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Allergieforschung

Beifuß-Ambrosie verursacht in der Allergieforschung Kosten in Millionenhöhe

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„Die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Befragten eine Bekämpfung von Ambrosia finanziell unterstützen würde, verdeutlicht den starken Leidensdruck der Patienten. Die Ergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Betroffenen während der Beschwerdesaison bei einfachen körperlichen Tätigkeiten eingeschränkt ist“, erklärt Professor Franziska Ruëff von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Behandlungskosten steigen um 10 bis 25 Prozent

Hochgerechnet auf ganz Deutschland bedeutet dies, dass je nach Entwicklung der Ambrosia-Belastung die durchschnittlichen Behandlungskosten bei Pollenallergikern um 10 - 25 % ansteigen könnten. Das würde jährliche Mehrkosten von ca. 1.300 bis 2.100 Euro pro Patient bedeuten.

Diese ersten Ergebnisse zu den Gesundheitskosten der Ambrosia basieren auf einer stichprobenartigen Befragung von Pollenallergikern in Süddeutschland, die sich wegen ihrer Beschwerden an einer Universitätsklinik vorstellten. Belastbarere Kostenschätzungen würden einerseits umfangreichere Untersuchungen in unterschiedlich belasteten Regionen Deutschlands erfordern und andererseits mehr Wissen über die Ausbreitung der Ambrosia in den nächsten Jahrzehnten voraussetzen.

Die Pilot-Studie ist daher nur eine erste Annäherung an diese Thematik. „Auch wenn die Zuordnung von Kosten, die durch ein spezifisches Allergen verursacht werden, kaum möglich ist, da die von einer Ambrosia-Allergie betroffenen Patienten oftmals bereits gegen andere Allergene sensibilisiert sind, so vermittelt die Studie doch einen ersten Eindruck der Kostendimension des Ambrosia-Problems. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der eine Ausbreitung der Ambrosia auch in Deutschland zusätzlich begünstigt, ist die Annahme plausibel, dass sich der Beschwerdezeitraum von 12 % aller Pollenallergiker durch die zunehmende Verbreitung der Ambrosia um bis zu zwei Monate verlängert. Die Ergebnisse der Studie sind daher von großem gesundheitspolitischen Interesse“, betont Ökonom Oliver Gebhardt vom UFZ.

Bei einem Viertel bis der Hälfte all derjenigen, die gegen das Ambrosia-Allergen sensibilisiert sind, kommt es später tatsächlich zu einer allergischen Reaktion. Der effektivste Weg anfallende Kosten zu begrenzen, wäre also die Pollenkonzentration zu verringern, indem die Ausbreitung der Pflanze eingedämmt wird. Voraussetzung hierfür sind aus Sicht der Wissenschaftler ein höheres Problembewusstsein und eine intensive Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen und Institutionen auf europäischer Ebene. Eine Kombination aus präventivem Management im Straßenbau, in der Landwirtschaft aber auch im privaten Bereich und flächendeckendes Monitoring könnte helfen, größere Vorkommen mit der gebotenen Eile zu bekämpfen.

Gelingt dies nicht, dann könnten Deutschland Verhältnisse wie in Ungarn drohen, wo bereits seit einigen Jahren ein Zehntel der Gesamtbevölkerung sensibilisiert ist.

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