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Ameisenforschung Schnelle Amputation sorgt für höhere Überlebensrate

Quelle: Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg 2 min Lesedauer

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In mittelalterlichen Kriegen war es ein wichtige Praxis der Feldärzte: die prophylaktische Amputation. Und auch im Insektenreich findet sie Anwendung, wie Würzburger Wissenschaftler jetzt entdeckt haben. Ameisen sorgen so dafür, dass sich Injektionen in ihren Kolonien nicht ausbreiten.

Rossameisen nutzen Amputationen, um nach Verletzungen die Ausbreitung von Entzündungen zu stoppen.(Bild:  Bart Zijlstra)
Rossameisen nutzen Amputationen, um nach Verletzungen die Ausbreitung von Entzündungen zu stoppen.
(Bild: Bart Zijlstra)

Wie auch bei uns Menschen spielt Wundversorgung im Tierreich eine wichtige Rolle. Viele Säugetiere lecken ihre Verletzungen, manche Primaten nutzen antiseptische Pflanzen und einige Ameisen produzieren sogar ihre eigenen antimikrobiellen Stoffe, um Infektionen zu behandeln.

Letzteres hatte der an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) forschende Biologe Dr. Erik Frank bei der Afrikanischen Matabele-Ameise nachgewiesen. In einer neuen Studie nimmt er eine Ameisenart unter die Lupe, die medizinisch eine zwar weniger feine, aber dennoch effektive Klinge führt: Amputationen. Erik Frank leitet in Würzburg eine durch das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Nachwuchsgruppe am Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III). Im Fokus der Studie steht Camponotus maculatus, eine vor allem in Afrika vorkommende Art der Rossameise.

Wir konnten beobachten, wie Arbeiterinnen verletzte Gliedmaßen ihrer Artgenossinnen auf Schulterhöhe amputierten, sie bissen das verletzte Bein mit ihren starken Mundwerkzeugen einfach ab

Dr. Erik Frank, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Dabei spielte es keine Rolle, ob die Wunde infiziert war. Auch das Wundalter war für die Entscheidung nicht ausschlaggebend, die Ameisen gingen bei der Versorgung auf Nummer sicher.

Nicht alle Ameisenarten amputieren

„Den Luxus, eine Infektion abzuwarten, haben die Ameisen nicht. Wenn diese erkennbar wird, ist eine Amputation nicht mehr in der Lage, die Ausbreitung im Körper zu stoppen“, weiß Juan José Lagos-Oviedo, Doktorand und einer der beiden Erstautoren der Studie. Der Erfolg gibt den pragmatischen Tieren Recht. Die Überlebensrate der verletzten Arbeiterinnen konnten sie durch die Amputationen mehr als verdoppeln.

Da Insekten wie Ameisen, Termiten oder Honigbienen in großen Völkern leben, ist der Schutz von Infektionen, die sich in den dichtbesiedelten Kolonien schnell verbreiten können, für sie besonders wichtig. Die prophylaktischen Amputationen aufgrund fehlender Informationen zum Infektionsstatus sind im Tierreich einzigartig und erinnern an humanmedizinische Logik.

Die Arbeit am Thema wird zukünftig weiter vertieft. In einem neuen Forschungsprojekt wird sich vor allem Doktorand Seiji Fujimoto Ameisenarten widmen, die sowohl Amputationen als auch Behandlungen mit antimikrobiellen Substanzen nutzen. „Wir wollen diese Entscheidungsfindung verstehen und außerdem herausfinden, wie diese Verhaltensweisen evolviert sind. Sprich, wieso nur manche Ameisenarten amputieren“, so Erik Frank.

Originalpublikation: Seiji Fujimoto, Juan José Lagos-Oviedo, Florian Seibel, Louis Puille, Ronja Hausmann, Eoin Corcoran, Thomas Schmitt, Erik T. Frank: „Better Safe Than Sorry: Leg Amputations as a Prophylactic Wound Care Behaviour in Carpenter Ants“; in Proceedings of the Royal Society B

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