Wasser 3.0 ist ein Non-profit-Unternehmen, das durch die Kombination von High-tech-Materialien, Low-tech-Verfahren und systemischer Perspektive einen neuen Grad an Umwelt- und Gesundheitsschutz in der (Ab-)Wasserreinigung ermöglichen will. Was die Corona-Pandemie für Start-Ups wie Wasser 3.0 bedeutet, erläutert Geschäftsführererin Dr. Katrin Schuhen im Durchstarten-Interview.
Dr. Katrin Schuhen ist geschäftsführende Gesellschafterin der 2020 gegründeten gemeinnützigen GmbH (gGmbH) Wasser 3.0 aus Karlsruhe.
(Bild: Wasser 3.0)
LP: Frau Dr. Schuhen, welche Probleme bzw. Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?
Dr. Katrin Schuhen: Corona hat auch für uns vieles erschwert. Bürokratisch waren die Hürden noch höher als sie auch sonst für Startups sind, weil die Ämter sehr schwer erreichbar waren. Projekte in Kooperation mit anderen Unternehmen und Institutionen gingen und gehen verzögert an den Start und Abstimmungen dauern zum Teil sehr lange. Auch das Wegfallen oder virtuelle Umsetzen von Veranstaltungen, in denen das Netzwerken eine große – wenn nicht gar die entscheidende – Rolle spielen, ist sehr schade, wenn es darum geht, sich als neue*r ‚Spieler*in‘ auf dem Platz zu präsentieren und sichtbar zu werden.
LP: Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?
Schuhen: Als Sustainability Entrepreneur sehen wir einerseits mit Sorge, dass die Themen Klimawandel und Umweltzerstörung in der Wahrnehmung und Auseinandersetzung während der Pandemie herunterpriorisiert werden. Andererseits werden beispielsweise mit dem europäischen Green Deal auch deutliche Akzente für eine grünere Gestaltung des „Post-Corona-Zeit“ gesetzt – was auch von vielen Menschen klar gefordert wird.
Als Team haben wir auch schon vor Corona remote gearbeitet. Dass dies nun zum anerkannten und gewohnten „Modus Operandi“ für viele geworden ist, hat uns durch das Wegfallen von Reisezeiten einiges an zeitlichen Druck genommen und wir konnten de facto mehr Termine wahrnehmen als möglich gewesen wäre, hätte wir jedes Mal physisch anwesend sein müssen.
LP: Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?
Schuhen: Unser großer Vorteil ist, dass wir schon zu Zeiten universitärer Forschung sparsam im Umgang mit Ressourcen waren. Da wir mit enorm viel Ehrgeiz, hoher Eigenmotivation und tiefer Überzeugung unterwegs sind, starten wir neue Projekte auch mit wenig finanziellen Mitteln – wie beispielsweise gerade aktuell auch ein Herzensprojekt im Bereich Bildung. Wir sind schon sehr gespannt, wenn wir es in den nächsten Wochen in einer Demoversion vorstellen können. Meine Hoffnung ist, dass sich das Corona-bedingte Erkennen und Erleben, wie verwoben unsere Leben auf zwischenmenschlicher Ebene sind und wie sehr individuelle Freiheit erst durch kollektive Freiheit möglich ist, auch auf die Ebene Mensch-Planet ausweitet. Wir müssen als Gesellschaft(en) und Einzelne erkennen, dass wir unsere Umwelt nicht länger in dem Ausmaß ausbeuten und zerstören dürfen, wie wir es momentan tun. Die Folgen dieses Handelns werden uns und unsere nachfolgenden Generationen in der Freiheit unserer Lebensgestaltung massiv einschränken. Wie sich das anfühlen könnte, erleben wir gerade.
LP: Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?
Schuhen: Unsere Netzwerke und deren eigenen Antriebskräfte geben uns den Rückenwind, durch den wir uns und unsere Arbeiten voranbringen können. Zusammen mit wunderbaren Partner*innen, Sponsor*innen und Spender*innen, die uns trotz der schwierigen Allgemeinlage ins Jahr 2021 begleitet haben, haben wir unser erstes Jahr gut überstanden. Dafür sind wir wahnsinnig dankbar.
Die Pandemie hat nichts an unserem Anspruch geändert, unseren Wasserkreislauf effizient und nachhaltig vor der Verschmutzung mit Mikroschadstoffen und Mikroplastik zu schützen, denn auch während und nach der Pandemie existieren Umweltprobleme. Egal ob es Mikroplastik im Wasser, klimatische Veränderungen, Hygiene oder Wasserknappheit sind, es gilt heute die Welt von morgen zu gestalten, Lösungen für bestehende Herausforderungen zu erarbeiten und vor allem sinnhaftes zukunftstaugliches Handeln voranzubringen.
LP: Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?
Schuhen: Rein fachlich sind es sicher die fehlende Grenzwerte für Mikroplastik und viele Mikroschadstoffe: Wir lösen heute Probleme, die die Politik in weiter Zukunft sieht. Anders ausgedrückt: Wir haben Lösungen für anerkannte Umweltprobleme, gegen die aber niemand verpflichtet ist vorzugehen. Warum das so ist, hat diverse Gründe, die auf komplexe Weise miteinander zusammenhängen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, wünschen wir uns hier mehr Sektor-übergreifende Dialogbereitschaft und Lösungsorientierung zwischen Wissenschaft, Politik, Industrie und Gesellschaft.
Für Wasser 3.0 im speziellen ist es unser Set-up als gemeinnützige GmbH. Wir möchten mit unserem Selbstverständnis als Sustainability-Entrepreneur verstanden, wahrgenommen und anerkannt werden. Gemeinnützige GmbH bedeutet, dass wir mit unternehmerischem Geist forschen, entwickeln und handeln, aber unsere Gewinne unmittelbar in satzungsgemäße Projekte im Sinne des Gemeinwohls reinvestieren. Mit diesem Ansatz fallen wir durch viele bestehende Raster von Fördermittelvergabe und Finanzierungsmodellen: Sei es seitens nationaler oder europäischer Ministerien, (Investor*innen, Stiftungen und anderen philanthropischen Institutionen, unternehmerischen Sponsor*innen oder privaten Spender*innen. Wir sind daher auf der Suche nach visionären, offenen und mutigen Menschen und Organisationen, die sich zusammen mit uns auf diese neue Unternehmensform einlassen und gemeinsam mit uns für Wasser ohne Mikroplastik und Mikroschadstoffe handeln.
Stand: 08.12.2025
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LP: Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?
Schuhen: Unser übergeordnetes Anliegen ist die systemische Transformation von einer individuell-gewinnmaximierenden zu einer kollektiv-verantwortungsbewussten Produktions- und Konsumlogik. In diesem Rahmen verorten wir unsere Forschungs-, Entwicklungs-, und Bildungsarbeit für Wasser ohne Mikroplastik und Mikroschadstoffe. Unser Ziel ist es, konkrete und messbare Beiträge für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu leisten, zu denen auch Deutschland sich verpflichtet hat. Dafür gilt es jetzt einige Parameter unseres Handelns grundlegend zu hinterfragen und zukunftstauglich zu verändern. Wissenschaft und technologischer Fortschritt sind wichtig. Sie brauchen aber eine verantwortungsbewusste Ausrichtung und ganzheitlich integriertes Handeln in Zusammenarbeit mit Politik, Industrie und Gesellschaft. Ja, wir wissen, dass ein langer und steiniger Weg vor uns liegt. Wir denken aber – und zum Glück haben wir in unseren Netzwerken viele Menschen und Unternehmen, die das ganz ähnlich empfinden – dass dieser Weg sich lohnen wird. Für jeden von uns und für alle. Wir freuen uns über jede*n Mitstreiter*in, der*die uns auf diesem Weg unterstützt und begleitet – durch Spenden, Sponsoring oder Kooperation.