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Antibakterielle Tricks aus der Prähistorie Wenn Birkenpech glücklich macht: Wundbehandlung unter Neandertalern

Quelle: Pressemitteilung Universität Köln 2 min Lesedauer

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Vor über 5.000 Jahren nutzten Neandertaler Birkenpech als Klebstoff, um damit Werkzeuge und Waffen zu fertigen. Doch nicht nur das: Forscher der Universität Köln haben gezeigt, dass die frühen Menschen auch antibakterielle Eigenschaften von Birkenpech zur Behandlung von Wunden genutzt haben könnten.

Wissenschaftler haben für eine Studie Birkenpech mit Methoden hergestellt, die schon Neandertaler nutzen, um dessen antibakterielles Potenzial zu analysieren. (Bild:  Tjaark Siemssen)
Wissenschaftler haben für eine Studie Birkenpech mit Methoden hergestellt, die schon Neandertaler nutzen, um dessen antibakterielles Potenzial zu analysieren.
(Bild: Tjaark Siemssen)

Der Blick in die Vergangenheit fasziniert seit jeher und hält immer wieder neue Überraschungen bereit. So haben sich Forschende der Universitäten Köln, Oxford, Lüttich sowie der kanadischen Cape Breton University genauer angeschaut, welchen Nutzen Neandertaler von Birkenpech gehabt haben können.

Birkenpech ist eine zähflüssige Masse, die aus Birkenrinde gewonnen wird und sich in vielen archäologischen Neandertaler-Fundstellen Europas findet. Da die Birkenpechreste oft direkt an Steinartefakten angebracht sind, gingen Archäologen lange davon aus, dass es hauptsächlich als Klebemittel für die Schäftung genutzt wurde. Schäften ist eine Methode, bei der mehrere Werkstücke miteinander verbunden werden, zum Beispiel bei der Werkzeugherstellung.

„Neue Studien deuten darauf hin, dass das Birkenpech jedoch auch für andere Zwecke genutzt worden sein könnte“, sagt Tjaark Siemssen von den Universitäten Köln und Oxford, der die aktuelle Studie geleitet hat. Ethnographische Befunde aus verschiedensten globalen Kontexten zeigen, dass es unter anderem auch medizinische Anwendung findet. „Da es neben diesen Befunden auch immer mehr Nachweise für medizinische Verhaltensweisen und Pflanzennutzung bei Neandertalern gibt, hat uns die Nutzung des Birkenpechs in diesem Kontext interessiert“, sagt Siemssen.

Birkenpech nach Art der Neandertaler hergestellt

Die Forschenden stellten zunächst experimentell Birkenpech aus Birkenarten her, die es bereits zur Zeit der Neandertaler gab. Sie verwendeten dabei gezielt Methoden, die aufgrund früherer archäologischer Funde nachweislich auch bei den Neandertalern geläufig waren.

Für ein Verfahren wurde etwa Birkenrinde unterirdisch in einer verschlossenen Grube verbrannt. Der Sauerstoffabschluss führt zu einer Trockendestillation, sodass von der Rinde lediglich das Birkenpech zurückbleibt. Eine andere Methode nutzte Kondensation und bestand darin, Birkenpech neben einer harten Oberfläche, beispielsweise einem Stein, zu verbrennen. Im Verlauf dieses Prozesses kondensiert das Pech an der Steinoberfläche.

Die experimentell gewonnenen Birkenpechproben unterzogen die Forschenden weiteren Tests, um die antimikrobiellen Eigenschaften zu untersuchen. Es zeigte sich, dass alle Proben das Wachstum von Staphyloccocus aureus hemmen. S. aureus ist ein Bakterium, das bei Wundinfektionen eine große Rolle spielt und heute zu den Multiresistenten Krankenhauskeimen zählt. Die antibiotischen Eigenschaften von Birkenpech finden sich bei allen Produktionsmethoden. „Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass antimikrobielle Eigenschaften schon zu Zeiten der frühen Neandertaler eine Rolle spielten und gezielt eingesetzt werden konnten“, erläutert Siemssen.

Von prähistorischen Praktiken lernen

Neben den archäologischen Erkenntnissen, die zu einem besseren Verständnis der Neandertaler-Kultur beitragen, sind die Ergebnisse auch im Hinblick auf die weltweit erhöhte Resistenz von Bakterien gegenüber gängigen Antibiotika relevant. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es sich lohnen kann, sich intensiver mit gezielt wirkenden Antibiotika aus ethnographischen Kontexten oder, wie hier, auch prähistorischen Kontexten auseinanderzusetzen“, sagt Siemssen.

Originalpublikation: Tjaark Siemssen, Aderonke Oludare, Marcel Schemmel, Janos Puschmann, Matthias Bierenstiel: Antibacterial properties of experimentally produced birch tar and its medicinal affordances in the Pleistocene, PLoS One 21(3): March 18, 2026; DOI: 10.1371/journal.pone.0343618

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