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Psychologie der Unehrlichkeit Lügen-Studie zeigt, wer besonders unehrlich ist

| Redakteur: Christian Lüttmann

Niemand möchte beim Lügen erwischt werden. Doch zahlreiche Studien haben genau das als Ziel: Sie testen unbemerkt die Ehrlichkeit ihrer Probanden, um mehr über das Phänomen Lügen herauszufinden. Eine Metaanalyse mit Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung fasst nun die Daten von über 44.000 Personen zusammen und zeigt, wie sich Alter, Geschlecht und Versuchssituation auf die Ehrlichkeit auswirken.

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Einer der bekanntesten Lügner der Kinderliteratur ist die Holzpuppe Pinocchio, deren Nase bei jeder Lüge wächst. Ginge es menschlichen Lügnern genauso, hätten nach psychologischen Studien rund 40 Prozent der Menschen lange Nasen.
Einer der bekanntesten Lügner der Kinderliteratur ist die Holzpuppe Pinocchio, deren Nase bei jeder Lüge wächst. Ginge es menschlichen Lügnern genauso, hätten nach psychologischen Studien rund 40 Prozent der Menschen lange Nasen.
(Bild: gemeinfrei (Pixabay/jackmac34) / CC0 )

Berlin – Von der Schummelei bei der Steuerklärung bis zu den großen Korruptionsskandalen – immer wieder lügen Menschen, um sich Vorteile zu verschaffen. Der Grundkonflikt jeder Lüge ist die Wahl, die man hat. Entweder ist man ehrlich und verzichtet auf Vorteile oder man lügt, um beispielsweise an mehr Geld, Macht oder Ruhm zu gelangen. Warum Menschen lügen, hängt von persönlichen Faktoren und Umweltfaktoren ab. Um diese empirisch zu untersuchen, wurde in vielen publizierten Studien dieser Grundkonflikt in einfachen Experimenten nachgestellt.

Ein Beispiel für so ein einfaches Experiment ist das Münzwurf-Spiel. Dabei werfen Probanden eine Münze, ohne dass sie jemand dabei beobachtet. Das Ergebnis geben sie zum Beispiel per Computer an die Versuchsleiter durch. Bei Kopf bekommen sie Geld, bei Zahl gehen sie leer aus. Führt man diesen Versuch öfter und mit vielen Probanden durch, müsste das Verhältnis von Kopf zu Zahl insgesamt fünfzig zu fünfzig betragen. Doch zeigen fast alle Studien, dass Probanden öfter Kopf als Zahl nennen. Das heißt: Mindestens einige Probanden lügen, um mehr Geld zu erhalten.

Große Studie für sicherere Aussagen

Zahlreiche Studien mit diesem oder ähnlichem Grundaufbau haben Wissenschaftler in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt, um die verschiedenen Faktoren zu untersuchen, die zu Unehrlichkeiten führen. Für eine umfassende Metaanalyse haben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Technion – Israel Institute of Technology nun die Daten von 565 Studien mit insgesamt 44.050 Probanden zusammengefasst.

„Obwohl es zahlreiche Studien gibt, die untersuchen, wer, wann und warum lügt, sind die Ergebnisse nicht eindeutig, teilweise sogar widersprüchlich. Mithilfe der großen Datenmenge aus allen Studien können wir nun zu einigen Faktoren eindeutigere Aussagen treffen“, sagt Philipp Gerlach, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Erstautor der Studie.

Frauen oder Männer – wer lügt mehr?

Insgesamt haben bei den untersuchten Experimenten 42 Prozent aller Männer und 38 Prozent aller Frauen gelogen. Die Vermutung, dass Männer häufiger lügen als Frauen, konnte die Studie damit bestätigen – auch wenn der Unterschied nur gering ist. Außerdem haben jüngere Personen häufiger gelogen als ältere. Dabei sank die Wahrscheinlichkeit, dass jemand lügt, mit jedem Jahr um 0,28 Prozentpunkte. Während sie bei einer 20-jährigen Person bei etwa 47 Prozent liegt, sind es bei einer 60-jährigen nur noch 36 Prozent.

Andere, immer wieder diskutierte Faktoren konnte die Studie nicht bestätigen. So finden die Wissenschaftler zum Beispiel keinen Hinweis darauf, dass Wirtschaftsstudierende besonders häufig lügen.

Ehrlichkeit kann situationsabhängig sein

Für die Metaanalyse wurden publizierte sowie noch nicht veröffentlichte Studien aus der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften herangezogen. Diese Studien untersuchten das Ausmaß von Unehrlichkeit mithilfe von wenigen, aber sehr unterschiedlichen experimentellen Anordnungen. In einigen bezog sich Unehrlichkeit auf ein Zufallsergebnis, wie bei dem Münzwurf-Spiel. In anderen Studien bezog sich Unehrlichkeit auf das Ausmaß der eigenen Fertigkeiten, zum Beispiel ob ein mathematisches Rätsel richtig gelöst wurde. Die Forscher konnten zeigen, dass solche strukturellen Unterschiede im Versuchsaufbau das Verhalten der Probanden beeinflussen und somit zu unterschiedlichen Ergebnissen über das Ausmaß der Unehrlichkeit führen.

In einer Umfrage gaben 6,5% der Teilnehmer an, nie mehr zu schwindeln, wenn sie dafür einen zusätzlichen Urlaubstag bekämen. Was Menschen sonst noch für einen weiteren Tag Urlaub tun würden, zeigt die folgende Bilderstrecke:

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„Möchte man wissen, in welchem Ausmaß Menschen geneigt sind, sich unehrlich zu verhalten, muss man unbedingt berücksichtigen, mit welchen experimentellen Situationen und Versuchungen man Menschen konfrontiert", sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs „Adaptive Rationalität“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Dies deute darauf hin, dass Unehrlichkeit nicht einfach nur die Eigenschaft einer Person ist, sondern systematisch mit den Bedingungen der Umwelt zusammenspielt.

Originalpublikation: Gerlach, P., Teodorescu, K., & Hertwig, R. : The truth about lies: A meta-analysis on dishonest behavior. Psychological Bulletin, 145(1), 1-44; DOI: 10.1037%2Fbul0000174

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