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Gegen Müll und Food Waste Verlängerte Haltbarkeit von Bananen: Lidl testet neue Öko-Beschichtung

Von Rainer Klose*

Forschende der Empa haben gemeinsam mit Lidl Schweiz eine Cellulose-Schutzschicht für Früchte- und Gemüse entwickelt. Das spezielle Coating wird aus Trester – das sind ausgepresste Frucht- und Gemüseschalen – hergestellt. Durch das Projekt kann Verpackungsmüll reduziert und Food-Waste vermieden werden.

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Eine neu entwickelte Cellulose-Schutzschicht, die auf Früchte und Gemüse aufgetragen werden kann, verlängerte in Tests die Haltbarkeit von Bananen um über eine Woche. (Symbolbild)
Eine neu entwickelte Cellulose-Schutzschicht, die auf Früchte und Gemüse aufgetragen werden kann, verlängerte in Tests die Haltbarkeit von Bananen um über eine Woche. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Dübendorf/Schweiz – Plastikverpackungen im Lebensmittelhandel schützen Obst und Gemüse vor dem Verderb, sorgen aber auch für beträchtliche Mengen Müll. Gemeinsam mit der Empa hat Lidl Schweiz nun eine Schutzhülle für Obst und Gemüse entwickelt, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert.

Für ihr neuestes Projekt wählte Lidl Schweiz die Empa als Partner, weil hier eine jahrzehntelange Forschungserfahrung mit Cellulose-Produkten zur Verfügung stand.

Bananen zu Hause länger haltbar

Im Empa-Labor Cellulose & Wood Materials entwickelten die Forscher im Auftrag von Lidl Schweiz dann in mehr als einem Jahr Arbeit eine spezielle Cellulose-Schutzschicht, die auf Früchte und Gemüse aufgetragen werden kann. Ergebnis: Die beschichteten Früchte und Gemüse bleiben bedeutend länger frisch. So konnte in Tests die Haltbarkeit von Bananen um über eine Woche verlängert werden.

Die Empa-Forscher Kevin DeFrance (links) und Gustav Nyström (rechts) entwickelten gemeinsam mit Corina Milz von Lidl Schweiz die nachhaltige Cellulose-Schutzschicht für Früchte und Gemüse.
Die Empa-Forscher Kevin DeFrance (links) und Gustav Nyström (rechts) entwickelten gemeinsam mit Corina Milz von Lidl Schweiz die nachhaltige Cellulose-Schutzschicht für Früchte und Gemüse.
(Bild: Empa / Lidl Schweiz)

Damit wird Food Waste deutlich verringert. „Das große Ziel ist, dass solche natürlichen Coatings in der Zukunft viele erdölbasierte Verpackungen ersetzen können“, sagt Gustav Nyström, Leiter der Forschungsabteilung.

Herstellung aus Pressrückständen und Reststoffen

Künftig soll v. a. sogenannter Trester zu fibrillierter Cellulose weiterverarbeitet werden. Trester – das sind die festen Rückstände, die nach dem Auspressen des Saftes von Obst, Gemüse oder Pflanzen übrig bleiben. Bisher wurden diese Pflanzenrückstände in Biogasanlagen oder direkt auf dem Feld entsorgt, künftig entsteht u. a. aus diesen Rückständen die Schutzbeschichtung für frische Früchte.

Die Beschichtung wird – je nach Studienergebnissen - entweder auf die Früchte gesprüht oder als Tauchbad auf die Produkte aufgetragen und ist einfach abwaschbar. Da sie für den Verbraucher unbedenklich ist, kann sie auch ohne Probleme mit verzehrt werden. Das Potential der Cellulose-Beschichtung ist dabei noch lange nicht ausgeschöpft: Es besteht zudem die Möglichkeit, Zusätze wie Vitamine oder Antioxidanten etc. hinzuzufügen.

Einsatz in der ganzen Schweiz geplant

Bananen mit und ohne Coating im Haltbarkeitsversuch.
Bananen mit und ohne Coating im Haltbarkeitsversuch.
(Bild: Empa)

Diesen Sommer konnte die vielversprechende und seit 2019 laufende Vorstudie erfolgreich abgeschlossen und die Hauptstudie gestartet werden. Die an der Empa entwickelte Cellulose-Schicht wird in den nächsten zwei Jahren zusammen mit Lidl Schweiz und einem Obst- und Gemüselieferanten getestet und weiter verbessert.

Das Projekt wird von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) finanziell gefördert. Ziel ist es, dass die neue Technologie nach der erfolgreichen Hauptstudie in allen über 150 Lidl Filialen in der Schweiz zum Einsatz kommen kann.

Originalpublikation: L Amoroso, KJ De France, CI Milz, G Siqueira, T Zimmermann, G Nyström; Sustainable Cellulose Nanofiber Films from Carrot Pomace as Sprayable Coatings for Food Packaging Applications; ACS Sustainable Chem. Eng. (2021); DOI: 10.1021/acssuschemeng.1c06345. https://doi.org/10.1021/acssuschemeng.1c06345.

* R. Klose: Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, 8600 Dübendorf/Schweiz

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