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Überraschende Erkenntnisse für die Anthropologie Analyse eines 10.000 Jahre alten Genoms

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie 2 min Lesedauer

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Die „Wiege der Menschheit“ liegt in Afrika, weshalb die Migrationsforschung hier eine besondere Bedeutung für die Anthropologie besitzt. Wissenschaftlern ist es nun gelungen, die bislang älteste DNA aus Südafrika zu untersuchen. Überraschend ist die Erkenntnis, dass große genetische Veränderungen erst vor 1.200 Jahren entstanden sind.

Felsmalereien in der Oakhurst Rock Shelter, Oakhurst Farm, bei Hoekwil, Südafrika(Bild:  V. Gibbon)
Felsmalereien in der Oakhurst Rock Shelter, Oakhurst Farm, bei Hoekwil, Südafrika
(Bild: V. Gibbon)

Ein Forschungsteam der Universität Kapstadt und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat menschliche Überreste aus dem Oakhurst Rock Shelter im Süden Afrikas analysiert und das Erbgut von dreizehn Menschen rekonstruiert, die vor 1.300 bis 10.000 Jahren gestorben sind.

„Oakhurst Rock Shelter ist ein idealer Ort, um Menschheitsgeschichte zu erforschen, da er mehr als 40 menschliche Gräber und menschliche Artefakte wie Steinwerkzeuge aus den letzten 12.000 Jahren beherbergt“, sagt Victoria Gibbon, Professorin für Biologische Anthropologie an der Universität Kapstadt. „Solche Fundstätten sind in Südafrika selten, und Oakhurst hat uns geholfen, die Bevölkerungsbewegungen und -beziehungen in der Region über einen Zeitraum von fast 9.000 Jahren besser zu verstehen.“

Herausfordernde, aber wichtige Aufgabe

Die Sequenzierung der DNA stellte die Forschenden laut Stephan Schifflers, Co-Senior-Autor der Studie, vor eine Herausforderung. Da die DNA sehr alt und schlecht erhalten ist, ist eine Extraktion außerordentlich schwierig und gelingt nur durch verschiedene Methoden und mehrmalige Durchführung der Experimente. Die alten Genome repräsentieren den Zeitraum von vor 10.000 bis vor 1.300 Jahren und bieten den Forschenden die einzigartige Möglichkeit, menschliche Migrationen im Laufe der Zeit und die Beziehungen zwischen damaligen und heutigen Bevölkerungsgruppen in dieser Region zu untersuchen.

Die genetische Stabilität überrascht die Wissenschaftler

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass die ältesten Genome aus Oakhurst den Genomen der heute in der Region lebenden San und Khoekhoe sehr ähnlich sind. Das war überraschend, sagt Joscha Gretzinger, Erstautor der Studie: „Ähnliche Studien haben für Europa eine Geschichte großer genetischer Veränderungen durch menschliche Migrationen in den letzten 10.000 Jahren gezeigt. Unsere neuen Ergebnisse aus dem südlichen Afrika deuten dagegen auf eine lange Geschichte relativer genetischer Stabilität hin.“ Dies änderte sich erst vor etwa 1.200 Jahren, als Neuankömmlinge Viehzucht, Ackerbau und neue Sprachen in die Region brachten und auf einheimische Jäger- und Sammlergruppen trafen.

Für eine der kulturell, linguistisch und genetisch vielfältigsten Regionen der Welt zeigt die neue Studie, dass die umfangreichen archäologischen Funde Südafrikas nun zunehmend für die Archäogenetik zugänglich werden, was in Zukunft zu faszinierenden neuen Einblicken in die menschliche Geschichte und Demographie der Vergangenheit führen wird.

Originalpublikation: Joscha Gretzinger, Victoria E. Gibbon, Sandra E. Penske, Judith C. Sealy, Adam B. Rohrlach, Domingo C. Salazar-García, Johannes Krause & Stephan Schiffels 9,000 years of genetic continuity in southernmost Africa demonstrated at Oakhurst rockshelter, Nature Ecology & Evolution, 19 September 2024, DOI: 10.1038/s41559-024-02532-3

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