Physiologie und Pharmakologie Technologien für Forschung und Entwicklung
Angesichts ständig neuer Herausforderungen kommt es immer häufiger vor, dass die Forschungsarbeit in Biologie, Medizin und Pharmakologie vor einem typischen Problem steht: Die marktübliche technische Standardausrüstung für die Durchführung bestimmter Applikationen entspricht nicht den spezifischen Anforderungen.
Anbieter zum Thema
„Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, einen Partner auf der Industrieseite zu haben, der die Flexibilität und Kompetenz hat, anwendungsspezifische Systeme entweder aus dem Standardprodukt heraus oder auch – in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden – ganz neu zu entwickeln. Das funktioniert nur dann zeitnah und zielgenau, wenn der Hersteller seinen Produktions- und Entwicklungsstandort in möglichst greifbarer Nähe hat,“ sagt Roger Zink, Geschäftsführer von Hugo Sachs – Harvard Apparatus.
Vertrieb und Produktion
Als Mitglied der Firmengruppe hat HSE-HA den Vertrieb für Geräte und Apparaturen aller Harvard Bioscience-Firmen im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden, in Zentral- und Ost-Europa übernommen. Neben dem Support durch den direkten Kundenkontakt wird auch die Zusammenarbeit mit dem Laborhandel ausgebaut. Für Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei wurden bereits Vereinbarungen unterzeichnet. Karsten Spring, Direktor Vertrieb und Marketing erläutert: „Hugo Sachs wird von seinen Kunden für die kompetente Beratung und große Kundennähe geschätzt. Um dieses auch in dem gewachsenen Vertriebsgebiet gewährleisten zu können, werden wir unsere Zusammenarbeit mit sorgfältig ausgewählten Vertriebspartnern weiter ausbauen“. Zum Produktportfolio gehören unter anderem
- Präzisions- Spritzenpumpen,
- Beatmungsgeräte,
- Apparaturen für Verhaltensforschung,
- Atmungs- und Kreislaufforschung,
- Perfusionskammern für Zellkulturen und
- Systeme für Elektroporation und Elektrofusion.
Im Produktionsbereich in March-Hugstetten wird die Produktpalette vor allem auf dem Gebiet isolierter Organe (Herz, Lunge, Leber, Niere) durch Ergänzungen der vorhandenen aber auch mit der Entwicklung neuer Systeme und Messtechniken erweitert. „Die Basis aller Entwicklungen sind spezifische Kundenanfragen. Die Projekte werden in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden realisiert. Bei der Entwicklung von Apparaturen für isolierte Organe ist es uns besonders wichtig, dass das Organ unter möglichst physiologischen Bedingungen betrieben werden kann. Wir wollen eine optimale Präparation mit kurzen Ischämiezeiten und ohne Luftblasen erreichen. Die Physik der Fluide wird akribisch beachtet. Und natürlich bieten wir zu unseren Entwicklungen vielfältige Möglichkeiten der Erweiterung und eine große Auswahl an Messtechnik. Noch ganz wichtig: die optimale Datenaufnahme und Auswertung – vor allem die Verdichtung der Daten“, erklärt Thomas Beha, Applikations- und Entwicklungsingenieur.
Neue Entwicklungen
In Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Borstel (Projektleiter Dr. Ingmar Lautenschläger) entwickelte HSE-HA eine thermostatisierte Kammer zur Perfusion eines isolierten Darms mit Gewichtsmessung. Hiermit kann ein kompletter Darm ex-vivo betrieben werden und über das Gewicht die Entwicklung eines Darmödems gemessen werden. Der Darm wird intraluminal perfundiert, um eine Darmfüllung zu simulieren. Weil auch die Blutgefäße perfundiert werden, bleibt der Darm in der gewärmten und feuchten Kammer voll intakt. Je nachdem welche Substanzen gegeben werden, können verschiedene Studien (z.B. Diffusionsstudien, Wirkungen von Substanzen auf die Darmkontraktion, Wirkungen von Substanzen auf die Ödembildung, Schockstudien mit den entsprechenden Dosis-Wirkungskurven) durchgeführt werden.
Im Rahmen des Entwicklungsprojektes „Plethysmograph Box für Mäuse“ in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM), Hannover, wurde ein Lungenfunktionsmesssystem zur Untersuchung der Effekte von broncho-aktiven Substanzen auf die Atemwege entwickelt. Aufgrund zunehmender Umweltverschmutzung, Arbeitsplatzbelastung und verstärktem Einsatz von Chemikalien, Bioziden und Pflanzenschutzmitteln entstehen immer mehr Atemwegserkrankungen, die zu Allergien und Asthma führen. Mit der Plethysmograph-Box für Mäuse wurde eine Apparatur entwickelt, die über eine möglichst nicht-invasive Methode die genaue Messung des Atemwegswiderstandes und der Lungencompliance ermöglicht. Dabei wird das Tier anästhesiert und orotracheal intubiert. Je nach Anästhesie atmet es spontan oder kann mittels Maus-Ventilator (MiniVent) beatmet werden. Aerosole lassen sich direkt in die Atemwege verabreichen und deren Effekte erforschen. Mit der Methode können Langzeitstudien mit z. B. ein bis zwei Messungen pro Woche am selben Tier durchgeführt werden.
Derzeit plant Hugo Sachs Elektronik – Harvard Apparatus die Entwicklung und Ergänzung von Systemen zur Untersuchung der Mechanismen in inneren Organen im Hinblick auf das zunehmende Auftreten von Adipositas und Stoffwechselkrankheiten. Darüber hinaus soll die Messtechnik für eine Optimierung der Messungen der Atemmechanik erweitert sowie Apparaturen zur Organ-Preservation und zur Prüfung der Reperfusion nach Transplantationen entwickelt werden.
*H.P. Fischer, 86477 Adelsried
(ID:279501)

