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Navigationsgenies auf sechs Beinen

Zeitmanagement beim Raubzug der Ameisen

| Redakteur: Christian Lüttmann

Matabele-Ameisen auf Raubzug: Um schneller voranzukommen, bevorzugen sie Wege über offenes Gelände.
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Matabele-Ameisen auf Raubzug: Um schneller voranzukommen, bevorzugen sie Wege über offenes Gelände. (Bild: Erik Frank)

Nicht immer ist der direkte Weg auch der beste – das scheint selbst manchen Ameisen bewusst zu sein. So fanden Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg heraus, dass eine bestimmte Ameisenart Umwege durch offenes Gelände in Kauf nimmt. Was die Matabele-Ameise von den längeren Wegen für einen Vorteil hat, beschreiben die Biologen in einer aktuellen Studie.

Würzburg – Die afrikanischen Matabele-Ameisen (Megaponera analis) haben Termiten als Leibspeise. Um ihre Vorratskammern zu füllen, gehen sie zwei bis vier Mal am Tag auf Raubzüge: 200 bis 600 Tiere ziehen in Kolonnen los, überfallen Termiten an ihren Futterstellen und schleppen sie zurück ins Nest. Dort werden die Opfer schließlich gefressen.

Bevor die Ameisen blindlings einen Raubzug starten, schicken sie Späherinnen los. Die suchen nach Termitenfutterstellen, laufen dann zurück zum Nest und mobilisieren ihre Kameradinnen. Dabei legen die Späherinnen auf dem Rückweg zum Nest eine bemerkenswerte Routenplanung an den Tag: Sie wählen nämlich nicht den kürzesten, sondern den schnellsten Weg.

Auf Umwegen schneller ans Ziel

Verläuft der direkte Rückweg zum Nest zum Beispiel durch ein schwer zu durchquerendes Areal, das dicht mit Gräsern bewachsen ist, bevorzugen die Späherinnen Umwege über offenes Gelände. Dort können sie doppelt so schnell laufen – und das lohnt sich: Obwohl sie nicht den kürzesten Weg nehmen, sind sie deutlich schneller.

Die Laufzeit der Ameisen zurück zum Nest verringert sich durch die gezielten Umwege im Schnitt um 35 Prozent. Das haben Erik T. Frank, Philipp Hönle und Karl Eduard Linsenmair vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg herausgefunden.

Dass Matabele-Ameisen ihren Weg auf die kürzeste Zeit hin optimieren, ist für die Ameisenforscher eine neue Erkenntnis. „Von anderen Ameisenarten ist bekannt, dass sie mithilfe verschiedener Orientierungsmechanismen den kürzesten Weg von einer Futterstelle zurück zum Nest finden können“, sagt Erik Frank. Offenbar verfügen die Matabele-Ameisen aber über noch komplexere Navigationsfähigkeiten, die es nun weiter zu erforschen gilt.

„Einstimmige“ Entscheidung im Ameisenreich?

Was die Würzburger Biologen außerdem erstaunt hat: Bei den Matabele-Ameisen wird die Entscheidung über den einzuschlagenden Weg nicht etwa im Kollektiv getroffen, wie bei staatenbildenden Insekten üblich. Stattdessen entscheiden einzelne Tiere über den Weg. „Damit haben wir den ersten Nachweis einer Zeit-optimierten Wegintegration durch einzelne Individuen im Ameisenreich erbracht“, sagt Frank, der inzwischen als Postdoc an der Universität Lausanne forscht.

Originalpublikation: Erik T. Frank, Philipp O. Hönle, K. Eduard Linsenmair: Time optimized path-choice in the termite hunting ant Megaponera analis. Journal of Experimental Biology 2018, 10 May, DOI: 10.1242/jeb.174854

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