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Bessere Nährstoffausnutzung

Weniger düngen: Bioeffektoren könnten Düngemittel-Einsatz verbessern

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Leicht erhöhter Aufwand, der sich ökonomisch lohnen kann

Neben der Wirksamkeit der Präparate stellt sich auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. „Der Einsatz der Mittel soll sich ja für die Produzenten auch lohnen“, hebt apl. Prof. Dr. Neumann hervor. Nachdem die anfangs getesteten 32 Produkte auf etwa eine Handvoll Produkte reduziert und unter realistischen Bedingungen im Feld getestet wurden, berechneten Agrarökonomen die Kosten für den Einsatz – mit abermals sehr unterschiedlichem Ergebnis.

Ein Faktor ist die Frage, wie die Präparate den Pflanzen zugeführt werden können. Bei den Tomaten geschieht dies bereits bei der Bewässerung in der Jungpflanzenanzucht in kleinen Töpfen, die unter geschützten Gewächshausbedingungen stattfindet. „Das sind ideale Bedingungen, um Mikroorganismen in ausreichend hoher Zahl in kleinem Dosierungsvolumen direkt mit der Wurzel in Kontakt zu bringen und unter optimalen Wachstumsbedingungen die Wurzelbesiedelung zu fördern“, so apl. Prof. Dr. Neumann. „Das erklärt die besonders ausgeprägte Wirksamkeit vieler getesteter Mikroorganismen-Präparate im Tomatenanbau.“

Andere Kulturen, zum Beispiel Weizen, erfordern eine aufwändigere Behandlung unter ungeschützten Bedingungen im Freiland. Hier müssen deutlich größere Bodenbereiche beimpft werden. Außerdem erreichen diese Kulturen nicht den Marktpreis wie Gemüse, was die Anwendung mikrobieller Präparate ökonomisch unattraktiver und unzuverlässiger macht. „Hier haben die nichtmikrobiellen Präparate momentan noch klare Vorteile. Sie sind oft preislich günstiger und flexibler in der Anwendung, weil sie im Gegensatz zu den meisten Mikroorganismen zum Beispiel auch über Blattspritzungen wirken.“

Günstige gesetzliche Rahmenbedingungen nötig

Auch wenn weitere Forschung nötig ist, um effiziente und kostengünstige Anwendungstechniken zu entwickeln, die sich in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen: Apl. Prof. Dr. Neumann sieht großes Potenzial in den Bioeffektoren. „Solche Präparate müssen kein Nischenprodukt bleiben. Selbst große Firmen wie Bayer und Monsanto zeigen inzwischen Interesse daran. Damit sich die Präparate durchsetzen, braucht es allerdings auch geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen.“

Hier könnte sich der oft gleichzeitig wachstums- und gesundheitsfördernde Effekt mancher Bioeffektoren als Nachteil erweisen, befürchtet apl. Prof. Dr. Neumann: „Früher galten solche Stoffe in Deutschland als sogenannte Pflanzenstärkungsmittel mit einem vereinfachten Zulassungsverfahren. Nun will die EU aber solche Regelungen vereinheitlichen.“

Sollte sie Bioeffektoren aufgrund der gesundheitsfördernden Wirkung als Pflanzenschutzmittel einstufen, machte das die Anmeldung neuer Stoffe teuer und aufwändig – und damit besonders für kleinere Firmen unattraktiv. „So können möglicherweise wertvolle Präparate verlorengehen, die sonst die Grundlage zur Entwicklung von Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln bieten könnten“, warnt apl. Prof. Dr. Neumann.

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