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Umweltverschmutzung aus der Antike Älteste menschenverursachte Kontamination mit Schwermetall

Quelle: Pressemitteilung Ruprecht-Karls Universität Heidelberg 3 min Lesedauer

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Umweltverschmutzung durch den Menschen ist nicht erst seit der Industrialisierung ein Problem. Schon in der Antike hinterließen unsere Vorfahren Spuren von Schwermetallen, die bis heute in den Sedimenten nachweisbar sind. Den bislang ältesten Fund haben nun Forscher der Universität Heidelberg datiert: Spuren von Blei im Bereich der Ägäis vor über 5.000 Jahren.

Bei Expeditionen mit dem Forschungsschiff Meteor haben Forscher Sedimentkerne aus dem ägäischen Raum geborgen. Dieses natürlichen Umweltarchive zeigen Auswirkungen früher menschlicher Aktivität auf Ökosysteme.(Bild:  Andreas Koutsodendris)
Bei Expeditionen mit dem Forschungsschiff Meteor haben Forscher Sedimentkerne aus dem ägäischen Raum geborgen. Dieses natürlichen Umweltarchive zeigen Auswirkungen früher menschlicher Aktivität auf Ökosysteme.
(Bild: Andreas Koutsodendris)

Bereits früh in der Antike hat der Mensch die Umwelt mit Blei kontaminiert. Das zeigen Untersuchungen von einem Forschungsteam unter Leitung von Geowissenschaftlern der Universität Heidelberg. Die Wissenschaftler analysierten dabei Sedimentkerne vom Meeresboden und aus dem küstennahen Umland der Ägäis und brachten Jahrtausende alte Kontaminationen zutage.

Der Bereich der Ägäis hat einige der frühesten Kulturen der europäischen Antike hervorgebracht. Das Forschungsteam ist der Frage nachgegangen, ab wann und in welchem Ausmaß sich frühe menschliche Aktivitäten in der Region auf Ökosysteme an Land, aber auch im marinen Raum ausgewirkt haben.

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Die älteste Blei-Kontamination der Menschheit

Für die Studie analysierte das Team 14 Sedimentkerne aus dem Boden und küstennahen Umland des Ägäischen Meeres. Ein Kern aus einem Torfmoor lieferte dabei den Hinweis auf die früheste bekannte Umweltverschmutzung durch Blei. Die Wissenschaftler datierten dieses Bleisignal auf einen Zeitpunkt vor etwa 5.200 Jahren – es ist damit rund 1.200 Jahre älter als der bislang früheste Beleg für eine auf menschliche Aktivität zurückzuführende Kontamination der Umwelt mit dem Schwermetall.

„Weil Blei unter anderem bei der Herstellung von Silber freigesetzt wurde, ist der Nachweis steigender Bleikonzentrationen in der Umwelt zugleich ein wichtiger Indikator für sozioökonomischen Wandel“, sagt Dr. Andreas Koutsodendris. Er ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe „Palynologie und Paläoumweltdynamik“ von Prof. Dr. Jörg Pross, die am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg angesiedelt ist. In den von den Heidelberger Wissenschaftlern untersuchten Sedimentkernen sind neben Blei auch Pollen enthalten, mit denen sich die Vegetationsentwicklung im ägäischen Raum rekonstruieren lässt. Die Pollengehalte lieferten dem Forschungsteam Hinweise auf die Art und Weise, wie das Land genutzt wurde. „Kombiniert zeigen die Daten zur Bleikontamination und zur Vegetationsdynamik, wann der Übergang von landwirtschaftlichen zu fortgeschrittenen Geldgesellschaften stattfand und welche Folgen er für die Umwelt hatte“, erläutert Gruppenleiter Pross.

Geschichtlich verknüpft mit der Eroberung Griechenlands durch die Römer

Während das älteste Bleisignal in den Proben auf über 5.000 Jahre datiert wurde, fand ein signifikanter Anstieg der Bleikonzentration vor etwa 2.150 Jahren statt – flankiert von einer starken Rodung der Wälder und zunehmender landwirtschaftlicher Nutzung, wie sich aus der Zusammensetzung der Pollenspektren ablesen lässt. Von diesem Zeitpunkt an ist die Bleikontamination auch in Sedimenten aus dem Meeresboden der Ägäis nachweisbar – die weltweite früheste Dokumentation menschlich verursachter Bleibelastung im Ozean, wie Koutsodendris hervorhebt. „Diese Veränderungen decken sich zeitlich mit der Eroberung des hellenistischen Griechenlands durch die Römer, die sich in der Folge dessen Ressourcenreichtum zu eigen machten“, erläutert der Heidelberger Archäologe Prof. Dr. Joseph Maran. So forcierten die römischen Eroberer unter anderem den Abbau von Gold, Silber und anderen Metallen, wofür im Zuge der Erzgewinnung und Erzverhüttung auch Holz benötigt wurde.

Die Sedimentkerne aus dem Ägäischen Meer wurden bei Expeditionen mit den Forschungsschiffen Meteor und Aegaeo geborgen, die zwischen 2001 und 2021 stattgefunden haben. Finanziert wurden diese Forschungsreisen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Europäischen Union. Die DFG hat auch die aktuellen Forschungsarbeiten gefördert. Beteiligt waren daran neben den Wissenschaftlern der Universität Heidelberg auch Forscher aus Berlin, Frankfurt (Main), Hamburg, Hohenheim, Tübingen sowie aus Griechenland.

Originalpublikation: Koutsodendris, A., Maran, J., Kotthoff, U. et al.: Societal changes in Ancient Greece impacted terrestrial and marine environments. Commun Earth Environ 6, 25 (2025); DOI: 10.1038/s43247-024-01921-7

(ID:50306537)

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