Passiver oder aktiver Drogenkonsum? Die Haaranalyse mit der bildgebenden Massenspektrometrie (MS-Imaging) gibt Klarheit. Mit ihr lassen sich – im Gegensatz zur etablierten LC-MS-Analyse – die Drogen im Haar genau lokalisieren.
Abb. 1: Methoxyphenamin (MOP) wurde als Modelldroge für die Drogenanalytik per Haaranalyse eingesetzt.
Drogenkonsum lässt sich nicht verbergen. Zumindest vor der Analytik nicht. Denn Drogen reichern sich über einen Zeitraum von Monaten bis zu mehr als einem Jahr in Haaren an. Daher liefert eine Haaranalyse wissenschaftliche Beweise, die Zeiträume mit Drogenkontakt einschließen. Häufig werden solche Untersuchungen von Drogendelikten mittels der Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit der Massenspektrometrie (LC-MS) durchgeführt. Allerdings kann mit dieser Technik keine Information über die Lokalisierung der Drogen im Haar ermittelt werden. Dieses Problem löst die bildgebende Massenspektrometrie (MS-Imaging). Zur Visualisierung der Medikamentenverteilung im Haar und um die Stärke der MS-Imaging-Technologie zu demonstrieren, wurde Methoxyphenamin (MOP) als Modelldroge eingesetzt. MOP ähnelt strukturell dem Methamphetamin, einer Art Antihypnotikum (s. Abb. 1).
Probenvorbereitung
Für die MS-Imaging-Analyse wurden zwei Arten von Proben vorbereitet. Zum einen „Benutzerhaar“, bei dem männliche Freiwillige mit schwarzem Haar an fünf aufeinanderfolgenden Tagen dreimal täglich ein rezeptfreies Medikament mit 50 mg MOP-Hydrochlorid einnahmen. Daraufhin folgte eine 19-tägige Ruhezeit, dann weitere fünf Tage der Einnahme und abschließend nochmals eine Ruhezeit von 13 Tagen. Nach Beendigung der Medikamenteneinnahme und Ruhezeit wurden die Haare an den Wurzeln entnommen. Als zweite Probenart wurde „getränktes Haar“ verwendet: Zur Vorbereitung dieser Proben wurden Haare von den Haarwurzeln männlicher Probanden vor der Einnahme des Medikamentes entnommen und in MOP-Hydrochloridlösung getaucht. Die Menge des Medikamentes im Haar wurde mittels LC auf 20 bis 83 ng/mg bestimmt.
Abb. 2: Struktureller Aufbau eines menschlichen Haares
(Bild: Shimadzu)
Ein menschliches Haar besitzt einen Durchmesser von etwa 50 bis 150 µm und besteht ausgehend von der Oberfläche aus drei Schichten (s. Abb. 2): die äußere, feste Schuppenschicht (Kutikula), die Faserschicht (Kortex) und das Haarmark (Medulla). Um möglichst viele Informationen über die Verteilung der Modelldroge zu erhalten, wurden sowohl Längs- als auch Querschnitte der Haarproben generiert. Die Längsschnitte wurden mittels eines Mikrotoms angefertigt und mit leitfähigem doppelseitigen Klebeband auf einem ITO-Slide (mit Indiumzinnoxid beschichteter Objektträger) fixiert. Bei der Erstellung der Querschnitte kam ein Kryostat zum Einsatz, wodurch die in Carboxymethylcellulose (CMC) eingebetteten Haarproben geschnitten und auf ITO- Slides fixiert werden konnten.
Set-up der MS-Imaging-Analyse
Zur Unterstützung der Ionisierung finden bei MS-Imaging-Experimenten, wie bei der hier eingesetzten MALDI-Massenspektrometrie, viele unterschiedliche Matrices Verwendung. In diesem Experiment wurde CHCA (α-Cyano-4-hydroxyzimtsäure) als Matrix ausgewählt. Um eine hohe räumliche Auflösung zu realisieren, muss die Matrix nicht nur gleichmäßig aufgetragen, sondern auch die Größe der Matrixkristalle minimiert werden. Eine Methode, um eine feine und homogene Matrixbeschichtung zu erhalten, ist die Aufdampfung durch Sublimation der Matrixsubstanz auf das Probenmaterial.
Ein solches Verfahren ermöglicht der iM Layer von Shimadzu, der daher hier verwendet wurde. Die massenspektrometrische Datenaufnahme erfolgte mit dem iM Scope QT von Shimadzu. Dieses System ist zusätzlich mit einem optischen Mikroskop ausgestattet, sodass es sich für die Beobachtung feiner Objekte, wie etwa Querschnitte von Haaren, eignet und eine nahtlose Überlagerung der optischen mit den massenspektrometrischen Daten ermöglicht. Ein weiterer Vorteil des iM Scope QT ist, dass dieses System mit einem hochauflösenden Quadrupol-Flugzeitmassenspektrometer (QTOF-MS) kombiniert ist. Für mehr Flexibilität kann das MS-Imaging-System einfach mit einer Quelle für die Elektrosprayionisierung (ESI) getauscht werden, um weiterführende Analysen mittels LC-MS durchzuführen.
Ergebnisse der MS-Imaging-Analyse
Haarproben im Längsschnitt: Zunächst wurde eine Messung der Proben mit einer geringen räumlichen Auflösung von 50 µm durchgeführt (s. Abb. 3). Wie zu erwarten, ergaben sich beim „Benutzerhaar“ im Längsschnitt zwei positive Bereiche, passend zum fünftägigen Dosierungszeitraum. Dementsprechend findet sich im Bereich der Einnahmepause kein Medikament in der Haarprobe. Die Untersuchung im Längsschnitt der getränkten Haarproben zeigt eine einheitliche Wirkstoffverteilung. Eine anschließende Messung bei höherer räumlicher Auflösung von 10 µm ergab hier zudem, dass der Wirkstoff am Rand der Proben lokalisiert ist, aber nicht im Inneren des Haares.
Haarproben im Querschnitt: Um die Verteilung der Drogen im Haar besser beurteilen zu können, wurde die MS-Imaging-Analyse der im Querschnitt vorbereiteten Haarproben ebenfalls mit einer räumlichen Auflösung von 10 µm durchgeführt (s. Abb. 4). Die hier gewonnenen Resultate stimmen mit den Ergebnissen der Haarproben im Längsschnitt überein. So konnte der Wirkstoff in dem getränkten Haar lediglich in der Peripherie der Probe identifiziert werden. Im nächsten Schritt konnte durch eine wiederholte Analyse dieser Haarproben mit einer örtlichen Auflösung von 5 µm die Verteilung noch exakter bestimmt werden.
Abb. 3: Ergebnisse der Haaranalyse per MALDI QTOF-MS: Längsschnitte
(Bild: Shimadzu)
Wichtig ist hier eine Unterscheidung zwischen freiwilligem aktivem und passivem Drogenkonsum (z. B. durch Rauchen). Bei aktiven Drogenkonsum findet sich der Drogen auch im Inneren des Haares, bei passivem Drogenkonsum, nur in den Randbereichen. Ein solche Differenzierung ist durch analytische Methoden wie die Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit der Massenspektrometrie nicht möglich. Hochauflösende Analysen mittels MALDI-Imaging erzielen dagegen eine solche Unterscheidung.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Abb. 4: Ergebnisse der Haaranalyse per MALDI QTOF-MS: Querschnitte
(Bild: Shimadzu)
Fazit und Ausblick
Haare sind wie Magnetbänder, auf denen die Historie des Drogenkonsums aufgezeichnet wird. Die Visualisierung von Wirkstoffen im Haar ist daher ein wichtiges und zugleich schwieriges Thema in der Forensik. Die LC-MS-Analytik ist unerlässlich für die Quantifizierung des Drogengehalts, der detaillierte Mechanismus der Drogenaufnahme wird dadurch jedoch nicht enthüllt. Zusätzlich ist die Detektion der Drogen mithilfe hoher räumlicher Auflösung und hoher Empfindlichkeit notwendig, um auch geringe Mengen der Wirkstoffe in komplexen Umgebungen sichtbar zu machen. Die hier vorgestellte Methode mittels MALDI-MS-Imaging wird diesen speziellen Anforderungen jedoch gerecht. Neben der Nutzung zur Drogenbestimmung oder für Dopingtests kann dieses Verfahren beispielsweise für die Entwicklung und Beurteilung von Haarpflegeprodukten eingesetzt werden.
Darüber hinaus bietet das MS-Imaging-System iM Scope QT in Kombination mit dem hochauflösenden Q-TOF Massenspektrometer ein hohes Maß an Flexibilität. Durch den einfachen Quellenwechsel können nach den Analysen der bildgebenden Massenspektrometrie weitere LC-MS-Analysen durchgeführt werden, um ergänzende qualitative und quantitative Informationen zu erhalten.