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Informationssysteme

Wissensmanagement für Umweltdaten

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Die mittlerweile weltweit verbreiteten Standards bieten den Nutzern somit auch eine gewisse Investitionssicherheit und Unabhängigkeit von einzelnen Softwareanbietern. Hier zeigt sich, dass das System nicht nur den kurzfristigen Nutzen bringt, schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können, ohne mühsam zeit- und kostenintensive Änderungen an den Datenbanken und den darauf aufbauenden Strukturen vornehmen zu müssen. Der langfristige und entscheidende Vorteil wissensorientierter Informationssysteme ist die Ansammlung von konkretem Wissen, das nicht an Personen gebunden ist und jederzeit von jedem Nutzer abgerufen werden kann. Gerade im Bereich der Medikamentenentwicklung – nicht selten dauert es zehn Jahre und länger, bis ein Medikament auf den Markt kommt – ergibt sich so im Lauf der Zeit ein Mehrwert der Informationen. Entwicklungszeiten könnten allein dadurch deutlich verkürzt werden, dass das Wissen und die Ergebnisse aus vorhergehenden Untersuchungen und Studien jederzeit zur Verfügung stehen und für alle Nutzer verständlich sind.

H14-Navigator: Ökotoxologische Charakterisierung von Abfällen

Eben diese kurz- und langfristigen Vorteile hat das Umweltbundesamt bereits erkannt und betreibt seit 2008 eine öffentlich zugängliche Webanwendung für die Ergebnisse einer multinationalen Studie zum Vergleich von Messmethoden der Umweltgiftigkeit von Abfällen. Der so genannte H14-Navigator basiert auf der Topic-Maps-Technologie und wurde von den Nexxor-Gründern – die damals noch im Auftrag der Hölle & Hüttner AG in Tübingen arbeiteten – in wenigen Monaten entwickelt. An dem Projekt waren insgesamt vier Partner und über 60 Labore aus 18 EU-Ländern beteiligt, die fast zwanzig verschiedene Methoden zur Messung der Abfallgiftigkeit untersuchten und umfangreiche Ergebnisse in Form von unterschiedlich strukturierten Tabellen und Dokumenten beisteuerten. Ein simultaner Zugriff auf alle Ergebnisse war unmöglich, Vergleiche und Bewertungen selbst für die Beteiligten schwierig. „Mit einer herkömmlichen Technologie wäre dieses Projekt nicht realisierbar gewesen,“ sagt Dr. Gerhard Weber. „Erst mithilfe der Topic-Maps-Technologie ist es uns gelungen, eine integrierte Datenbank zu erstellen, deren flexibles Webfrontend Zugang zu allen Daten, Ergebnisebenen und Dokumenten bietet.“

Dadurch wird der Zugriff auf alle Inhalte und die Bearbeitung für alle Beteiligten wesentlich vereinfacht. Doch auch jeder Interessierte, der kein Fachmann auf diesem Gebiet ist, kann durch das hierarchische Wissensmodell sehr tief in das System einsteigen und sich Ebene für Ebene bis hin zu den Fachbegriffen und Ergebniswerten problemlos zurechtfinden. Wichtige Strukturen werden zusätzlich graphisch visualisiert, wobei das Bild eine Analogie zur Datenstruktur darstellt, die der Anwendung zu Grunde liegt. Damit kann selbst die Beziehung zwischen zwei Inhalten zu einem Aussagegegenstand gemacht und näher betrachtet werden. Auf diese Weise wird ein hoch vernetzter Informationsraum aufgespannt, der alle Inhalte miteinander verlinkt. Sogar einzelne Ergebniswerte sind als Aussagegegenstände im System abgebildet und führen zu ihrer Themenseite.

Die Projektverantwortliche des Umweltbundesamtes, Dr. Heidrun Moser, ist überzeugt von den Topic-Maps-basierten, wissensorientierten Informationssystemen: „Für die Aufbereitung und Darstellung eines so komplexen Datensatzes, wie er im Rahmen des Ringversuches zur ökotoxikologischen Charakterisierung von Abfällen erzeugt wurde, stellt der H14-Navigator ein besonders geeignetes Instrument dar. Wir würden uns bei ähnlich strukturierten Projekten jederzeit wieder für diese Technologie entscheiden.“

Bedeutungsvermittelnde Systeme werden sich durchsetzen

Für Dr. Gerhard Weber ist es keine Frage, dass sich semantische – also bedeutungsvermittelnde – Informationssysteme gegen die herkömmlichen anwendungszentrierten Systeme durchsetzen werden. Obwohl aktuell noch viele Aspekte untersucht werden, sei die Überführung in die betriebliche Praxis bereits in vollem Gange. „Die Abkehr von der Anwendungszentrierung bedeutet für die Benutzer, dass sie sich weniger Gedanken um einzelne Informationssysteme, deren Bedienung, die Bedeutung und die Integration von Inhalten machen müssen“, so Dr. Weber.

Stattdessen könnten sie sich auf ihre Fragestellungen konzentrieren. „Letztlich wollen wir nicht als Experten für die Bedienung von E-Mail-, Datenbank- oder Tabellenkalkulationsanwendungen glänzen, sondern unsere Aufgaben erledigen. Wenn mehr und mehr Anwendungen nicht mehr ihre Technik, sondern ihre Aussagegegenstände ins Zentrum stellen, wird dies einfacher werden.“

*Dr. K. Eichenberg, Dr. K. Ballesteros Katemann, BioRegio Stern Management GmbH, 70174 Stuttgart

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