU-Regelungen, sie sind länderspezifisch. Aber auch die EU-weit geregelten Grenzwerte für die unerwünschten Substanzen sind nicht trivial. Teils gibt es tierspezifische Höchstwerte, teils gelten die Grenzwerte für ganze Futtermittelgruppen. Im Großen und Ganzen ist es uns gelungen, die Komplexität variabler Sollwerte und differenzierter Grenzwerte im LIMS abzubilden: Die deklarierten Gehalte werden derzeit noch händisch erfasst, die unerwünschten Substanzen werden im Vorfeld automatisch in die entsprechenden Tabellen und Strukturen des LIMS übernommen, und im Anschluss erfolgt dann die Berechnung der Grenzwerte.

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