Life-Science-Inkubator-NeubauSegmentierung schafft Ökosystem für Gründer
Ein Gastbeitrag von
Fleming Bethke und Pascal Jahn, Stützpunktleiter Sartorius und Portfoliomanager Labor, Siemens Smart Infrastructure, Deutschland
6 min Lesedauer
Mit neuem Konzept bietet die „Life Science Factory“ (LSF) in Göttingen ideale Bedingungen für junge Biotech-Start-ups. Der von Sartorius initiierte und vom Land Niedersachsen geförderte Start-up Hub erlaubt zudem einen Blick in die Zukunft von Laboren. Diese fordern nicht zuletzt ganz neue gebäudetechnische Lösungen, wie sie Siemens für diesen Neubau zum Teil erstmals realisiert hat.
Abb. 1: In der Annastraße 27 im Göttinger Norden hat die „Life Science Factory“ Anfang 2022 ihren Betrieb aufgenommen.
(Bild: Siemens)
In der Göttinger „Life Science Factory“ (LSF) treffen 150 Jahre Branchen-Erfahrung auf die Innovationskraft junger Biotech-Unternehmen: Der 1870 gegründete Pharma- und Laborzulieferer Sartorius fördert mit diesem Neubau an seinem Heimatstandort Göttingen seit 2022 Forschung und Entwicklung innovativer Bio- und Medizin-Technologien mit klarem Anwenderfokus.
Als so genannter Inkubator (wörtlich: Brutkasten) bietet die LSF auf 3.300 Quadratmeter Fläche Start-ups und Forschenden die idealen Startbedingungen zum Aufbau eines eigenen Business. Zu diesem Angebot zählen nicht nur offene Büros, Konferenzräume und ein breitgefächertes Mentoring- und Veranstaltungsprogramm, sondern insbesondere auch variabel nutzbare und ausgestattete Laborbereiche in den oberen beiden Stockwerken des modern gestalteten Backstein-Gebäudes sowie eine Prototypenwerkstatt.
Flexible Nutzung als Herausforderung
Flexible Nutzungskonzepte halten unter Stichworten wie „Shared Lab“ und „Flex Lab“ zunehmend Einzug in Life-Science-Umgebungen. Gleichzeitig steigt das Tempo in der Laborbranche. Dadurch ergeben sich ganz neue Anforderungen an das Laborlayout. Experimente und Prototypenbau, aber auch Teamgrößen und ganze Geschäftsmodelle wandeln sich in immer kürzeren Intervallen. Labore sollen sich vor diesem Hintergrund möglichst flexibel, schnell und einfach an neue Rahmenbedingungen anpassen lassen. In einem Inkubator wie der LSF, wo potenzielle Nutzer ihre individuell für sie eingerichtete Laborfläche schon nach wenigen Tagen beziehen und nach ihren Vorstellungen nutzen können, zählt diese generelle Anforderung umso mehr.
Als zweiter Aspekt spielt die nachhaltige Gestaltung des Laborbetriebs – analog zu vielen anderen Branchen – eine zunehmend wichtige Rolle. Vorrangig geht es dabei um den effizienten Einsatz von Ressourcen, denn Labore haben i. d. R. einen sehr hohen Energieverbrauch. Er liegt üblicherweise fünf- bis zehnmal höher als in Bürogebäuden. Die labor- wie auch gebäudetechnischen Anlagen sollten deshalb möglichst nur dann laufen, wenn sie wirklich benötigt werden, und dann auch nur so viel Energie verbrauchen wie unbedingt nötig. Räumlichkeiten und Anlagen sollten sich deshalb z. B. bedarfsgerecht und effizient regeln und steuern lassen.
Bei aller Veränderung bleiben die bewährt hohen Sicherheitsstandards und die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften selbstverständlich auch im Labor der Zukunft gültig. Das betrifft im Hinblick auf die Gebäudetechnik v. a. die Zertifizierungen nach DIN EN 14175-6 (für Laborabzüge), DIN 1946-7 (für Laborräume) und EN ISO 52120-1 (Gebäudeenergieeffizienz). Und nicht zuletzt sollen zukunftsfähige Labore noch mehr Komfort und ideale Arbeitsbedingungen gewährleisten.
Entscheidung für Siemens als Partner
Im Fall der neu zu errichtenden LSF kam zu diesen anspruchsvollen Zielen eine sehr kurze Planungs- und Realisierungszeit als zusätzliche Herausforderung hinzu. Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Verantwortlichen bei Sartorius für Siemens als Partner für die gebäude- und lufttechnische Ausstattung. Für das aktuelle Projekt nahm Siemens als Zulieferer für die Laborausstattung noch den Allgäuer Laborbau-Experten Hermann Waldner mit ins Boot. Sartorius und Siemens verbindet in anderen Bereichen bereits eine lange Zusammenarbeit, in der immer wieder neue und kreative Lösungen gefunden wurden. Für Siemens sprachen aber noch weitere Argumente: So war das Unternehmen v. a. in der Lage, die einzelnen Gewerke bis hin zu den Digestorien (Laborabzügen) miteinander zu vernetzen und dies mit einem eigenen Portfolio. Zusätzlich ermöglicht das Siemens-Konzept ein cloudbasiertes Monitoring von Energiebilanz und -verbrauch.
Lösungen für hohe Flexibilität
Abb. 2: Flexibilität, Effizienz und Sicherheit durch Segmentierung: Da die Räume in Segmente unterteilt sind, lassen sie sich jederzeit flexibel an neue Voraussetzungen und Bedürfnisse anpassen.
(Bild: Siemens)
Im gesamten Gebäude der LSF kommt die gewerkeübergreifende Managementplattform Desigo CC von Siemens zum Einsatz. Das System bildet auch einen zentralen Baustein der Labor-Gesamtlösung. Um die erforderliche hohe Flexibilität zu gewährleisten, sind das Labor und seine Komponenten (wie Abzüge, Raumsteuerung, Primäranlagen etc.) vollständig modular aufgebaut. Diese Segmentierung entspricht auch dem Systemaufbau der Gebäudeautomation mit Desigo CC. Anlagen für Heizung, Lüftung, Klima (HLK) und Drittsystemkopplungen – wie Druckluft oder Aufbereitungsanlagen – sind über offene Desigo PX Automationsstationen angebunden. Außerdem besteht eine Anbindung an das Sartorius-eigene BIM-System. Zukunftssichere Standard-Schnittstellen – wie BACnet und Modbus TCP – ermöglichen bei Bedarf eine Erweiterung der installierten Basis.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Anpassungen am Gebäude können jederzeit mit der installierten Basis nachgeführt werden: Da die Räume in Segmente unterteilt sind, lassen sie sich jederzeit flexibel an neue Voraussetzungen und Bedürfnisse anpassen. Wenn also beispielsweise mehr Laborfläche benötigt wird, kann der zusätzliche Bereich in der Managementstation Desigo CC schnell per Drag-and-Drop und ohne weitere Programmierung dem neuen Nutzer zugeordnet werden.
Lösungen für Nachhaltigkeit
Neben maximaler Flexibilität ermöglicht das Siemens-Konzept auch den ressourcenschonenden Umgang mit Energie. Die Voraussetzung dafür schafft Desigo CC mit dem laborspezifischen Controller Desigo CET. Dieser erlaubt die Messung, Überwachung und bedarfsgerechte Regelung von Luftvolumenströmen sowie Raumdruckwerten und übernimmt darauf abgestimmt die Steuerung der Digestorien. Dabei gewährleistet die CET-Steuerung eine Druckregelung in unter 100 ms und stellt so die in Laboren geforderte gerichtete Überströmung (quasi) in Echtzeit sicher.
Abb. 3: Der laborspezifischen Controller Desigo CET erlaubt die Messung, Überwachung und bedarfsgerechte Regelung von Luftvolumenströmen sowie Raumdruckwerten.
(Bild: Siemens)
Nutzer werden am Bediengerät des Abzugs darauf hingewiesen, wenn der Luftverbrauch unnötig hoch wäre. Sie können aktiv den Luftverbrauch reduzieren und den Energieverbrauch senken. Außerdem ist die intelligente Regelung der Lüftungssysteme abgestimmt auf Raumnutzungspläne bzw. die Präsenz der Nutzer.
Ebenfalls integriert ist die Raumsteuerung mit Desigo Room Automation (DRA). Sie sorgt für eine automatische und bedarfsgerechte Licht- und Verschattungssteuerung nach Sonnenstand, Außendämmerung bzw. Jahreszeit. Außerdem trägt ein dauerhaftes Monitoring des Energieverbrauchs zur Energieeffizienz bei. Die Software Desigo Powermanager erfasst und visualisiert die Kennwerte aus Siemens-Messgeräten und Drittzählern. Gleichzeitig ist sie mit der cloudbasierten Energiedatenmanagement-Plattform Siemens Navigator gekoppelt und bildet so ein Mess- und Zählkonzept gemäß der internationalen Energiemanagement-Norm ISO 50001.
Zahlen & Daten
Die Life Science Factory im Sartorius Quartier verfügt über
800 m2 Coworking-Fläche – offenes und flexibles Bürokonzept
300 m2 Maker’s Factory mit Rapid Prototyping Equipment wie 3D-Druckern
1.700 m2 Wet Lab – vollausgestattetes und flexibles Laborkonzept
500 m2 Event Space – Begegnungsfläche für Veranstaltungen und Networking
Über eine optimierte CO2-Bilanz und reduzierte Betriebskosten hinaus erfüllt die LSF auch die Voraussetzungen für die angestrebte „Gold“-Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes im Hinblick auf die Umweltwirkungen und Ressourcenverbräuche sowie in Bezug auf die Kosten für die Bewirtschaftung und Instandhaltung steht bei dieser Zertifizierung besonders im Fokus. Zudem fließen auch die Punkte Ganzheitlichkeit und Performanceorientierung des Konzepts in die Bewertung ein.
Lösungen für Komfort und Sicherheit
Im Rahmen des Steuerungskonzepts werden unsichere Laborzustände über Sensoren erkannt und dem Nutzer über Raumbediengeräte direkt an den Laborabzügen signalisiert. Für hohe Sicherheitsstandards sorgt zudem ein Sinteso FS20 Brandmeldesystem von Siemens, das ebenfalls auf Desigo CC aufgeschaltet ist. Vor unberechtigtem Zutritt schützt ein Einbruchmeldesystem Transliner CIC 100.
Für optimalen Raumkomfort und ideale Arbeitsbedingungen sorgt das Raumautomationssystem Desigo DRA durch die bedarfsgerechte und intelligente Steuerung von Heizung, Kühlung, Verschattung sowie der Beleuchtung inkl. Sicherheitsbeleuchtung (bei Stromausfall). Darüber hinaus wurde ein Human-Centric-Lighting-Konzept (HCL) umgesetzt. Dieses steigert Wohlbefinden und Produktivität, indem eine intelligente Beleuchtungssteuerung das natürliche Tageslicht simuliert und die Lichtverhältnisse bzw. -farbe automatisch an den Biorhythmus der Gebäudenutzer anpasst.
Nicht zuletzt durch die sehr gute Zusammenarbeit mit den internen Planungsabteilungen und den externen Planern von Rücken & Partner (www.rup-gruppe.de) konnte Siemens in nur neunmonatiger Bauzeit ein umfassendes Laborkonzept für die LSF umsetzen, das Flexibilität, Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort verbindet. Seit Anfang 2022 ist die LSF planmäßig in Betrieb. Und künftiges Wachstum ist auch gebäudetechnisch schon vorprogrammiert: Zukunftssichere Schnittstellen garantieren jederzeit eine mögliche Erweiterung der installierten Basis.