Alternativen zu Fleisch und tierischen Produkten sind zunehmend wichtig für Gesundheit, Klima und Wirtschaft. In einem Gutachten hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz sich diesem Thema angenommen. Darin analysieren die Experten Nährstoffzusammensetzung, Sicherheitsaspekte und regulatorische Anforderungen – relevante Erkenntnisse für die Lebensmittelanalytik.
Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz hat Bundesminister Alois Rainer im Juli ein Gutachten übergeben. Dieses behandelt Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln als Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung. (Symbolbild)
(Bild: ideogram.ai / KI-generiert)
Pflanzenbasierte und biotechnologische Alternativen zu Fleisch, Milch und Co. gewinnen langfristig an Bedeutung – auch angesichts drängender Herausforderungen in den Bereichen Umwelt und Tierwohl. In einem nun veröffentlichten Gutachten analysiert der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) das Potenzial so genannter Alternativprodukte. Der Beirat empfiehlt der Bundesregierung, diese Technologien gezielt zu fördern – als Baustein einer zukunftsorientierten Politik für nachhaltigere Agrar- und Ernährungssysteme.
Weniger Fleisch, aber mehr Käse – eine Milchmädchenrechnung fürs Klima
In dem Gutachten geht es um pflanzliche Alternativprodukte, biotechnologische Verfahren wie Zellkultivierung und Präzisionsfermentation als auch so genannte Hybridprodukte. Sie alle können dazu beitragen, einige negative Umweltwirkungen der Nutztierhaltung zu verringern – ohne dass Menschen ihr Ernährungsverhalten grundlegend ändern. „In den letzten Jahren essen die Menschen in Deutschland schon rund 10 kg Fleisch weniger pro Jahr, aber dafür mehr Käse. Dadurch sind die gesamten Treibhausgasemissionen der Ernährung kaum gesunken“, erklärt Prof. Dr. Achim Spiller, Universität Göttingen und Vorsitzender des Beirats. „Alternativprodukte können einen Ausweg aus diesem ‚Käseparadox‘ bieten, weil sie häufig eine deutlich bessere Treibhausgasbilanz aufweisen“, Dafür braucht es sensorisch überzeugende Alternativen und deshalb auch eine gezielte Förderung von Innovationen. Dies bietet Chancen für die deutsche Ernährungswirtschaft.
Vom Fleischfreund bis zum Veggie-Verfechter – Ernährungsweisen im Wandel
„Wir sehen eine zunehmende Diversifizierung der Ernährungsstile in der Bevölkerung – von überzeugten Fleischliebhabern, klassischen Fleischkonsumentinnen, Personen, die ihren Fleischkonsum aus verschiedenen Gründen reduzieren möchten, Vegetarierinnen bis hin zu Veganern“, betont Prof. Dr. Britta Renner von der Universität Konstanz, und stellvertretende Vorsitzende des WBAE. „Diese Vielfalt eröffnet neue individuelle Spielräume – stellt uns aber auch vor Herausforderungen im sozialen Miteinander und im Hinblick auf einen ‚gemeinsamen Tisch‘. Die von uns entwickelte 3-R-Strategie – Reduce (z. B. kleinere Fleischportionen), Remix (Hybridprodukte), Replace (innovative Alternativen) – zeigt, wie vielfältig, flexibel und alltagstauglich ein reduzierter Konsum tierischer Lebensmittel aussehen kann.“
Alternativprodukte bieten neue Wahlmöglichkeiten für Menschen, die sich aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen anders ernähren wollen. Die breite Mehrheit betrachtet Alternativprodukte sehr offen und unideologisch. „Auch die Politik sollte bei diesem Thema die Erweiterung der Möglichkeiten und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt stellen“, sagt Renner. „Beim Thema Alternativprodukte geht es darum, einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten und den weltweit erwarteten Anstieg der Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln abzufedern – nicht um eine Abschaffung der Nutztierhaltung“, erläutert Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Co-Leiter der Arbeitsgruppe.
Gezielt fördern statt blockieren
Der WBAE spricht sich deutlich für faire Wettbewerbsbedingungen aus. Dazu gehört insbesondere, die steuerliche Schlechterstellung der Alternativprodukte bei der Mehrwertsteuer zu beenden. Bislang unterliegen Alternativprodukte – im Gegensatz zu tierischen Erzeugnissen – dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 %. Auch ist eine transparente Verbraucherinformation für einen fairen Wettbewerb wichtig. Zwar sind Alternativprodukte im Durchschnitt gesünder und umweltfreundlicher, das gilt aber nicht in allen Fällen. Der WBAE empfiehlt deshalb der Bundesregierung eine Weiterentwicklung und Förderung des Nutri-Scores und die Einführung eines Klimalabels.
In der Neu- und Weiterentwicklung von Alternativprodukten sehen die Experten des Gutachtens eine Herausforderung – aber auch eine Chance für eine nachhaltige Transformation der Landwirtschaft. Man erwarte keinen abrupten Strukturbruch, sondern einen schrittweisen Wandel. Es sei wichtig ist, diesen Wandel aktiv zu gestalten und Betriebe gezielt beim Umbau zu unterstützen – insbesondere im Sinne des Tierwohls, wie die Experten betonen.
Besonders in Regionen mit intensiver Tierhaltung könnten sich durch den Wandel positive Umweltwirkungen entfalten. Andererseits besteht gerade in Regionen mit überwiegend extensiv genutztem Grünland die Gefahr, dass durch einen Rückgang grünlandbasierter Tierhaltungen (vor allem Rinder, Schafe) naturschutzrelevante Dauergrünlandflächen aus der Nutzung fallen. In seinem Gutachten empfiehlt der Beirat eine Reihe von Maßnahmen, die den Erhalt biodiversitätsreicher Kulturlandschaften sichern können.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Fleischalternativen als Chance nutzen
Um die Innovationskraft im Bereich von Alternativprodukten mit nachgewiesenen Nachhaltigkeitsvorteilen zu stärken, empfiehlt der WBAE gezielte Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung. Alternativprodukte erweitern das Angebot und eröffnen damit einen neuen Weg, um Umwelt und Tiere zu schützen, das soziale Miteinander zu stärken und mehr Auswahlmöglichkeiten am gemeinsamen Tisch zu schaffen.