Zucker macht dick. Aber Zucker macht auch satt. Genauer gesagt, schon der süße Geschmack von Zucker. Dies haben Forscher aus München und Wien in einer aktuellen Studie herausgefunden. Sie zeigten, dass Testpersonen mit blockierter Wahrnehmung für Süßgeschmack mehr aßen als eine Kontrollgruppe.
Die Geschmackswahrnehmung von Zucker und die Hunger-Sättigungsregulation hängen zusammen.
Wien/Österreich, München – Der süße Geschmack von Zucker ist weltweit beliebt. Allein in Österreich und Deutschland liegt der jährliche Prokopfverbrauch bei etwa 33 bzw. 34 Kilogramm. Zucker spielt somit für die Ernährung und Gesundheit der Bevölkerung eine immer größer werdende Rolle, insbesondere im Hinblick auf das Körpergewicht. Dennoch ist bislang nur wenig über die molekularen (Geschmacks-)Mechanismen bekannt, über die Zucker – unabhängig von seinem Energiegehalt – die Nahrungsaufnahme beeinflusst.
„Wir sind daher der Frage nachgegangen, welche Rolle die Aktivierung des Süßgeschmacksrezeptors bei der Sättigungsregulation spielt“, sagt Prof. Dr. Veronika Somoza, stellvertretende Vorständin am Institut für Physiologische Chemie der Universität Wien und Direktorin des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München (TUM).
Ausgeschalteter Zuckergeschmack
Um den verborgenen Funktionen des Zuckers auf die Spur zu kommen, führten die Wissenschaftler eine verblindete Cross-over-Interventionsstudie mit Traubenzucker (Glukose) und Haushaltszucker (Saccharose) durch. An dieser nahmen 27 gesunde Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren teil. Die Probanden erhielten entweder eine reine zehnprozentige (w/v, Gewichtsprozent) Glucose- oder Saccharoselösung oder eine dieser beiden Zuckerlösungen mit zusätzlich 60 ppm Lactisol. Lactisol ist eine Substanz, die an eine Untereinheit des Süßrezeptors bindet und so bewirkt, dass man Süße im Geschmack weniger stark wahrnimmt. Trotz unterschiedlicher Zuckerarten wiesen alle Testlösungen mit und ohne Lactisol den gleichen Energiegehalt auf.
Zwei Stunden nach Trinken der jeweiligen Testlösung durften die Teilnehmer so viel frühstücken, wie sie wollten. Kurz vor und während der zweistündigen Wartezeit entnahmen die Forscher den Probanden in regelmäßigen Abständen Blut und maßen deren Körpertemperatur.
Es zeigte sich, dass die Gruppe mit der gedämpften Wahrnehmung für Süßes mehr aß als die Kontrollgruppe: Nach Konsum der Lactisol-haltigen Saccharoselösung nahmen die Teilnehmer ca. 13 Prozent mehr Nahrungsenergie aus dem Frühstück auf – also etwa 100 Kilokalorien mehr als nach dem Trinken der Saccharoselösung ohne Lactisol. Das entspricht umgerechnet etwa einem Riegel Vollmilchschokolade an zusätzlicher Energie.
Möglicherweise misst der Körper die durch den Zucker zugeführte Energie auch mithilfe des süßen Geschmacks auf der Zunge und erhöht dann schneller das Sättigungsgefühl. So fanden die Forscher weiterhin, dass sich sich bei den Probanden der Lactisol-Saccharrose-Testgruppe die Körpertemperatur verringerte sowie die Serotoninspiegel im Blut sanken. Serotonin ist ein Neurotransmitter und Gewebshormon, das u.a. appetithemmend wirkt.
Dossier Übergewicht & Ernährung In unserem Dossier „Übergewicht & Ernährung“ haben wir für Sie weitere Forschungsvorhaben und -erkenntnisse zum Thema Ernährung zusammengefasst.
Der Zucker macht den Unterschied
Überraschenderweise zeigte sich bei den Teilnehmern, die statt Saccharose eine Glucose-Lösung getrunken hatten, kein Unterschied zwischen der Testgruppe mit Lactisol-Zusatz und der Kontrollgruppe ohne Lactisol. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass Saccharose unabhängig von seinem Energiegehalt über den Süßgeschmacksrezeptor die Sättigungsregulation sowie die Energieaufnahme moduliert“, sagt Dr. Barbara Lieder, Leiterin des Christian-Doppler-Labors für Geschmacksforschung und wie ihre Kollegin Somoza stellvertretende Vorständin des Instituts für Physiologische Chemie an der Fakultät für Chemie der Universität Wien.
Warum die Forscher bei der Gabe von Glucose keinen Effekt der Lactisol-Lösung beobachten konnten, ist noch unklar. Sie vermuten, dass Glukose und Saccharose den Süßrezeptor auf unterschiedliche Weise aktivieren. Weiterhin könnten Mechanismen eine Rolle spielen, die von den Süßrezeptoren unabhängig sind.
„Es besteht also noch viel Forschungsbedarf, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Zuckerkonsum, Geschmacksrezeptoren und Sättigungsregulation auf molekularer Ebene zu klären“, sagt Somoza. Insbesondere, da sich die Süßrezeptoren auch im Verdauungstrakt fänden und noch wenig über deren dortige Funktion bekannt sei. Die ersten Schritte seien aber gemacht.
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* Pia Gärtner, Universität Wien, 1010 Wien/Österreich