In unserer Nase tobt ein Wettkampf um lebenswichtige Rohstoffe, allen voran um Eisen. Dieses brauchen auch multiresistente Staphylokokken, die in vielen Nasenhöhlen eingenistet sind und dort unbemerkt überdauern können. Forscher haben nun gezeigt, dass sich bestimmte Bakterien aus dem Mikrobiom der Nase eignen, um den gefährlichen Erregern das Eisen streitig zu machen und sie einzudämmen.
Ob gefährliche Staphylokokken in der Nase überleben, hängt davon ab, welche anderen Bakterien vorhanden sind – und wie sie Eisen gewinnen.
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Wir teilen unseren Körper mit unzähligen Mikroorganismen. Sie bewohnen unseren Darm, die Haut und Körperöffnungen wie Mund und Nase. Wie dieses Mikrobiom zusammengesetzt ist, hat großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Während bestimmte Keime nützlich sein können, fügen uns andere Schaden zu. Staphylococcus aureus stellt hier einen Sonderfall dar. „Antibiotikaresistente Staphylokokken können sich unbemerkt im Mikrobiom gesunder Menschen verstecken“, erklärt Simon Heilbronner, Professor für Mikrobiologie am Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Bei einem Drittel aller Menschen ist das der Fall.
Solange die Erreger in der Nase bleiben, merken wir davon nichts. Wenn sie aber beispielsweise nach einem chirurgischen Eingriff in den Blutkreislauf gelangen, können sie schwerwiegende Krankheiten verursachen. Diese Infektionen sind akut lebensbedrohlich, und auch gegen Notfallreserve-Antibiotika entwickeln sich Resistenzen. Stellt man vor einem Krankenhausaufenthalt sicher, dass keine der gefährlichen Erreger in der Nase hausen, kann das das Leben der Patienten retten.
Lebensraum Nase
Warum Staphylococcus aureus in einigen Nasen vorkommt, in anderen aber nicht, ist bislang kaum bekannt. „Wir wissen erstaunlich wenig über die Faktoren, die bestimmen, ob eine Person von S. aureus bewohnt werden kann“, sagt Heilbronner. Die Genetik des Wirtes und die Umweltbedingungen hätten nur einen mäßigen Einfluss darauf. „Stattdessen wird zunehmend klarer, dass das Vorhandensein bestimmter anderer Bakterien das Wachstum des Krankheitserregers begünstigen oder erschweren kann.“ Weil das mikrobielle Ökosystem der Nase insgesamt wenig erforscht ist, wisse man aber noch viel zu wenig, um die Mechanismen dahinter ausreichend zu verstehen.
In einer Studie haben Heilbronner und seine Kollegen deswegen 94 Stämme aus elf Bakteriengattungen untersucht, die in der menschlichen Nase vorkommen. Im Fokus stand dabei eine besondere Eigenschaft der Mikroben. „In der Nase herrscht akuter Eisenmangel“, sagt Heilbronner. Indem das menschliche Immunsystem diesen essenziellen Nährstoff begrenzt, schützt sich es vor unerwünschten Gästen.
Bakterien, die trotzdem in der Nase überleben wollen, müssen sich also etwas einfallen lassen: Sie produzieren so genannte Siderophore – eisenbindende Moleküle, die sie in ihre Umgebung abgeben. „Man kann sie sich als molekulare Fangnetze vorstellen, die die Bakterien auswerfen, um Eisen zu sammeln“, beschreibt der Infektionsbiologe. Sobald sich die Siderophore mit dem begehrten Spurenelement angereichert haben, werden sie wieder aufgenommen. Allerdings nicht immer von dem Bakterium, das sie produziert hat.
Wie die Forschenden herausgefunden haben, existiert in unseren Nasen ein komplexes Netz von Handelsbündnissen und Raubzügen rund um das Eisen. Die Wissenschaftler fanden verschiedene Formen von Interaktionen zwischen den untersuchten Bakterien. Einige der Mikroorganismen teilen ihre Siderophore und das darin gebundene Eisen wie ein Gemeinschaftsgut mit S. aureus. Sie arbeiten also mit dem Krankheitserreger zusammen, wovon beide Arten profitieren.
Im Gegensatz dazu verhalten sich andere Bakterien weniger sozial. Es gibt Arten, die sich zwar an den Siderophoren von S. aureus bedienen, ihnen ihre eigenen aber vorenthalten, indem sie sie gewissermaßen molekular verschlüsseln. Die Autoren bezeichnen diese Strategie als „Wegsperren“ des Eisens. Und dann gibt es noch die Piraten unter den Nasenkeimen: Sie produzieren überhaupt keine eigenen Siderophore – denn das ist aufwendig und kostenintensiv –, sondern rauben ausschließlich fremde Eisenquellen. Viele dieser „Betrüger“ sind auf die Siderophore des Krankheitserregers spezialisiert.
Piraten-Keime als Freibeuter im Namen der Medizin?
Heilbronner und sein Team konnten nachweisen, dass S. aureus in seinem Wachstum gehemmt wird, wenn in der Umgebung Bakterien vorhanden sind, die dessen Siderophore ausbeuten, ohne etwas dafür zurückzugeben. „Wir haben in dieser Arbeit mehrere Stämme verschiedener Arten und Gattungen identifiziert, die auf unterschiedliche Weise mit S. aureus interagieren“, sagt der Forscher. „Die Ergebnisse sprechen dafür, dass benachbarte Bakterien durch Eisenraub ein feindliches Umfeld für Staphylokokken schaffen können.“ Das ebne den Weg für die Entwicklung nasaler Probiotika für die Verdrängung multiresistenter Staphylokokken aus der Nase. Die Siderophor-Piraten könnten also zu Freibeutern im Namen der Medizin werden und gezielt das Eisen von S. aureus plündern, um seine Verbreitung einzudämmen.
Stand: 08.12.2025
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