English China

Harnsteroidanalyse Wenn Stresshormone dick machen: Schnellere Diagnostik des Cushing-Syndroms

Quelle: Pressemitteilung Justus-Liebig-Universität Gießen 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nicht immer ist das Essverhalten Ursache für Fettleibigkeit – auch ein Überschuss des Stresshormons Cortisol kann Adipositas begünstigen. Gießener und Münchner Forschende haben nun eine neue Methode entwickelt, um das potenziell lebensbedrohliche Cushing-Syndrom deutlich schneller zu diagnostizieren.

Nicht immer ist das jeweilige Essverhalten die Ursache für krankhaftes Übergewicht – auch ein Überschuss am Stresshormon Kortisol kann Adipositas begünstigen. (Symbolbild)(Bild:  BillionPhotos.com - stock.adobe.com)
Nicht immer ist das jeweilige Essverhalten die Ursache für krankhaftes Übergewicht – auch ein Überschuss am Stresshormon Kortisol kann Adipositas begünstigen. (Symbolbild)
(Bild: BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Die Volkskrankheit Adipositas (Fettleibigkeit) birgt schwerwiegende gesundheitliche Risiken wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Nicht immer ist das jeweilige Essverhalten die Ursache – auch ein Überschuss am Stresshormon Cortisol kann Adipositas begünstigen. Die Betroffenen können dann am sogenannten „Cushing-Syndrom“ leiden, das sich neben einem stark erhöhten Körpergewicht u. a. auch durch ein extrem rundes Gesicht und einen Stiernacken äußern kann.

Bislang war die genaue Diagnostik dieses Syndroms aufwendig und langwierig. Forschende der Universitäten Gießen und München haben nun eine Methode entwickelt, mit dem das potenziell lebensbedrohliche Cushing-Syndrom schnell und sicher diagnostiziert werden kann.

Harnsteroidanalyse statt Blutabnahmen

Das Muster der Steroidhormone (Pfeile), die Verteilung der Patientinnen und Patienten (Punkte) und die ermittelten Cluster (farbige Flächen) weisen auf die Ursache des jeweiligen Cushing-Syndroms (Subtyp) hin.(Bild:  Jörn Pons-Kühnemann)
Das Muster der Steroidhormone (Pfeile), die Verteilung der Patientinnen und Patienten (Punkte) und die ermittelten Cluster (farbige Flächen) weisen auf die Ursache des jeweiligen Cushing-Syndroms (Subtyp) hin.
(Bild: Jörn Pons-Kühnemann)

Um die hormonellen Ursachen der Erkrankung zu ermitteln, untersuchten die Forschenden den Urin von betroffenen Patientinnen und Patienten im Steroidforschungslabor der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Dazu wendeten sie die Analysetechnik Gaschromatographie-Massenspektrometrie an. Die erforderlichen Proben wurden von Prof. Dr. Martin Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des LMU Klinikums München, zur Verfügung gestellt. Er gründete und leitet das Deutsche Cushing-Register, die weltweit umfangreichste Datensammlung zu dieser Erkrankung. Die Ergebnisse der Harnuntersuchung wurden anschließend am Institut für Medizinische Informatik der JLU unter Leitung von Dr. Jörn Pons-Kühnemann ausgewertet.

„Die neue Methode zur Abklärung des Cushing-Syndroms ist das Ergebnis einer überaus erfolgreichen Zusammenarbeit – und vor allem ein großer medizinischer Fortschritt“, erläutert Prof. Dr. Stefan Wudy, Leiter des Gießener Forschungslabors, das zu den weltweit führenden Institutionen auf dem Gebiet zählt. „Diese Harnsteroidanalyse ist für die Patientinnen und Patienten nicht belastend und das Ergebnis liegt deutlich schneller vor als bei herkömmlichen Tests.“ Bislang seien dafür mehrere Blutentnahmen, teilweise auch ein stationärer Krankenhausaufenthalt mit komplizierten Eingriffen nötig gewesen. Außerdem hätten die Betroffenen monatelang auf eine effektive Therapie warten müssen.

Mithilfe der neu entwickelten Hormonanalyse konnten die Forschenden aber nicht nur schnelle, sondern auch umfangreiche Informationen über die genauen Ursachen des Cushing-Syndroms im Körper erhalten. „So wiesen Betroffene mit Tumoren der Hirnanhangdrüse deutlich andere Verteilungsmuster der Steroidhormone auf als solche, die Tumoren oder Vergrößerungen der Nebennieren hatten“, erläutert die Erstautorin der Studie, PD Dr. Leah Braun, Assistenzärztin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des LMU Klinikums.

Um die Ergebnisse der Studie langfristig auch in der medizinischen Praxis zu verankern, soll die erfolgreiche Kooperation zwischen Gießen und München in Folgeprojekten fortgesetzt werden.

Originalpublikation: Braun LT, Osswald A, Zopp S, Rubinstein G, Vogel F, Riester A, Honegger J, Eisenhofer G, Constantinescu G, Deutschbein T, Quinkler M, Elbelt U, Künzel H, Nowotny HF, Reisch N, Hartmann MF, Beuschlein F, Pons-Kühnemann J, Reincke M, Wudy SA:

Delineating endogenous Cushing's syndrome by GC-MS urinary steroid metabotyping. EBioMedicine. 2023 Dec 20; 99:104907. Online ahead of print. PMID: 38128413; https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2023.104907

(ID:49874278)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung