Die legendären Räuber „Schinderhannes“ und „Schwarzer Jonas“ wurden 1803 in Mainz durch das Fallbeil hingerichtet. Nun zeigen modernste Analyseverfahren nicht nur, dass ihre Skelette in der Folge vertauscht wurden, sondern sie können den „Schinderhannes“ auch eindeutig identifizieren und sogar Merkmale seines äußeren Erscheinungsbildes rekonstruieren.
Das Porträt zeigt den „Schinderhannes“. Genetische Analysen ermöglichten nun auch die Bestimmung seiner tatsächlichen Augen-, Haar- und Hautfarbe – sowie die eindeutige Identifizierung seines Skeletts.
(Bild: links: Stadtarchiv Mainz BPSP/3894 C; rechts: Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg)
Im Jahr 1805 brachte der erste Lehrstuhlinhaber der Anatomie der Universität Heidelberg, Jacob Fidelis Ackermann, die beiden Skelette der zwei Jahre zuvor hingerichteten Räuber „Schinderhannes“ und „Schwarzer Jonas“ in sein Institut – wo sie in der Folge verwechselt wurden. Diesen Irrtum konnte nun ein internationales Forschungsteam mit modernsten Analyseverfahren aufklären und das Skelett des „Schinderhannes“ eindeutig zuordnen. D
Skelette wurden vor rund 220 Jahren in der Heidelberger Anatomie vertauscht
Seit 220 Jahren gehören sie zur Anatomischen Sammlung der Universität Heidelberg: Zwei Skelette, die mit den Namen der legendären deutschen Räuber Johannes Bückler, besser bekannt als „Schinderhannes“, und „Schwarzer Jonas“ beschriftet sind. Beide Männer wurden gemeinsam mit 18 weiteren Verurteilten im November 1803 in Mainz durch das Fallbeil hingerichtet. Der erste Inhaber des Lehrstuhls für Anatomie und Physiologie in Heidelberg, Jacob Fidelis Ackermann, brachte die Skelette im Jahr 1805 nach Heidelberg. Offenbar kam es jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Ackermanns Nachfolger Friedrich Tiedemann zu einer Verwechslung der Sammlungsnummern – und damit begann die falsche Zuordnung der Skelette.
Ein internationales Forschungsteam unter Federführung von Dr. Sara Doll, Institut für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Kuratorin der Anatomischen Sammlung, sowie Professor Dr. Walther Parson, Leiter des Forschungsbereichs „Forensische Molekularbiologie“ am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck, Österreich, kombinierte im Rahmen der Studie verschiedene Analysemethoden und konnte damit zeigen: Das vermeintliche Skelett des „Schwarzen Jonas“ gehörte eindeutig dem „Schinderhannes“. Das angebliche Skelett des „Schinderhannes“ ist dagegen nicht das des „Schwarzen Jonas“.
Da die Nummern der Knochenmontagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts offensichtlich falsch vergeben wurden, ging das tatsächliche Skelett des „Schwarzen Jonas“ im Laufe der Zeit verloren. „Möglicherweise wurde es im Glauben, es handle sich um das Skelett des „Schinderhannes“, entwendet oder ausgeborgt und nie zurückgegeben? Ironischerweise könnte diese Verwechslung letztendlich dazu geführt haben, dass wir heute noch im Besitz des echten Skeletts von „Schinderhannes“ sind“, sagt Dr. Sara Doll.
Genetische Rekonstruktion der Augen-, Haar- und Hautfarbe
Es gibt nur wenige, teilweise widersprüchliche zeitgenössische Beschreibungen von „Schinderhannes’“ Aussehen. Die wenigen erhaltenen Darstellungen – etwa Stiche oder Gemälde – entstanden meist nach seinem Tod und beruhen eher auf künstlerischer Freiheit als auf authentischen Vorlagen. Neben der zweifelsfreien Zuordnung seines Skeletts erlaubten die genetischen Analysen nun auch die Bestimmung seiner Augen-, Haar- und Hautfarbe, wodurch auch die widersprüchliche Literaturlage für zukünftige wissenschaftliche und kulturelle Projekte geklärt wurde. „Die Daten deuten darauf hin, dass „Schinderhannes“ braune Augen, dunkle Haare und einen eher blassen Hautton hatte“, erklärt Professor Dr. Walther Parson, der diese Daten analysiert hat.
Schritt für Schritt zur Lösung des Rätsels
Dank der interdisziplinären Arbeiten, an der Forschende aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden, Portugal und den USA beteiligt waren, konnten die Forschenden die Identität der Skelette immer weiter einkreisen: Mit Hilfe der so genannten Isotopenanalyse, bei der Experten verschiedene Atomarten desselben chemischen Elements, z. B. in Knochen untersuchen, stellten sie unter anderem fest, wo die beiden Personen mutmaßlich ihre Kindheit und späteren Lebensjahre verbracht haben – im Fall des „Schinderhannes“ wäre der Bereich des Hunsrücks möglich. Weitere anthropologische Untersuchungen, z. B. chemische Analysen der Knochen, und radiologische Bildgebungsverfahren lieferten zusätzliche Informationen zum vermuteten Alter, Geschlecht und möglichen Erkrankungen der Individuen. „All diese Ergebnisse gekoppelt mit einer sorgfältigen Analyse historischer Dokumente deuteten auf eine mögliche Verwechslung der beiden Skelette hin“, erklärt Sara Doll.
Die Analyse der so genannten mitochondrialen DNA bestätigte diese Vermutung. Diese Erbinformation wird nur über die mütterliche Linie an Nachkommen weitergegeben und eignet sich zur Bestimmung von Abstammungsverhältnissen. Der Abgleich mit einem noch lebenden Nachkommen des „Schinderhannes“ in fünfter Generation wies darauf hin, dass das Skelett, welches dem „Schwarzen Jonas“ zugeordnet war, von „Schinderhannes“ stammen könnte.
Nun folgte der letzte Schritt hin zur Lösung des Rätsels: Die Forschenden analysierten auch die DNA aus Zellkernen der Skelett-Knochen. Eine neue molekulargenetische Methode ermöglicht dabei die Untersuchung von nahezu 5000 so genannten Markern. Sie bestätigten eindeutig das sich über fünf Generationen erstreckende Verwandtschaftsverhältnis.
Stand: 08.12.2025
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Wo der „Schwarze Jonas“ abgeblieben ist und wer hinter dem jetzt „verwaisten Skelett“ steckt, das haben die Forschenden noch nicht aufgedeckt. „Es bleibt also spannend“, sagt Sara Doll. Das echte Skelett des „Schinderhannes“ wurde aus konservatorischen Gründen aus der Ausstellung entfernt. Besucherinnen und Besucher können jedoch eine künstlerisch gestaltete Replik des Skeletts und der Person des Räubers in der Anatomischen Sammlung sehen.
Die Dauerausstellung des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg gibt den Besuchern einen Einblick in die historische Entwicklung der Sammlung und zeigt die Methoden zur Herstellung anatomischer Präparate. In einem nach topografischen Gesichtspunkten sortierten Teil präsentiert sie zudem ausgewählte Informationen zu Bau und Funktion des menschlichen Körpers.