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Wärme, Kälte und kosmische Strahlung

Algen: Überlebenskünstler im Weltall

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Welche Anpassungsstrategien nutzten die Algen?

Im nächsten Schritt prüfen die Forscher die Anpassungsstrategien der Blau- und Grünalgen. Da UV-Strahlung die DNA des Menschen schädigen kann, untersucht das DLR in Kooperation mit der TU-Berlin die DNA der ISS-Rückkehrer. Die Wissenschaftler testen, ob und in welchem Umfang die DNA beeinträchtigt wurde. Außerdem wird die Bio-Signatur der in den Algen enthaltenen Carotinoide mit Spektroskopieverfahren analysiert. Als Bio-Signatur bezeichnen Experten beispielsweise die Basenabfolge in der DNA oder ihr Absorptionsverhalten bei bestimmten Wellenlängen. Bedeutsam sind diese Erkenntnisse unter anderem für eine künftige Mission zum Mars. Sollten die Menschen in ferner Zukunft den roten Planeten besiedeln, wäre die Produktion von Nahrungsmitteln auf dem Mars eine überlebensnotwendige Aufgabe. Algen produzieren Sauerstoff und Proteine und lassen sich als Nahrungsquelle nutzen. Besonders resistente Stämme könnten in speziellen Kulturhäusern oder halbtransparenten Zelten als Nahrungsquelle kultiviert werden.

Ebenfalls interessant für die Forscher: Ist es möglich, dass das Leben auf der Erde vor ein paar Millionen Jahren durch Organismen aus dem All entstanden ist? Frühe Vorformen von Leben könnten durch einen Meteoriteneinschlag auf die Erde gelangt sein. Diese so genannte Panspermie-Theorie bekommt möglicherweise durch die Algen-Experimente auf der ISS neuen Auftrieb.

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Algen-Komponenten als Nahrungsergänzungsmittel und Sonnenschutz

Von den Ergebnissen des ISS-Versuchs profitiert auch die Industrie. Kosmetikhersteller dürften schon bald in der Lage sein, UV-Schutz-Cremes mit Algen-Komponenten herzustellen. Für die Lebensmittelindustrie sind Algen mit ihren leistungsfähigen Reparaturmechanismen und dem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, wie etwa EPA, als Nahrungsergänzungsmittel attraktiv. Die dafür nötigen Herstellungsverfahren sind derzeit noch sehr aufwändig, sie werden jedoch in naher Zukunft verfügbar sein.

Nahezu 500 Algen und andere Organismen hat Thomas Leya in den Polargebieten und anderen extremen Standorten der Erde bereits gesammelt. Doch insgesamt geht man von weit über hunderttausend verschiedenen Arten aus, von denen bisher nur ein Bruchteil bekannt ist. Die Chance ist also groß, dass diese unterschätzten Organismen noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

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