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Mikroplastik in der Luft Kunststoffstaub fliegt um die Welt – doch von wo stammt er?

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Meteorologie 3 min Lesedauer

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Der Weg des Mikroplastiks schien klar: An Land erzeugt, vom Regen fortgespült und von Wellen und Gischt der Ozeane in die Luft geschleudert. Nun zeigt ein neues Modell allerdings, dass Ozeane im Gegenteil eher eine Senke für die winzigen Plastikteilchen sind.

Mithilfe eines globalen Modells für den Transport von chemischen Substanzen haben Forschende nachgewiesen, dass der Ozean entgegen früherer Behauptungen keine wichtige Quelle für Mikroplastik in der Atmosphäre ist. Stattdessen fungiert er vielmehr als bedeutende Senke. (Symbolbild)(Bild:  frei lizenziert, Christopher Politano / Pexels)
Mithilfe eines globalen Modells für den Transport von chemischen Substanzen haben Forschende nachgewiesen, dass der Ozean entgegen früherer Behauptungen keine wichtige Quelle für Mikroplastik in der Atmosphäre ist. Stattdessen fungiert er vielmehr als bedeutende Senke. (Symbolbild)
(Bild: frei lizenziert, Christopher Politano / Pexels)

Plastikstaub verschmutzt die Umwelt rund um den Globus. Tatsächlich lässt sich Mikroplastik nicht nur in Böden, in Gewässern und im Meer nachweisen, sondern auch in der Luft, die wir atmen. Die winzigen Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimeter könnten damit eine potenzielle Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen, da insbesondere die kleinsten Partikel in die Atemwege und den Blutkreislauf gelangen können. Darüber hinaus erreicht atmosphärisches Mikroplastik die entlegensten Winkel der Erde und setzt sich dort ab. Aber wie gelangt es überhaupt in die Atmosphäre?

Grundsätzlich befinden sich die Quellen von Mikroplastik an Land: Dazu gehören zum Beispiel Fasern aus synthetischer Kleidung im häuslichen Abwasser oder der Abrieb von Autoreifen auf den Straßen. Frühere Studien gingen davon aus, dass ein wichtiger Weg, wie Mikroplastik in die Atmosphäre gelangt, über den Ozean führt: Mikroplastik wird in Flüsse gespült und so ins Meer getragen, wo es sich ansammelt. Luftblasen, die durch Gischt, Wind und Wellen entstehen, können die Plastikpartikel aus dem Wasser in die Atmosphäre befördern.

Eine neue Studie unter der Leitung von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) zeigt jedoch, dass der Ozean hauptsächlich als Senke fungiert – und nicht als Quelle, wie bisher angenommen.

Quelle oder nicht: Welche Rolle hat der Ozean für Mikroplastik?

Die Annahme, dass der Ozean eine Quelle von atmosphärischem Mikroplastik darstellt, beruhte auf inverser Modellierung. Bei dieser Methode werden die Quellen einer Substanz aus Messungen ihrer atmosphärischen Konzentrationsverteilung abgeleitet. Auf Mikroplastik angewendet, führte dies zu der Annahme, dass es eine ozeanische Quelle von atmosphärischem Mikroplastik von mehreren hundert Millionen oder sogar mehreren Milliarden Kilogramm pro Jahr gibt. Der genaue Mechanismus, wie dieser Transfer funktioniert, wurde dann in Laborexperimenten untersucht. Diese ließen eine ganz andere Schlussfolgerung zu: Nur wenige tausend oder hunderttausend Kilogramm pro Jahr erschienen plausibel.

Kleine Mikroplastikpartikel können bis zu einem Jahr in der Atmosphäre verweilen und dadurch rund um den Globus transportiert werden.

Quellen (blau) und Senken (orange) von atmosphärischem Mikroplastik. CC BY 4.0 , DOI: (Bild:  DOI: 10.1038/s41612-025-00914-3 /Yang et al. 2025 / CC BY 4.0)
Quellen (blau) und Senken (orange) von atmosphärischem Mikroplastik. CC BY 4.0 , DOI:
(Bild: DOI: 10.1038/s41612-025-00914-3 /Yang et al. 2025 / CC BY 4.0)

Mithilfe eines globalen atmosphärischen Chemie-Transport-Modells untersuchte ein internationales Forschungsteam, ob die Annahme einer geringen ozeanischen Quelle zu einer atmosphärischen Verteilung von Mikroplastik führt, die mit den Beobachtungen übereinstimmt. Das Ergebnis war positiv. Der Ozean scheint keine Quelle, sondern vielmehr eine Senke zu sein, wo sich 15 % des gesamten in der Luft enthaltenen Mikroplastiks absetzen.

Die Studie vom Max-Planck-Institut für Meteorologie stellt frühere Untersuchungen zur Quelle von Mikroplastik in der Atmosphäre in Frage. Solche Analysen hatten bislang den Ozean als Verbreiter der Kunststoffteilchen – auch in die Luft – angenommen:

Verweilzeit in der Luft bis zu ein Jahr lang

Die Studie zeigt auch, wie die Größe von Mikroplastik dessen Transport in der Atmosphäre bestimmt: Größere Partikel setzen sich relativ schnell ab, entweder noch an Land oder in Küstennähe. Das Modell zeigt beispielsweise, dass die kleinen Partikel – obwohl sie auf den Kontinenten emittiert werden – bis in die Arktis vordringen können, wo sie sich auf Schnee und Eis ablagern. Dies verdeutlicht die globalen Auswirkungen der Mikroplastik-Verschmutzung. Die Erkenntnisse der Studie können in Strategien einfließen, um die Belastung zu reduzieren. Diese Strategien sollten sich demnach auf die kontinentalen Quellen konzentrieren statt auf die Rolle des Ozeans als Quelle von Mikroplastik.

Originalpublikation: Yang, S., Brasseur, G., Walters, S. et al.: Global atmospheric distribution of microplastics with evidence of low oceanic emissions. npj Climate and Atmospheric Sciences 8, 81 (2025); DOI: 10.1038/s41612-025-00914-3

(ID:50353312)

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