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Optische Täuschung im Supermarkt Der Illusion ins Netz gegangen: Warum wir unreife Orangen kaufen

Quelle: Pressemitteilung Justus-Liebig-Universität Gießen 2 min Lesedauer

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Orangen sind oft verpackt in orangefarbenen Kunststoffnetzen. Dahinter steckt mehr, als man denkt. Denn diese Art der Verpackung sorgt durch eine optische Illusion dafür, dass wir selbst leicht grünliche oder blasse Früchte deutlich kräftiger und ansprechender gefärbt wahrnehmen.

Die Konfetti-Illusion sorgt allein durch Einfügen von Streifen für einen unterschiedlichen Farbeindruck des darunterliegenden Bildes.(Bild:  frei lizenziert, Gala Rodriguez / Unsplash)
Die Konfetti-Illusion sorgt allein durch Einfügen von Streifen für einen unterschiedlichen Farbeindruck des darunterliegenden Bildes.
(Bild: frei lizenziert, Gala Rodriguez / Unsplash)

Im Obst- und Gemüsehandel hat es sich längst herumgesprochen: Früchte verkaufen sich besser, wenn sie in einem Netz stecken, dass die Farbe von perfekten Exemplaren ihrer Sorte trägt. Dahinter steht tatsächlich ein wissenschaftlich fundiertes Phänomen – eine Wahrnehmungstäuschung, die als so genannte Farbassimilation oder Konfetti-Illusion bekannt ist. Objekte nehmen dabei anscheinend den Farbton eines darüber gelegten Musters an. Dass dieser Effekt auch bei den orangen im Supermarkt zum Tragen kommt, hat Prof. Dr. Karl Gegenfurtner, Wahrnehmungspsychologe der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), in einem kurzen Artikel in der Zeitschrift „i-Perception“ beschrieben.

Die Enttäuschung beim Auspacken zu Hause

Anlass für die kleine Untersuchung waren eigene Erfahrungen beim Kauf von angeblich reifen Orangen im Supermarkt. Dass die Früchte tatsächlich eher grünlich schimmerten, fiel Gegenfurtner erst zuhause auf, als er sie aus ihrem orangefarbenen Netz befreite.

Unreife grüne Orange im orangefarbenen Netz (l.) und hinter einem so genannten „Munker-Netz“ (r.).(Bild:  Karl Gegenfurtner)
Unreife grüne Orange im orangefarbenen Netz (l.) und hinter einem so genannten „Munker-Netz“ (r.).
(Bild: Karl Gegenfurtner)

Nach der anfänglichen Enttäuschung war das Interesse des Farbforschers geweckt. Um auszuschließen, dass der beobachtete Effekt nur auf Reflexionen zwischen dem Netz und der Frucht zurückzuführen ist, stellte er das Obstnetz grafisch nach und legte die Orange hinter ein so genanntes Munker-Netz (benannt nach dem Farbforscher Hans Munker) mit orangefarbenen Linien. Auch hier verschwindet der grünliche Farbton anscheinend.

Für den Forscher war dies der Beleg, den er brauchte. „Ich schließe daraus, dass die Farbassimilation allein eine starke Auswirkung auf das Erscheinungsbild der Farbe hat“, sagt Gegenfurtner.

So stark funktioniert die Konfetti-Illusion

Version der Konfetti-Illusion mit den Gesichtern der Wissenschaftler Hermann Helmholtz, James Clerk Maxwell und Thomas Young. Der unterschiedliche Farbeindruck der Gesichter entsteht durch die überlagerten Streifen.(Bild:  Karl Gegenfurtner)
Version der Konfetti-Illusion mit den Gesichtern der Wissenschaftler Hermann Helmholtz, James Clerk Maxwell und Thomas Young. Der unterschiedliche Farbeindruck der Gesichter entsteht durch die überlagerten Streifen.
(Bild: Karl Gegenfurtner)

Um zu zeigen, wie stark die dahinterstehende optische Täuschung sein kann, demonstrierte Gegenfurtner zudem die Konfetti-Illusion mit den Gesichtern der drei Begründer der trichromatischen Farbtheorie (Hermann von Helmholtz, James Clerk Maxwell und Thomas Young). Durch den gezielten Einsatz zusätzlicher Farbstreifen ist der Effekt dort besonders stark ausgeprägt: Die neutral gefärbten Gesichter erscheinen abhängig von dem Streifenmuster entweder grell eingefärbt bzw. in der Schwarzweiß-Variante sehr dunkel oder sehr hell – und das, obwohl sich an der Farbe der Gesichter nichts ändert.

Originalpublikation: Gegenfurtner, K.R.: Perceptual ripening of oranges. i-Perception, 15(3), 1-5 (2024); DOI: 10.1177/20416695241258748

(ID:50122430)

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