Anbieter zum Thema
Ein Ausflug in die Quantenwelt
Ultrakleine Transistoren – und damit der nächste Schritt in der weiteren Miniaturisierung elektronischer Schaltkreise – liegen hier als Anwendungsmöglichkeit nahe. Sie sind zwar eine technische Herausforderung, doch eigentlich funktioniert Elektronik, die auf Nanotransistoren aufgebaut ist, nicht fundamental anders als die heutige Mikroelektronik. Die von den Empa-Forschern hergestellten halbleitenden Nanobänder würden es erlauben, Transistoren mit einem tausendmal kleineren Kanalquerschnitt als heute üblich zu realisieren. Es sind aber auch weitergehende Möglichkeiten denkbar, etwa im Bereich der Spintronik oder gar der Quanteninformatik.
Denn die elektronischen Quantenzustände an bestimmten Übergängen verschieden breiter Graphen-Nanobänder können zusätzlich auch ein magnetisches Moment tragen. Dies könnte es ermöglichen, Information nicht wie bisher üblich durch Ladung, sondern durch den so genannten Spin – im übertragenen Sinne die „Drehrichtung“ des Zustandes – zu verarbeiten.
Und die Entwicklung könnte sogar noch einen Schritt weitergehen. „Wir haben beobachtet, dass an den Enden bestimmter Quantenketten topologische Endzustände auftreten. Dies bietet die Möglichkeit, diese als Elemente so genannter Qubits zu nutzen – die komplexen, untereinander verschränkten Zustände in einem Quantenrechner“, erklärt Gröning.
Material auch ohne exotische Bedingungen stabil
Heute und morgen werde aber noch kein Quantencomputer aus Nanobändern gebaut – es sei noch einiges an Forschung nötig, so Gröning. Dennoch hebt der Forscher die Bedeutung hervor, die die Ergebnisse schon jetzt haben: „Die Möglichkeit, die elektronischen Eigenschaften durch die gezielte Verknüpfung einzelner Quantenzustände flexibel einzustellen, stellt für uns einen großen Sprung in der Herstellung neuer Materialien für ultra-miniaturisierte Transistoren dar.“ Dabei spielt die Tatsache, dass diese Materialien unter Umgebungsbedingungen stabil sind, für die Entwicklung künftiger Anwendungen eine wichtige Rolle.
„Faszinierend ist allerdings auch das weitergehende Potenzial der Ketten, lokale Quantenzustände zu erzeugen und diese gezielt miteinander zu verknüpfen“, sagt Gröning weiter. „Ob sich dieses Potenzial auch tatsächlich für künftige Quantenrechner nutzen lässt, ist allerdings noch völlig offen.“ Denn hier genüge es nicht, lokalisierte topologische Zustände in den Nanobändern zu erzeugen – diese müssten auch mit anderen Materialien wie Supraleitern so gekoppelt werden, dass die Voraussetzungen für Qubits tatsächlich gegeben sind.
Originalpublikation: O Gröning, S Wang, X Yao, CA Pignedoli, G Borin Barin, C Daniels, A Cupo, V Meunier, X Feng, A Narita, K Müllen, P Ruffieux R Fasel: Engineering of robust topological quantum phases in graphene nanoribbons. Naturevolume 560, pages209–213 (2018); DOI: 10.1038/s41586-018-0375-9
* K. Weinmann, EMPA Eidgenössische Material- Prüfungs-und Forschungsanstalt, 8600 Dübendorf/Schweiz
(ID:45443879)

