Der Schmetterlingsbestand ist ein wichtiger Indikator für den Zustand ländlicher Ökosysteme. Seit 2006 wird die Anzahl von Schmetterlingen europaweit erfasst. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigen ein nicht einheitliches Bild bei den 15 überwachten Arten.
Der kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas), eine Art für die der Index einen positiven Trend ausweist.
(Bild: Werner Messerschmid)
Landwirtschaftlich genutzte Landschaften gehören zu den weltweit am stärksten degradierten Lebensräumen. Ihre Wiederherstellung gehört zu den zentralen Maßnahmen, um den weltweiten Verlust der Artenvielfalt zu stoppen und wichtige Ökosystemleistungen zu erhalten. „Die im Jahr 2024 in Kraft getretene Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) ist ein wesentliches Instrument, um die für die Europäische Union formulierten Wiederherstellungsziele zu erreichen“, sagt Prof. Josef Settele, Agrarökologe am UFZ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Die Ziele beinhalten auch, die biologische Vielfalt in landwirtschaftlichen Ökosystemen zu erhöhen (Artikel 11 der WVO) und dabei dem Klimawandel, den Bedürfnissen ländlicher Gebiete und der nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion Rechnung zu tragen. Zur Umsetzung der Ziele insgesamt sind die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, nationale Wiederherstellungspläne zu entwickeln und konkrete Maßnahmen in terrestrischen, Süßwasser-, Küsten- und Meereslebensräumen zu realisieren.
Inwieweit die konkreten Maßnahmen dann greifen und sich die Ökosysteme positiv entwickeln, soll anhand so genannter Indikatoren ermittelt werden. Diese sind für die Agrarlandschaften (a) der Index der Grünlandschmetterlinge, (b) der Vorrat an organischem Kohlenstoff in Ackerböden und (c) der Anteil landwirtschaftlicher Flächen mit Landschaftselementen mit großer Vielfalt. Für mindestens zwei von drei dieser Indikatoren fordert die EU-Verordnung bis 2030 einen Aufwärtstrend hin zu einem zufriedenstellenden Niveau. Da sich die natürlichen Gegebenheiten in den EU-Ländern unterscheiden und es ein breites Spektrum unterschiedlicher Landbewirtschaftung gibt, plädiert UFZ-Experte Settele dafür, dass alle EU-Länder mit der Erfassung aller drei Indikatoren starten und nicht einer davon verfrüht unter den Tisch fällt.
Der Dunkle Dickkopffalter (Erynnis tages), eine Art die 2006 bis 2023 in Deutschland zurückgegangen ist.
(Bild: Erk Dallmeyer)
Mit dem „Index der Grünlandschmetterlinge“ hat jetzt ein Forschungsteam unter Leitung des UFZ erstmalig einen der drei Indikatoren für Deutschland berechnet und die Ergebnisse veröffentlicht. Dazu griffen die Forscher auf Daten des Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) zurück. Das TMD ist ein langfristig angelegtes Programm, das vom UFZ und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS) koordiniert wird. Jede Woche im Sommer zählen Ehrenamtliche nach einer europaweit standardisierten Methode Tagfalter an fixen Orten. „Auf diese Weise sind seit dem Start des TMD im Jahr 2005 circa vier Millionen Datensätze zusammengekommen, die Aufschluss über die Entwicklung der Tagfalterbestände in Deutschland geben“, erläutert eine der Mitautorinnen der Publikation, Biologin Elisabeth Kühn, die das Tagfalter-Monitoring Deutschland am UFZ koordiniert.
Wie entwickeln sich die Bestände von Grünlandschmetterlingen?
Der „Index der Grünlandschmetterlinge“ bildet von 2006 bis 2023 die Entwicklung der Bestände von 15 Tagfalterarten ab, die als typische Bewohner verschiedener Grünlandbiotope gelten. „Vier Arten haben zugenommen, fünf Arten weisen einen abnehmenden Trend auf. Für sechs Arten ist der Trend unsicher, was wahrscheinlich auf zu wenige Daten und große Unterschiede zwischen den Fundorten zurückzuführen ist“, sagt der Erstautor der Studie, Bioinformatiker Alexander Harpke. Im ersten Jahrzehnt des analysierten Zeitraums (2006 bis 2016) zeigt der Index für Deutschland insgesamt einen leicht positiven Trend – was nicht ausschließt, dass dieser für einzelne Arten sehr unterschiedlich ist.
Von den 15 Indikatorarten nehmen vier zu (grün), fünf gehen zurück (rot) und für sechs Arten konnte kein signifikanter Trend (grau) festgestellt werden.
(Bild: UFZ)
Betrachtet man hingegen nur die letzten Jahre (2016 bis 2023), so zeigt der Index insgesamt einen deutlichen Rückgang. Der betrifft vor allem spezialisierte, anspruchsvolle Arten, wie z. B. den Zwergbläuling (Cupido minimus) oder den Dunklen Dickkopffalter (Erynnis tages); Generalisten wie der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) oder das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) sind dagegen kaum betroffen.
Diese Ergebnisse zeigen, dass der Trend der Grünlandschmetterlinge in Deutschland im Vergleichszeitraum dem Trend auf europäischer Ebene entspricht, der von der Organisation Butterfly Conservation Europe zuletzt 2025 für alle 27 Mitgliedsstaaten ermittelt wurde.
Tagfalter als Indikatoren
Tagfalter sind dafür bekannt, dass sie empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren. Dabei spielt die Landnutzung eine entscheidende Rolle. „Der Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen haben einen nachweislich negativen Effekt auf das langfristige Überleben von Tagfalter-Populationen. Intensive Mahd, Stickstoffeinträge und Pestizide tragen zu einer Verschlechterung der Lebensraumqualität oder einer erhöhten Mortalität bei. Arten, die auf spezielle Lebensräume des Offenlandes, z. B. Magerrasen, angewiesen sind, leiden zudem unter ausbleibender Nutzung, z. B. durch Beweidung oder Mahd“ erklärt Prof. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI) in Müncheberg und ebenso Co-Autor der Studie. Neben der Landnutzung trägt der Klimawandel immer stärker zu einer Veränderung der Tagfalterfauna bei. Höhere Temperaturen begünstigen die Ausbreitung wärmeliebender Arten, während an kühlere Bedingungen angepasste Arten rückläufig sind.
Stand: 08.12.2025
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Index der deutschen Grünlandschmetterlinge: Trend für 2006-2023. Dargestellt sind die jährlichen Index-Werte als Punkte und der geglättete Trend als Linie mit dem 95% Konfidenzintervall.
(Bild: UFZ)
Diese Abhängigkeiten der Tagfalter von Landnutzung und Klimawandel machen sie zu hervorragenden Gradmessern für den Zustand unserer Ökosysteme. Hinzu kommt ihre gute Erfassbarkeit – insbesondere auch durch qualifizierte Ehrenamtliche. Beides zusammen hat im Falle des Tagfalter-Monitoring Deutschland eine unschätzbare Datenbasis geliefert, die die Wissenschaftler jetzt auswerten und Trends und Indikatoren für die Berichterstattung im Rahmen der europäischen Umweltgesetzgebung berechnen. „Dabei ließe sich sowohl die Aussagekraft als auch die Repräsentativität des Indikators noch steigern, wenn staatliche Programme, wie das FFH-Monitoring oder das bundesweite Insektenmonitoring in die Analyse integriert würden“, sagt UFZ-Biologe und Mitautor der Publikation Dr. Martin Musche. Das Gleiche gelte, wenn Daten aus Nachbarländern einbezogen würden.