Das Bakterium Bacillus subtilis kann durch die Bildung von Endosporen ungünstige Lebensbedingungen überdauern. Zeitraffer-Mikroskopiestudien deuten darauf hin, dass die Bakterien sich dabei entscheiden, ob sie mehr oder bessere Sporen bilden, und dass natürliche Isolate unterschiedlichen Lebenszyklus-Strategien folgen. Diese Erkenntnisse haben u.a. praktische Konsequenzen für die Entwicklung biotechnologischer Produkte für die ökologische Landwirtschaft.
Sporenbildung ist ein mehrzelliger Prozess. Links: Gestaffelte Sporulation; Mitte: Frühe und späte Sporen; rechts: Selektives Aufleben. Die Sporen entstehen zeitlich gestaffelt aus einer Vorläuferzelle über einen Zeitraum von mehreren Tagen. Die einzelne Zelle entscheidet in jedem Zellzyklus, ob sie sich nochmals teilt oder die Sporulation einleitet. Nach vier Tagen sind (fast) alle Zellen sporuliert und gemäß ihres Sporulationszeitpunkts kann man „frühe“ und „späte“ Sporen unterscheiden.
Marburg – Wie winzige Raumkapseln schützen Endosporen das bakterielle Genom im Sporenkern vor Hitze, Trockenheit und Nahrungsmangel. Wenn die Bedingungen stimmen, können sie in kürzester Zeit aufleben und neue Zellen bilden, die sich weiter teilen und vermehren. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit sind die Endosporen allgegenwärtig: einerseits unerwünschte Dauergäste in Bereichen mit hohen Hygieneanforderungen, andererseits in hohem Grade biotechnologisch nutzbar und Ziel industrieller Herstellung, zum Beispiel in Probiotika für die Tierzucht und im biologischen Pflanzenschutz.
Ilka Bischofs mit ihrem Team vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und der Universität Heidelberg untersucht die Prozesse und Signalwege, die an der Sporulation beteiligt sind. Mittels Zeitraffer-Videotechniken in Kombination mit fluoreszierenden Markern ist es dem Team erstmals gelungen, beide Prozesse, Sporulation und Aufleben, in Korrelation zu untersuchen - mit überraschenden Ergebnissen und Konsequenzen.
Bislang war es scheinbar Zufall, ob oder wann eine Spore mit neuen Nährstoffen auflebt. Indem die Forscher die Entstehungsgeschichten der einzelnen Sporen verfolgten, entdeckten sie, dass eine Spore schneller keimt und mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder auswächst, je früher sie gebildet wurde. Dies liegt unter anderem daran, dass Zellen unter Nähstoffmangel die Produktion eines Stoffwechselenzyms einstellen und somit vorhandene Enzyme bei der Sporenbildung auf die Nachkommen verteilt werden müssen. Dazu Ilka Bischofs: „Je weniger sich eine Zelle vor der Sporulation geteilt hat, desto mehr Enzym ist in der Spore gespeichert und desto besser kommt die Spore mit neuen Nährstoffen wieder in Schwung, wenn sie aus dem Schlafzustand geweckt wird. Man kann auch sagen: wer früh schlafen geht, wacht besser auf.“
Mehr oder bessere Sporen?
Verschiedene Lebenszyklusstrategien sporenbildenden Bakterien.
Betrachtet man die Sporenbildung als multizelluläres Phänomen, so ergibt sich ein Zielkonflikt: Teilt sich eine Bakterienzelle vor der Sporulation noch eine Zeit weiter, erhöht sie damit die Gesamtanzahl der am Ende gebildeten Sporen. Im Gegensatz dazu führt eine schnelle Sporenbildung zwar zu einem geringeren Sporenertrag, jedoch haben diese bessere Aussichten, mit neuen Nährstoffen teilungsfähige Zellen auszubilden. Damit ergibt sich ein Konflikt zwischen Sporenertrag und -qualität – ganz nach dem Motto: Masse oder Klasse?
In der Natur finden sich viele solcher Zielkonflikte, zum Beispiel bei Insekten- oder Fischeiern oder der Produktion von Pflanzensamen: Je nach Umgebung kann eine Erhöhung der Quantität oder Qualität vorteilhaft sein und die Anpassung an verschiedene Lebensbedingungen und Lebensräume ermöglichen.
Anpassung an den Lebensraum
In der Natur finden sich B. subtilis-Dauersporen sowohl im Boden als auch im Darm bodenlebender Tiere, zum Beispiel von Hühnern. Die Forscherenden haben im Zeitraffer beobachtet, dass sich die Strategien der Bakterienisolate unterscheiden. Während das Isolat aus dem Boden auf Masse setzt und fast doppelt so viele Sporen bildet wie das Huhnisolat, folgt letzteres dem Prinzip „Klasse“: weniger Sporen, die jedoch auch unter nährstoffarmen Bedingungen besser auswachsen können, wie Versuche mit unterschiedlichen Nährmedien zeigten. Indem die Forschenden bestimmte Signalsysteme aus dem Bodenisolat in das Huhnisolat überführten, konnten sie aus dem „Klasse“-Strategen einen „Masse-Strategen“ machen.
Erste Experimente mit einem Modellsystem deuten darauf hin, dass dies eine Anpassung an den Lebensraum reflektieren könnte. Dem Forscherteam gelang es, die Sporulationswahrscheinlichkeit durch gesteuerte Expression einer Sporulations-Kinase einzustellen und damit die verschiedenen Strategien synthetisch nachzustellen. Je nach Umgebung beim Auswachsen war die ein oder andere Strategie vorteilhaft. Unter „paradiesischen Zuständen“, d.h. wenn genügend Nährstoffe vorhanden sind, dass alle Sporen auswachsen können, übervorteilt der Masse-Strategie die Klasse-Strategie. Umgekehrtes gilt, wenn die Umgebung auf das Auswachsen von qualitativ hochwertigen Sporen selektiert.
Von der Grundlagenforschung zur ökologischen Landwirtschaft
Der Konflikt zwischen Sporenertrag und Qualität ist möglicherweise auch für die angewandte Forschung relevant. Schon heute spielen Sporen in der ökologischen Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Sie sind integraler Bestandteil von biologischen Pflanzenschutzmitteln und Probiotika. Auf der Pflanze bzw. im Tier nutzt Bacillus vorhandene Nährstoffe zum Auswachsen der Sporen und bildet dann natürliche Biostoffe, die Pflanzen vor Pilzbefall schützen bzw. dem Tierwohl dienen. Biotechnologieunternehmen produzieren daher Sporen im Tonnenmaßstab. Für die Sporenproduktion im Bioreaktor ist bisher der Sporentiter ein entscheidender Parameter. Inwiefern sich eine Optimierung der Sporenanzahl auf die Qualität der Sporen auswirkt, ist in diesem Rahmen eine wichtige Fragestellung, um damit die Produkte und ihre Wirksamkeit in Zukunft zu verbessern.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.