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Sellerieallergie: Ursache und Diagnose C'est la vie, Sellerie – Neues zur Gemüseallergie und ihren Auslösern

Quelle: Pressemitteilung Paul-Ehrlich-Institut 4 min Lesedauer

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Für die einen lecker und gesund, für die anderen unangenehm oder gar lebensbedrohlich: Sellerie beinhaltet nicht nur viele Vitamine, sondern auch Allergene, die in schweren Fällen bis zu einem anaphylaktischen Schock führen. Insbesondere die Kreuzallergie mit Beifuß ist hier ein Risikofaktor. Welche molekularen Ursachen dieser Allergiereaktion zugrunde liegen, hat nun ein Forscherteam ergründet.

Vor allem Knollensellerie hat ein erhöhtes Risiko für schwere allergische Reaktionen bei einer bereits vorhandenen Allergie gegen Beifußpollen. Forscher haben das dafür verantworliche Biomolekül identifiziert.(Bild:  frei lizenziert, engin akyurt / Unsplash)
Vor allem Knollensellerie hat ein erhöhtes Risiko für schwere allergische Reaktionen bei einer bereits vorhandenen Allergie gegen Beifußpollen. Forscher haben das dafür verantworliche Biomolekül identifiziert.
(Bild: frei lizenziert, engin akyurt / Unsplash)

Sellerie (Apium graveolens) gibt zwar der klassischen Gemüsebrühe ein kräftiges Aroma, ist aber auch eine der wichtigsten Ursachen für Nahrungsmittelallergien gegen Gemüse. Schätzungsweise einer von 200 erwachsenen Europäern ist davon betroffen (Prävalenz 0,45 %). Diesen Menschen beschert die Knolle lokale allergische Reaktionen im Mundbereich bis hin zu schwerer Anaphylaxie. In sechs Prozent der registrierten Fälle ist Sellerie die Ursache für einen anaphylaktischen Schock (laut Europäischem Anaphylaxie-Register Nora, Network for Online-Registration of Anaphylaxis).

Die Allergie-Knolle Sellerie

Die beiden am häufigsten verzehrten Selleriesorten sind die Wurzel (Apium graveolens var. rapaceum, Knollensellerie) und der Stängel (Apium graveolens var. dulce, Staudensellerie). Die Anaphylaxie auf Sellerie wird am häufigsten auf Knollensellerie zurückgeführt. Da die Selleriewurzel nicht nur roh oder gekocht verzehrt wird, sondern auch als Gewürz in industriell hergestellten zusammengesetzten Lebensmittelprodukten verwendet wird, ist sie als potenzielles „verstecktes“ Allergen bedeutsam.

Das Risiko für Allergiker wird zusätzlich durch die Tatsache verschärft, dass eine Sellerieallergie zehnmal leichter Symptome zeigt als eine Erdnussallergie. Vergleichbar wird dich mit dem ED10-Wert, also der niedrigsten Dosis, die erforderlich ist, um bei zehn Prozent der allergischen Bevölkerung eine allergische Reaktion auszulösen. Dieser Wert ist bei einer Sellerieallergie zehnmal geringer ist als bei Erdnussallergie.

Zudem sind Sellerieallergene stabil gegenüber Hitze im Rahmen der Nahrungsmittelverarbeitung. Damit ist Sellerie ein kritisches Lebensmittel für die Verbraucher mit bestehender Allergie. Sellerie und seine Erzeugnisse unterliegen in der Europäischen Union der Kennzeichnungspflicht für Lebensmittelallergene.

Sellerie und Beifuß: Eine kritische Kombination

Klinische Beobachtungen zeigten, dass schwere systemische allergische Reaktionen auf Sellerie hauptsächlich bei Personen mit Beifußpollen-Sensibilisierung auftreten. Beifuß (Artemisia vulgaris) ist eine der Hauptursachen für Unkrautpollenallergien in Europa. Allerdings sind die relevanten kreuzreaktiven Allergene, die die molekulare Grundlage des Sellerie-Beifuß-Syndroms erklären, nach wie vor nicht eindeutig identifiziert.

In früheren Arbeiten hatte eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung von apl. Prof. Dr. Stefan Vieths, kommissarischer Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, bereits das ein Biomolekül als mögliche Ursache für die Kreuzreaktivität zwischen Knollensellerie-Allergie und Beifußpollen-Sensibilisierung ausgemacht: das so genannte Defensin Api g 7. Defensine sind kleine Polypeptide, die in allen tierischen Organismen und höheren Pflanzen zur Abwehr von mikrobiellen Erregern vorkommen.

Design der klinischen Studie zum Zusammenhang zwischen IgE-Antikörpern und Allergie-Schweregrad

Jetzt hat eine Forschungsgruppe unter Leitung von Vieths und Prof. Barbara Ballmer-Weber vom Kantonsspital St. Gallen in Zürich eine umfassende diagnostische Studie bei Betroffenen mit einer bestätigten Allergie gegen Sellerieknolle durchgeführt. Das Ziel der Untersuchung war es, die molekulare Basis des Sellerie-Beifuß-Syndroms zu entschlüsseln und dabei die Bedeutung von Api g 7 zu überprüfen.

79 Betroffene mit Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie gegen Sellerie unterzogen sich hierzu einer standardisierten Befragung und medizinischen Untersuchungen. Die wichtigsten Einschlusskriterien waren eine positive Reaktion nach Gabe von kleinen Mengen Sellerie unter kontrollierten Bedingungen oder eine eindeutige Anamnese einer schweren Anaphylaxie. Im Blutserum wurden Antikörper gegen sieben Sellerieallergene und drei Beifußallergene bestimmt (Test auf Immunglobulin E, IgE).

30 der 79 Studienteilnehmenden litten unter leichten Symptomen im Mund-Nasen-Augenbereich und 49 Personen unter systemischen, d. h. potenziell den ganzen Organismus betreffenden Reaktionen. 68 Prozent hatten Antikörper gegen Sellerieextrakt, 80 Prozent gegen Birkenpollen und 77 Prozent gegen Beifußpollen.

Defensin Api g 7 als Allergie-Verstärker

IgE-Antikörper gegen das vermeintlich relevante Biomolekül Api g 7 wurden bei 52 % der Untersuchten nachgewiesen. Diese Antikörper korrelierten eng mit dem Immunglobulin E gegen das Hauptallergen „Art v 1“ aus Beifußpollen. Das Chancenverhältnis für eine schwere anaphylaktische Reaktion – und nicht nur leichte orale Symptome – war etwa sechsmal höher für Personen, die gegen Api g 7 sensibilisiert waren im Vergleich zu Personen ohne Sensibilisierung gegen Api g 7.

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Ein Testverfahren auf das Sellerie-Defensin Api g 7 könnte laut den Forschern geeignet sein, ein erhöhtes Risiko für schwere Allergiesymptome auf Knollensellerie bei Betroffenen von Beifußpollen-Sensibilisierung zu identifizieren. Die diagnostische Sensitivität der IgE-Messung auf Sellerie betrug in der Studienpopulation 68 Prozent und schien durch die Unterrepräsentation von Api g 7 im Allergenextrakt begrenzt zu sein. Durch Einsatz einer Kombination von gereinigten Einzelallergenen stieg die Sensitivität aber auf über 90 Prozent an. Es wurden also mit der Untersuchungsmethode im Schnitt neun von zehn Betroffenen erkannt.

Die Ergebnisse bestätigen die wichtige Rolle von Defensin als kreuzreaktives Allergen in Beifußpollen (Art v 1) und Sellerie (Api g 7) und weisen auf seine Verbindung mit schweren und potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen auf Sellerie hin. Ob Homologe von Api g 7 eine ähnliche Rolle bei schweren Beifußpollen-assoziierten Gewürzallergien spielen, soll in zukünftigen Studien untersucht werden.

Originalpublikation: Ballmer-Weber BK, Wangorsch A, Bures P, Hanschmann KM, Gadermaier G, Mattsson L, Mills C, van Ree R, Lidholm J, Vieths S: New light on an old syndrome: role of Api g 7 in mugwort 1 pollen related celery allergy, J Allergy Clin Immunol, 2024 May 17; DOI: 10.1016/j.jaci.2024.04.030

(ID:50044703)